Fluglaerm

Es ist bereits seit langem bekannt, dass sich regelmäßiger Fluglärm negativ auf die Gesundheit auswirkt. Neusten Studien zufolge, kann wiederkehrender Lärm selbst junge und gesunde Menschen krank machen und ihnen messbare Schäden zufügen. Zum ersten Mal konnte nun nachgewiesen werden, dass der, durch den Fluglärm ausgelöste Stress, zur Schädigung der Blutgefäße führen kann. Je häufiger und lauter die Lärmbelastung ist, desto stärker wirkt sich dies auf die Elastizität der Adern aus. Laut dem Fachmagazin „European Heart Journal“ kann sich der Körper kaum an eine regelmäßige Belastung durch Fluglärm gewöhnen. Ganz im Gegenteil – mit jedem Mal nimmt die Belastung der Gefäße weiter zu.

Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Thomas Münzel von der Poliklinik der Universitätsklinik Mainz bestätigt, dass die schädliche Wirkung bereits seit Jahren bekannt ist. Vor allem die steigende Bluthochdruck- und Herzinfarktgefahr macht das Thema so brisant. Bisher konnte man zu den genauen Mechanismen, die zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen nur wenige Aussagen treffen. Jedoch ist sich Münzel sicher, dass die Ergebnisse seiner neuen Studie einen Durchbruch in der Lärmforschung bedeuten. Zum ersten Mal ist es möglich Zusammenhänge zwischen einer genauen Lautstärke und ihrer schädigenden Auswirkung auf die Gefäße herzustellen.

Deutliche Verschlechterung der Gefäßfunktionen

Zur Gewinnung von aussagekräftigen Ergtebnissen, testeten die Forscher 75 gesunde Männer, deren Durchschnittsalter bei 26 Jahren lag. Keiner von ihnen wies zuvor eine Vorschädigung des Herz-Kreislauf-Systems auf. Um die Auswirkungen auf die Testpersonen zu messen, wurden ihnen drei zufällige Lärmszenarien pro Nacht vorgespielt, wobei die Wissenschaftler einen Lärmpegel von 60 Dezibel wählten. Je nach Szenario wurde den Männern zwischen 30-60 Nachtflüge pro Schlafphase vorgespielt.

Aber auch lärmfreie Nächte gehörten zum Test, um Kontrollwerte der einzelnen Personen zu erhalten. Die Forscher konnten feststellen, dass es durch den Fluglärm zu einer vermehrten Bildung des Stresshormons Adrenalin kam. Auch die Gefäßfunktionen der Testpersonen, welche mit Hilfe von Ultraschallgeräten gemessen wurde, verschlechterten sich deutlich. Diese Ergebnisse zeigen, wie sehr die Erweiterungsfähigkeit der Arterien von nächtlichen Fluggeräuschen abhängt. Wirkt sich der Lärm langfristig auf die Adern aus so spricht man von einer sogenannten endothelialen Dysfunktion. Laut Schmidt ist eine dosisabhängige Verschlechterung zu erkennen, was sich mit anderen Studien zu diesem Thema gut deckt. Bereits zuvor ging man davon aus, dass gestörter Schlaf oder auch zu wenig Schlaf negative Auswirkungen auf die Blutgefäße hat.

Während der Studie konnte auch der sogenannte Priming-Effekt festgestellt werden, welcher zeigt, dass sich die Probanden auch nach mehreren Nächten mit Fluglärm nicht an die Störgeräusche gewöhnt haben. Jede weitere Testnacht führte zu einer erneuten Verschlechterung der gemessenen Werte. Obwohl sich Professor Münzel von den Ergebnissen beeindruckt zeigt, so ist es nötig noch weitere Studien auf diesem Gebiet durchzuführen, um definitive Aussagen treffen zu können.

Oxidativer Stress unter Verdacht

Die durchgeführte Studie hat nicht nur bewiesen wie schädlich Fluglärm für die Blutgefäße des Menschen ist, sie bringt sogar gleich einen Lösungsansatz mit sich. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich, durch die Gabe von Vitamin C, eine Schädigung der Gefäße verhindern lässt. Die beteiligten Forscher ziehen daraus als Rückschluss, dass der Lärm zu einer Bildung von freien Radikalen in den Blutgefäßen führt. Dies zeigt die wichtige Rolle des oxidativen Stresses bei der Entstehung von lärmbedingten Bluthochdruck, welcher später zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann.

Zusammenfassend betont Norbert Pfeifer, medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsklinik Mainz, dass nächtlicher Fluglärm großes Risikopotential mit sich bringt, vor allem was Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrifft. Deshalb ist es von großer Bedeutung, die Bevölkerung so gut wie möglich vor der Lärmbelästigung zu schützen.

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