Masernepidemie

Sie ist eine der meist unterschätztesten Kinderkrankheiten. Im schlimmsten Fall endet sie tödlich – und in Deutschland ist sie wieder auf dem Vormarsch und entwickelt sich zu einer wahren Masern Epidemie 2013! Dabei kann sich jeder wirksam schützen: mit einer einfachen Impfung. Wie gefährlich sind die Masern also wirklich und wer ist besonders gefährdet?

Ein paar juckende Pusteln auf puderrosa Kinderhaut – dieses Bild haben viele erst mal vor Augen, wenn sie das Wort Masern hören. Dabei geht die Infektion nicht selten mit schwerwiegenden Komplikationen einher, die gerade für Kinder lebensbedrohlich sein können. Und obwohl das Jahr noch lange nicht rum ist, hat es bisher schon fast zehn Mal so viel gemeldete Masernfälle gegeben wie im gesamten Jahr 2012. Laut Bundesgesundheitsministerium waren es zum 1. September 2013 bereits 1542 Fälle – das grenzt schon an einer Masern Epidemie. Im Vorjahr kam man nämlich insgesamt nur auf 165 Fälle

Hochansteckend: Ein Gespräch genügt schon

Wie kann es also zu solch einem sprunghaften Anstieg kommen? Und das bei einer Krankheit, gegen die seit Jahrzehnten ein wirksamer Impfstoff existiert? Die Erklärung ist schnell gefunden: Die Infektion ist hochansteckend. Sie wird durch Viren ausgelöst, die sich von Mensch zu Mensch über eine Tröpfcheninfektion übertragen. Dabei reicht es schon, sich mit einem Infizierten im gleichen Raum zu befinden, etwa in der Schule oder in der U-Bahn. Denn beim Husten oder Niesen gelangen die Masern-Viren in die Atemluft und werden von anderen umstehenden Menschen aufgenommen. Auch ein kräftiger Handschlag oder kühle Türklinken können die Viren leicht auf ihr nächstes Opfer befördern.

Wo man sich letztendlich angesteckt hat, ist schwer nachzuvollziehen, denn erst eine bis drei Wochen nach der Infektion bemerkt man die typischen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und den spezifischen Hautausschlag. Gerade Erwachsene müssen dann mit zunehmendem Alter immer öfter wegen des hohen Fiebers ins Krankenhaus eingeliefert werden. In diesem Jahr wurde so beinahe jeder dritte Infizierte stationär behandelt.

Eine Impfung kann Leben retten

Masern können aber auch noch andere Komplikationen mit sich bringen, die weitaus gefährlicher sind. So kann der Erkrankte in Folge eine Lungenentzündung oder gar eine Hirnhautentzündung bekommen, die in schweren Fällen bleibende Hirnschäden verursacht oder sogar tödlich verläuft. Was dabei aber besonders tückisch ist: Diese Folgeinfektionen können auch erst Wochen oder Monate nach den eigentlichen Masern auftreten, wenn der Betroffene schon denkt, er hätte die Krankheit besiegt.

Bei Kleinkindern ist die Gefahr einer schweren Hirnentzündung noch um einiges höher. Gegen diese sogenannte sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) gibt es keine Medikamente und sie ist absolut tödlich. SSPE führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten. Am Ende liegen die Patienten im Wachkoma. Nach wenigen Monaten oder auch Jahren sterben sie daran. Neuste Forschungen legen dar, dass die SSPE viel häufiger vorkommt, als bisher angenommen, nämlich in einem von 3300 Fällen, in denen sich ein Kind unter 5 Jahren mit Masern infiziert hat. Darum empfiehlt die Ständige Impfkommission, STIKO, auch, Kinder zwischen elf und fünfzehn Wochen auf jeden Fall impfen zu lassen. Früher ist eine Impfung leider nicht möglich. Umso wichtiger ist es, dass die Eltern geimpft sind, damit sie ihre Kinder nicht anstecken können und es nicht zu einer Masern Epidemie kommen kann.

Ideal wäre es, wenn 95 Prozent aller Deutschen über einen wirksamen Impfschutz verfügen würden. Das gilt nämlich als magische Grenze, ab der sich die Masern nicht mehr flächendeckend verbreiten können – ja auf Dauer sogar ausgerottet werden! In Deutschland dagegen liegt die Rate bei gerade mal rund 60 Prozent. Was spricht also dagegen sich impfen zu lassen? Was ist ein kleiner Piecks schon im Vergleich zu der eigentlichen Krankheit mit all ihren Risiken, vor allem für unsere Kinder?

Masern Epidemie 2013 – Impffaulheit weit verbreitet

Relativ verbreitet in der Bevölkerung ist immer noch der Glaube, dass die Impfung gegen Masern gefährlicher sei, als die Infektion selbst. Das ist aber schlichtweg falsch! Schlimmstenfalls können in seltenen Fällen nach der Impfung leichte Hautausschläge oder erkältungsähnliche Symptome auftreten.

Für die meisten Europäer trifft wohl auf die Frage nach dem fehlenden Impfschutz eher diese Antwort zu: Impffaulheit! Darum diskutieren Politiker schon seit Längerem, ob sie die Impfung nicht als verpflichtend für alle einführen soll. In den USA wird genau das zum Beispiel seit Jahren erfolgreich umgesetzt, die Masern sind dort so gut wie ausgestorben. Ursprünglich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sich das Ziel gesetzt, die Masern auch in Europa bis 2010 auszurotten- was angesichts der aktuellen Masern Epidemie 2013 als mehr als gescheitert gilt. Als neues Ziel wurde das Jahr 2015 angepeilt. Und das sollte doch eine gute Motivation für uns alle sein, uns impfen zu lassen – auch ohne staatlichen Zwang.


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