Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist eine meist im Kindesalter beginnende Störung. Die Symptome können mit unterschiedlicher Ausprägung bis in das Erwachsenenalter hinein fortbestehen. Wo der „Normalfall“ aufhört und ADHS beginnt, ist nicht immer leicht zu sagen. Drei Merkmale sind besonders typisch für die psychische Störung: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.

ADHS betrifft nach den Kriterien des DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen) ist ein Klassifikationssystem der American Psychiatric Association) ca. 4–8 % aller Schulkinder in Deutschland. Rein rechnerisch bedeutet das, dass in jedem Klassenzimmer durchschnittlich etwa ein betroffenes Kind sitzt.

Jungen werden gegenüber Mädchen häufiger diagnostiziert (Verhältnis 3:1), möglicherweise weil Mädchen häufiger unter ADS ohne Hyperaktivität leiden und dadurch seltener auffallen. Wer ADHS hat, kann mit seiner Umwelt in Konflikt geraten oder hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben. Insofern bedeutet die Störung oft eine Belastung für Betroffene und Angehörige. Doch es gibt auch positive Seiten: So sind Menschen mit ADHS oft ideenreich und auf künstlerischem Gebiet sehr kreativ. Viele lassen sich leicht begeistern, sind ausgesprochen hilfsbereit und haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Störung keine einzelne Ursache hat, sondern dass mehrere Auslöser zusammenkommen – sowohl genetische als auch Umweltfaktoren.

Die Behandlung der Hyperaktivität setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Wichtige Bausteine der Therapie sind normalerweise Aufklärung und Beratung, Psychotherapie und Medikamente. Wie die Therapie im Einzelfall zusammengesetzt ist, richtet sich danach wie ausgeprägt die Symptome sind und wie alt das Kind ist. Viele Eltern und auch erwachsene Betroffene suchen nach Alternativen zu der meist üblichen medikamentösen Therapie mit Methylphenidat (Ritalin®). Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass viele alltagstaugliche Maßnahmen die Symptomatik wesentlich verbessern können.

1. Ursachen von ADHS

Forscher sind davon überzeugt, dass die Hyperaktivität keine einzelne Ursache hat, sondern dass mehrere Auslöser zusammenkommen – sowohl genetische als auch Umweltfaktoren.(1) Bei ca. 50 % der darauf untersuchten ADHS-Betroffenen besteht eine genetisch-bedingte Anomalität der Signalverarbeitung im Gehirn. Geschwister haben 3- bis 5-mal so häufig ADHS wie Nicht-Geschwister.

Wichtige Risikofaktoren für die Hyperaktivität sind:

  • Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen
  • ein erniedrigtes Geburtsgewicht
  • Infektionen
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Mikronährstoffmangel
  • verschiedene Schadstoffe (z.B. Blei erhöht das Risiko um das Vierfache)(2)
  • während der Schwangerschaft stattfindende Belastungen mit Alkohol und Tabakrauch (erhöht das Risiko um das Fünffache).

Eine 2009 veröffentlichte Studie mehrerer deutscher Universitäten und Krankenhäuser belegt anhand von knapp 6.000 untersuchten Fällen ebenso einen Zusammenhang zwischen Passivrauchen während der Schwangerschaft und Kindheit und der Häufigkeit von ADS und Hyperaktivität wie andere internationale Studien.(3)

Daneben prägt die Umgebung, in der ein Kind aufwächst, seine Entwicklung. Die Eltern sind nicht etwa „schuld“ an ADHS, können jedoch den Verlauf der Störung und ihre Ausprägung beeinflussen – positiv und negativ. Gleiches gilt für die Reaktionen von Lehrern, Erziehern und anderen Kindern.

Dies ergab eine Befragung von ADHS-Patienten an großen amerikanischen Universitäten. Die Schwere des Krankheitsbildes der Befragten hing fast ausnahmslos davon ab, in welchem Alter die Erkrankung diagnostiziert wurde, und wie das Umfeld bis zum Zeitpunkt der Diagnose reagierte.(4)

2. Ernährungstipps bei AHDS

Obwohl die Zusammenhänge noch nicht endgültig geklärt sind, hat das Essen sicher einen großen Einfluss auf die Hyperaktivität. Um die Funktionsfähigkeit des Körpers optimal zu erhalten, ist es wichtig dem Körper alle Vitamine, Kohlenhydrate, Proteine,Spurenelemente, Fette sowie Mineralien zu geben.

