Multiple_Sklerose

Eine neue Diganosemöglichkeit um Multiple Sklerose (MS) nachzuweisen wurde von einem Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover und der Ruhr-Universität Bochum gefunden und wird derzeit in verschiedenen Studien auf seine Aussagekräftigkeit geprüft.

Micro-RNAs enthalten Informationen über ein Vorliegen der Krankheit

Die Forscher fanden heraus, dass kurze Ribonukleinsäuren(Micro-RNAs), welche aus dem Lendenwirbelbereich entnommen werden, Informationen darüber enthalten ob, bei der getesteten Person, die Krankheit vorliegt. Über ihre Forschungsergebnisse berichteten die Wissenschaftler im medizinischen Fachmagazin Neurology. Der Studienvater Thomas Thum, Leiter des Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien der MHH, äußert sich sehr optimistisch zu den neuen Erkenntnissen:“ „Bei 100 Patienten konnten wir eine zwischen 80 und 90 Prozent sichere Trefferquote erzielen. Nun gehen wir daran, die Untersuchung auf mehr als 1.000 Patienten auszudehnen.“ Innerhalb eines Jahres soll die Studie dann beendet sein und weitere, tiefergehende Ergebnisse zur neuen Diagnosemöglichkeit liefern.

Einfach erkennen und therapieren

„Das Interessante an unserer Methode ist, dass damit nicht nur eine sehr zielgenaue Diagnose, sondern auch eine sehr gute Prognosen Abschätzung möglich wird“, erklärt der Experte der Hochschule Hannover. „Da MS eine Erkrankung mit verschiedenen Verlaufsformen ist, fällt der effektiven Prognose auch eine besondere Bedeutung zu.“

Um einen bestehenden Verdacht auf MS zu überprüfen greifen Ärzte dann auf eine sogenannte Lumbalpunktion zurück. Ein kurzer Eingriff bei dem Nervenwasser aus dem Lendenwirbelbereich entnommen wird. „Zur Diagnose reichen rund 50 Mikroliter der bei der Routineuntersuchung entnommenen Flüssigkeit aus“, fügt Thum hinzu. „Das bedeutet auch, dass der Patient kein weiteres Mal punktiert werden muss.“

Nervenwasser liefert Informationen für neue Diagnosemethode bei MS

„Wir konnten nachweisen, dass sich in der Flüssigkeit krankheitsspezifische Micro-RNAs befinden“, so Thum. Diese kurzen Ribonukleinsäureketten können die Entwicklung, Vermehrung und Funktion der Zellen maßgeblich beeinflussen und steuern. So kann aus den Micro-RNAs ermittelt werden, ob eine MS-Erkrankung vorliegt oder nicht.

„Anhand von verschiedenen Mustern, die diese Micro-RNAs bilden, ist auch erkennbar, welche Verlaufsform der Erkrankung vorliegt“, weiß Thum. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse auch Einsichten in die Veränderungen der Erbinformationen sowie die Entstehung und Entwicklung der MS gewähren – und dass wir Faktoren finden, die beim Übergang von der schubförmigen zur sekundär-chronischen MS eine Rolle spielen“, meint Ko-Autor Aiden Haghikia von der Neurologischen Klinik der RUB.

Die Zahl der Menschen die weltweit unter verschiedenen Formen von MS leiden wird auf ca. 2,5 Millionen geschätzt. Bei den Meisten bricht die Krankheit zwischen dem 20. Und 40. Lebensjahr auf. Symptome und Verlaufsform der Krankheit sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und können sich durch verschiedenste Beschwerden und Einschränken zeigen. Durch diesen sehr unvorhersehbaren Verlauf nennt man Multiple Sklerose auch „Krankheit der tausend Gesichter“. Grund hierfür ist, dass bei MS die Schutzschicht der Nerven, das Myelin angegriffen und dabei die gesamte Nervenzelle zerstört wird.

Dies wiederrum führt zu Entzündungen an verschiedensten Stellen des Gehirn und des Rückenmarks. Was die breitgefächerten Möglichkeiten des Krankheitsverlaufs erklärt, da durch verschieden lokalisierte Entzündungsherde unterschiedliche Körperfunktionen angegriffen werden. Eine Ursache für Multiple Sklerose ist nicht genau bekannt. Heilen lässt sich die früher oder später tödliche Krankheit nicht, doch mittlerweile mit verschiedensten Therapiemethoden in ihrem Verlaufen positiv beeinflussen.

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