Kontaktlinsen bei Diabetes

Diabetes ist eine weit verbreitete Stoffwechselkrankheit. Laut dem „Gesundheitsbericht Diabetes 2012“ der Deutschen Diabetes-Hilfe leiden etwa sieben Millionen Menschen allein in Deutschland an der Zuckerkrankheit. Bis zum Jahr 2035 könnte nach Angaben der International Diabetes Federation etwa jeder Zehnte weltweit an Diabetes erkranken. Durch neuartige Technologien soll der Umgang mit der Krankheit erleichtert werden.

Google entwickelt Kontaktlinsen für Diabetiker

Diabetiker müssen bisher ihre Werte mit Hilfe eines Bluttests überprüfen. Der Patient sticht sich mit einer Lanzette in den Finger, gibt das gewonnene Blut auf einen Teststreifen und wertet diesen mit einem Blutzuckermessgerät aus. Der schmerzhafte Pieks könnte aber bald Geschichte sein. Eine Messung der Glucose-Werte kann nämlich auch über die Tränenflüssigkeit erfolgen.

Viele Unternehmen bzw. Forschungseinrichtungen suchen bereits nach Lösungen, um Betroffenen das Messen der Werte zu erleichtern. Auch Google ist auf diesen Zug aufgesprungen. Das US-Unternehmen testet zurzeit elektronische Kontaktlinsen, die den Blutzuckerwert aus der Tränenflüssigkeit der Menschen ermitteln. Die Kontaktlinsen sollen den aktuellen Wert jedoch nicht nur prüfen sondern zusätzlich den Betroffenen bei Anstieg des Blutzuckerspiegels warnen und die Daten an andere Geräte wie zum Beispiel das Smartphone senden.

Kontaktlinse misst Glucose-Werte

Der bisherige Prototyp besteht aus zwei herkömmlichen Kontaktlinsen. Zwischen den beiden Linsen befinden sich ein Sensor und ein Miniatur-Funkchip. Chip und Sensor sind so winzig, dass sie für das Auge kein Problem darstellen. Die Funk-Antenne ist noch dünner als ein menschliches Haar. Durch die integrierte Technik kann die Linse sekündlich Glucose-Werte in der Tränenflüssigkeit messen und die entsprechenden Daten an eine zugehörige Smartphone-App weiterleiten.

Eine weitere Überlegung der Entwickler ist ein Mikro-LED-Lämpchen, das direkt in die Linse eingebaut werden soll. Fällt ein Blutzuckerwert in den kritischen Bereich, könnte ein Blinken den Kontaktlinsenträger warnen und signalisieren, dass er jetzt handeln muss. Betroffene hätten ihren Blutzuckerspiegel sozusagen immer im Auge.

Blutzuckermessung ohne Blut

Ein großer Vorteil für Menschen mit Diabetes wäre, dass sie sich dank der Kontaktlinsen nicht mehr mehrmals täglich in den Finger stechen müssten, um ihren Blutzucker zu messen. Das ist nicht nur unangenehm sondern stellt vor allem zu Beginn der Krankheit eine Qual da. Vielen ist es sogar unmöglich sich selbst zu piksen oder ihr eigenes Blut zu sehen. Zudem besteht die Gefahr von Entzündungen und Verhornungen an der Einstichstelle. Eine Messung über die Tränenflüssigkeit wäre also weniger schmerzhaft, einfacher und genauer.

Bis die Linsen auf den Markt kommen, dauert es jedoch noch. Es sei noch viel zu tun, erklären die Forscher. Google muss sich für die Umsetzung erfahrene Partner suchen, die Zugang zur Technologie bekommen. Diese Hilfe kommt vielleicht sogar aus Deutschland. Das Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme stellte bereits im Jahr 2012 einen Diabetes-Chip für das Auge vor.

Auf dem offiziellen Google Blog wurde die neuartige Entwicklung erstmals präsentiert. Man darf gespannt sein wie es weiter geht. Die interessanteste Frage ist bestimmt, wie dieses Produkt bei den Betroffenen ankommen wird.

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