Zuckergehalt-Kinderprodukte

Cerealien – bei vielen Familien gehört das scheinbar gesundklingende Frühstücksmüsli zur täglichen Ernährung. Die Verbraucherorganisation Foodwatch schlägt nun allerdings Alarm. Die als gesund getarnten Frühstücksflocken sind wahre Zuckerbomben.

Irrefürende Werbeslogan

In den speziell für Kinder vermarkteten Produkten steckt durchschnittlich 50 Prozent mehr Zucker als in vergleichbaren Produkten für Erwachsene. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich von Foodwatch durchgeführte Studie. Besonders Frühstücksflocken weisen dabei einen erschreckend hohen Zuckergehalt auf. Anne Markwardt, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherorganisation bemängelt besonders das vorgetäuschte Verantwortungsbewusstsein bei Kinderlebensmitteln. Vor allem durch Werbeversprechen wie „Reich an Vitaminen“ oder „100 Prozent Vollkorngetreide“ gaukeln Eltern vor, dass es sich bei den Produkten um ein gesundes Frühstück handle.

Laut den Experten handelt es sich dabei um alles andere als eine ausgewogene Mahlzeit. Vielmehr lässt man Kinder schon zum Frühstück Süßigkeiten zu sich nehmen. Eine Schüssel der gezuckerten Frühstücksflocken, egal ob Marken- oder Discouterprodukt, enthält bereits etwa 30 – 50 Prozent der Menge an Zucker, welche Kinder nicht überschreiten sollten.

Kritisch wird auch die Vermarktung der Frühstückscerealien gesehen. Durch bunte Verpackungen, welche häufig von Comicfiguren geschmückt sind und kleine Spielsachen enthalten, versucht die Industrie bereits bei kleinen Kindern das Verlangen nach den Produkten zu fördern.

Früh auf Zucker programmiert

Besonders in den ersten Lebensjahren ist der Verzehr von überzuckerten Lebensmitteln gefährlich, da in diese Phase eine entscheidende Prägung des Geschmacks stattfindet. Eine Gewöhnung an solche Produkte kann im weiteren Leben zu Fettleibigkeit, einem der größten Gesundheitsprobleme weltweit, führen. Eine unausgewogene Ernährung erhöht auch das Risiko an Diabetes oder Bluthochdruck zu erkranken. Eine Änderung im Verhalten der Industrie ist jedoch nicht in Sicht. Mit Frühstücksflocken und vielen anderen stark gesüßten Lebensmitteln sind deutlich höhere Gewinnmargen zu realisieren als beispielsweise mit Gemüse und Obst.

Zu hoher Zuckergehalt in Kinderprodukten

Für eine Gesamtanalyse des Marktes lies Foodwatch mehr als 180 verschiedene Frühstücksflocken testen. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Vergleich von Kinder- und Erwachsenenprodukten gelegt. Wie von den Verbraucherschützern erwartet, enthielten die für Kinder vermarkteten Produkte deutlich mehr Zucker als normale Frühstückscerealien.

Besonders viel Zucker erhielten bei diesen Studienbeobachtungen die Produkte vom Billig-Discounter Aldi und Nestlé: Bei Aldi stecken im Durchschnitt 35 Gramm Zucker pro hundert Gramm Inhalt in den Kinderflocken, wohingegen 20 Gramm im Müsli für Erwachsene steckt. Bei Nestlé findet sich durchschnittlich 32 Gramm Zucker pro hundert Gramm Inhalt bei den Kinderprodukten im Vergleich zu 17 Gramm bei den Erwachsenenprodukten. Zuckerkönig unter den Frühstücksflocken waren die „Honey Bees“ von Wurzener mit dem erheblichen Zuckergehalt von 48 Gramm pro hundert Gramm Frühstücksflocken.

Leider war das Unternehmen Wurzener für eine Stellungnahme nicht bereit. Wohingegen eine Nestlé-Sprecherin im Zuge einer Anfrage antwortete:„Wir bieten ab 2013 alle Nestlé Cerealien Produkte für Kinder und Teenager mit reduziertem Zuckergehalt an.“ Der Zuckergehalt der Produkte liege dann zwischen 10 und 28 Prozent. „Eine Cerealien-Portion mit 30 Gramm der neuen Rezepturen enthält somit maximal 8,6 Gramm Zucker.“

Zuckergehalt wie in Süßigkeiten, Kuchen und Torten

Für die Studienväter von Foodwatch sind jedoch selbst diese versprochenen Portionsgrößen unrealistisch und von Zahlenspielereien geprägt. Denn selbst bei 28 Prozent Zuckeranteil entspräche diese immer noch dem Zuckergehalt von einigen Kuchen und sogar Tortensorten. Verbraucherschützer fordern daher eine gesetzliche Zuckergrenze: „.“Nur noch solche Frühstücksflocken, die maximal zehn Prozent Zucker enthalten, sollten an Kinder vermarktet werden dürfen“, fordert die Lebensmittelexpertin Markwardt. Sie gibt auch zu bedenken, dass Selbstverpflichtungen in der Industrie aufgrund von Zielen wie Gewinnmaximierung und Konkurrenzkampf wenig geeignet seien, um den oftmals total überzuckerten Kinderlebenstmitteln Einhalt zu gebieten.“ Bis jetzt ist wenig bis gar nichts passiert.“ Fügt die Expertin hinzu.

Allen, die sich nicht mehr den Werbelüge der Industrie aussetzen, jedoch trotzdem nicht auf ihr allmorgendliches Müsli verzichten wollen, rät die Fachfrau von Foodwatch, sich Haferflocken zuzulegen und diese mit vitaminreichem Obst oder Joghurt zu vermengen.

„So sollten Eltern versuchen, Kinder von den süßen Frühstücksflocken zu entwöhnen.“ Ein weiterer Schritt um selbst gegen den Zuckerboom der Lebensmittelriesen vorzugehen ist sich direkt an die Hersteller zu wenden und deren unverantwortliches Verhalten zu kritisieren. Eine solche E-Mail-Protestaktion hat Foodwatch bereits auf der eigenen Internetseite gestartet: Unter www.foodwatch.de/aktion-nestle können Eltern ihre Kritikdirekt an den Lebensmittelkonzern richten.

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