Internetsucht

Eine neue Studie deckt auf, dass in Deutschland bereits 560.000 Menschen internetsüchtig sind. Gleichzeitig gelten rund 2,5 Millionen Deutsche im Alter zwischen 14 und 64 Jahren als problematische Internetnutzer. Junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren sind am meisten betroffen: 14 Prozent gelten als problematisch, über zwei Prozent sind bereits abhängig, Tendenz stark steigend. Wird die Onlinesucht die Volkssucht der Zukunft?

„Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Was für Angela Merkel vielleicht zutreffen mag, hat für die meisten Deutschen nichts mit ihrer Alltagsrealität zu tun. Im Gegenteil: Für rund ein Prozent der 14- bis 64-Jährigen in Deutschland scheint das Internet zum wichtigsten Lebensraum geworden zu sein – sie gelten als internetsüchtig. Die erschreckend hohe Zahl geht aus einer aktuellen Studie zur Internetsucht der Universität Lübeck hervor, die vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wurde.

Männer und Frauen gleichermaßen betroffen – dennoch zeigen sich Unterschiede

Dabei zeigt die Studie aber auch einen interessanten Trend: Unter allen identifizierten Süchtigen geben 37 Prozent an, den Großteil ihrer Zeit mit Onlinespielen zu verbringen. Ebenfalls 37 Prozent sind dagegen hauptsächlich in sozialen Netzwerken, allen voran Facebook, aktiv. Männliche Betroffene beschäftigen sich dabei viel häufiger mit den Onlinespielen (65 Prozent), während die weiblichen in der Mehrzahl (77 Prozent) den sozialen Netzwerken verfallen sind.

Ganz ehrlich, mögen einige jetzt denken, wer kann sich heute schon noch ein Leben ohne Internet vorstellen? Wir gehen im Netz einkaufen, wir informieren uns im Netz über das Weltgeschehen, wir unterhalten uns mit Freunden und verlieben uns sogar im Netz. Wo zieht man also die Grenze zwischen normalem Internetkonsum und „anormalem“ Suchtverhalten?

Ist mein Internetkonsum noch „normal“?

Die Wahrheit ist, dass sich genau damit sogar die Experten schwertun. Die Grenzen dazwischen sind fließend. Selbst der Begriff Internetsucht ist umstritten. Der Grund dafür ist logisch: Ist ein Spieler, der den ganzen Tag am Online-Pokertisch zockt nun süchtig nach dem Internet oder doch „nur“ einfach spielsüchtig?

Ein wenig Licht ins Dunkel sollen die definierten Indikatoren für Internetsucht bringen, die meist mit Hilfe eines Fragebogens abgerufen werden. Indikatoren sprechen vor allem dann für ein Suchtverhalten, wenn sie zeigen, dass der betreffende Nutzer andere wichtige Bereiche in seinem Leben schleifen lässt. Das kann zum Beispiel damit beginnen, dass Onlinespieler sich in ihrer Freizeit nicht mehr mit ihren – realen – Freunden treffen und kann sogar mit dem Verlust des Arbeitsplatzes und der völligen sozialen Isolation enden. Einige verwahrlosen sogar körperlich vor ihren Monitoren.

Die Internetsucht – Volkskrankheit der Zukunft?

Auch an der Gesundheit geht so eine Lebensweise natürlich nicht spurlos vorbei. Die Süchtigen bewegen sich stundenlang praktisch nicht, ihre Muskeln verkümmern, Rückenschmerzen und Verspannung folgen. Dazu kommt, dass sich die Betroffenen meist extrem ungesund und einseitig ernähren. Klar – Fast-Food und Fertiggerichte bieten sich ja geradezu an, wenn man schnell wieder an den Bildschirm will.

Das hat natürlich auch Folgen: Die Gefahr für Krankheiten wie Adipositas, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Migräne steigt stark an. Gleichzeitig schwächen schlechte Ernährung und wenig Bewegung das Immunsystem und machen den Weg frei für Infekte, wie zum Beispiel Erkältungen. Von den psychischen Problemen wie Aufmerksamkeitsstörungen und Aggression ganz zu schweigen.

Weil die Intersucht ein sehr neues Phänomen ist, steckt die Forschung noch immer in den Kinderschuhen. Nach und nach bieten aber immer mehr Krankenhäuser und Unikliniken die Behandlung von Internetsüchtigen an. Dabei lernen die Patienten wieder den „normalen“ Umgang mit dem Medium Internet – denn komplett entsagen kann diesem heute wohl keiner mehr. Es gehört einfach zur heutigen Lebensweise dazu. Auch Selbsthilfegruppen für Süchtige bekommen immer mehr Zulauf und gelten als besonders vielversprechendes Element der Therapie.

Um der Herausforderung „Volkskrankheit Internetsucht“ gewappnet entgegen treten zu können, sind aber weitere Möglichkeiten der Behandlung und vor allem der Prävention gefragt. Schon lange wird diskutiert, ob Medienkompetenz nicht als verbindliches Schulfach eingeführt werden soll. Aber vorerst ist es wohl an den Eltern, ihren Kindern schon so früh wie möglich einen gesunden Umgang mit dem Internet beizubringen – und vor allem vorzuleben.


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