Vegane Ernährung kritisch betrachtet

Vegane Ernährung kritisch betrachtet

Das 21. Jahrhundert ist geprägt von wachsendem Bewusstsein der Menschen bezüglich Energie, Umwelt oder Gesundheit. Auch die Anzahl der Vegetarier und Veganer erhöht sich deutschlandweit jährlich. Fast sieben Millionen Vegetarier leben mittlerweile in Deutschland. Vegan ernähren sich rund eine Million Deutsche. Wie gesund der vegane Ernährungsstil wirklich ist, bleibt allerdings auch im 21. Jahrhundert Gegenstand der Diskussion. Höchste Zeit für eine kritische Betrachtung.

Hintergründe veganer Ernährung

Vegane Ernährung beschreibt den Verzicht auf alle tierischen Produkte. Neben Fleisch verzichten Veganer auf alle tierischen Produkte wie zum Beispiel Milch, Eier und Honig. Abgesehen von der Ernährung gilt der Verzicht auch für Lebensbereiche wie Kosmetik, Alltagsgegenstände oder Kleidung. Leder, Tierwolle und Tierversuche kommen für Veganer daher nicht in Frage. Dass vegan lebende Menschen gänzlich auf tierische Zutaten verzichten, hat einen ethischen Hintergrund.

Die gesundheitliche Argumentation für den veganen Lebensstil bezieht sich vor allem auf die Vorbeugung von Volkskrankheiten wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen sowie Antibiotikaresistenz. Erwiesenermaßen kann vermehrter Fleischkonsum die genannten Erkrankungen begünstigen. Veganer haben durch ihren Lebensstil somit ein geringeres Risiko für unterschiedliche Krankheiten. Was auf den ersten Blick gesünder aussieht, zieht jedoch viele kritische Betrachtungen mit sich. Wie steht es um Vorwürfe wie verschiedene Mangelerscheinungen wirklich?

Lebt ein veganer Darm besser?

Veganer sprechen davon, durch die ballaststoffreiche Ernährung einen gesünderen Darm zu haben. Proteine aus tierischen Nahrungsmitteln können ab einer bestimmten Menge den Darm negativ beeinträchtigen, da sie in Form von Ablagerungen als Nährboden für Pilze und Krankheitserreger dienen können.

Eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit spielt auch das Verhältnis zwischen Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren. Omega-6-Fettsäuren wirken proentzündlich. Omega-3-Fettsäuren hemmen dagegen Entzündungen, stammen allerdings vorwiegend aus tierischen Produkten wie Hering, Lachs oder Makrele. Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lassen sich Studien zufolge durch ein gutes Verhältnis zwischen Omega-Fettsäuren vorbeugen. Für Veganer besteht jedoch ein höheres Risiko auf ein eher ungünstiges Verhältnis.

Mangelerscheinungen durch veganen Lebensstil

Hinweise zum Vitaminmangelrisiko finden sich teils sogar in veganen Kochbüchern. Einige essenzielle Stoffe kommen ausschließlich in tierischen Produkten vor, oder lassen sich vom menschlichen Körper zumindest nur aus tierischen Quellen optimal verwerten. Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ rät aus Mangelgründen von rein veganer Ernährung ab. In Studien zur Nährstoffversorgung wird der Verzicht auf tierische Lebensmittel zumindest mit einem erhöhten Risiko für Nährstoffdefizite in Verbindung gebracht.

Speziell in der Schwangerschaft, in der Stillzeit und im Kindesalter spricht die DGE davon, dass eine hinzureichende Nährstoffversorgung mit veganer Kost kaum zu erreichen sei. Erhöhtes Risiko bestehe für Veganer zum Beispiel auf einen Mangel an Vitamin B12, das zur Zellteilung, zur Bildung roter Blutkörperchen und für Stoffwechselvorgänge unersetzlich ist. Der menschliche Körper kann Vitamin B12 nicht selbst produzieren und in pflanzlichen Stoffen kommt das Vitamin nicht vor.

Mangelerscheinungen können außerdem bezüglich Kalzium bestehen, das sowohl zum Knochenwachstum, als auch zur Osteoporose-Vorbeugung relevant ist. Käse und Joghurt sind für Kalzium die Hauptlieferanten. Milchprodukte liefern Kalzium in einer Zusammensetzung, die dem menschlichen Körper die Aufnahme und Verwertung des Mineralstoffs erleichtert. Pflanzliche Produkte enthalten wesentlich weniger und schlechter verwertbares Kalzium.

Studien zufolge leidet außerdem annähert die Hälfte aller Veganer an Jod- und Eisenmangel, da der Körper Eisen aus tierischen Produkten besser aufnehmen kann als aus pflanzlichen. Die regelmäßige Kontrolle der Blutwerte ist für vegan lebende Menschen daher Pflicht.

Tierische Eiweißquellen sind unersetzbar

Eiweiß ist unersetzlich für das Immunsystem, die Nervenimpulse, den Fetttransport und den Sauerstofftransport. Es dient vor allem als Aminosäurelieferant, weshalb Kritiker bezweifeln, ob die vollwertige Versorgung mit Proteinen und Aminosäuren ohne tierische Produkte gegeben sein kann. Vor allem essenzielle Aminosäuren müssen zwingend mit der Nahrung aufgenommen werden, da sie vom Körper nicht selbst hergestellt werden.

Gerne diskutiert wird außerdem das Faktum, dass die Aminosäurelieferanten von Veganern wesentlich mehr Nahrungsmittelallergene enthalten als die von Mischkostlern. Zu den gängigsten dieser Allergene zählen Erdnüsse, Weizen und Soja, also so gut wie alle alternative Eiweißlieferanten des veganen Lebensstils. Hinzu kommt, dass Ökotest vermehrt vor genmanipuliertem Soja warnt.

Vegane Ernährung bei Kindern – eine kritische Betrachtung

Wenngleich die Entscheidung zum veganen Lebensstil von Erwachsenen aus Gründen der Ethik trotzdem getroffen werden kann, raten Ärzte dringend davon ab, Kinder vegan zu ernähren. Speziell in der Wachstumsphase ist der Mensch auf eine möglichst ausgewogene und abwechslungsreiche Nährstoffversorgung angewiesen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass vegan aufgezogene Kinder häufig mit bedenklichen Mangelerscheinungen ärztlichen Rat gesucht haben. Um diesem Phänomen vorzubeugen, sollten vegan lebende Eltern dringend auf die vegane Ernährung ihrer Kinder verzichten.

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