Der Einfluss der Ernährung auf die Intelligenz wird noch immer unterschätzt. Bis in die neunziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts war ein stetiger Anstieg des Intelligenzquotienten zu verzeichnen; seither kann man in einigen westlichen Staaten einen Rückgang des IQs beobachten.

Im Rahmen der kanadischen Children´s Lifestyle and School Performance Study wurden die Ernährungsgewohnheiten von 5.000 Schülern untersucht. Es zeigte sich, dass die Schüler mit dem höchsten Verzehr von Obst und Gemüse und der niedrigsten Fettaufnahme bei Lese- und Rechtschreibetests am besten abschnitten.(5)

Es gibt eine Vielzahl von Studien, die positive wie auch negative Effekte für ein oder mehrere Nahrungsmittelinhaltsstoffe belegen. Einige Alltagsbeobachtungen geben Hinweise, dass der aktuelle Trend zu Fertiggerichten, Instantprodukten und Fastfood einen Einfluss auf die immer häufiger beobachteten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen ausüben könnten. So bemerkten die Lehrer einer US-amerikanischen Schule, dass ihre Schüler nach der Umstellung der Frühstücks- und Mittagsverpflegung von Fast Food auf gesunde Kost deutliche Besserungen in ihrem Verhalten zeigten. Sie waren nach der Ernährungsumstellung wesentlich aufmerksamer, arbeiteten besser mit und konnten sich über einen längeren Zeitraum hinweg konzentrieren.(6)

Inwiefern der Zuckerkonsum einen Einfluss auf die Verhaltensauffälligkeiten bei ADHS hat, ist momentan noch umstritten. Ein an Kindern mit ADHS durchgeführter oraler Glukosetoleranztest (stoffwechseltest, wie gut Zucker verarbeitet wird) ergab bei einem Großteil einen abnormen Kurvenverlauf, wobei dieser etwa bei der Hälfte der Kurve bei Unterzuckerung (Hypoglykämie) ähnelte.(7) Bei einigen empfindlichen Personen verursacht der Konsum hoher Zuckermengen einen Abfall des Blutzuckerspiegels nach dem Essen. Bei niedrigen Blutzuckerspiegeln setzt der Körper Adrenalin zur Gegenregulation frei. Dieses führt unter anderem auch zu Nervosität und Unruhe. Derartige Hypoglykämien führen zur vorrübergehenden Unterversorgung des Gehirns mit Glukose und stören so den Gehirnstoffwechsel wie etwa die Bildung von Neurotransmittern. Dies äußert sich in Gereiztheit, Missstimmung und Nervosität.

In einer kleinen Untersuchung wurden die Auswirkungen eines niedrig-, mittel- und hochglykämischen Frühstücks bei 5- bis 7-jährigen untersucht. Niedrigglykämische Lebensmittel sind Lebensmittel, die nur wenige kurze Zucker enthalten (z.B. Vollkornprodukte oder Gemüse) und so nur langsam ins Blut gehen. Nach 2 bis 3 Stunden wurden Tests zur Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit durchgeführt. Hier zeigten die Kinder mit dem niedrigglykämischen Frühstück bessere Ergebnisse als die anderen Studienteilnehmer. Zudem waren sie weniger frustrationsanfällig und brachten mehr Zeit für ihre Lernaufgaben nach der Schule auf.(8)

Grundsätzlich sollte der Durchschnittsbürger weniger Kohlenhydrate (u.a weißes Brot) und stattdessen mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen. Beachtet man diese Ratschläge so werden Entzündungen genauso wie Übergewicht und Depressionen seltener vorkommen. Daneben liefern Obst und Gemüse auch reichlich Ballaststoffe, die den Zuckeranstieg im Blut ebenfalls bremsen. Einige Lebensmittelzusatzstoffe stehen im Verdacht die Hyperaktivität zu begünstigen. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen reichen für eine abschließende Beurteilung zwar noch nicht aus. Dennoch beschloss die Europäische Kommission, dass ab dem 20. Juni 2010 einige Farbstoffe bei der Verwendung in Lebensmitteln auf dem Etikett mit der Information „Kann die Aufmerksamkeit und Konzentration bei Kindern beeinträchtigen“ deklariert werden müssen. Hierzu zählen:

  • E102 – Tartrazin
  • E104 – Chinolingelb
  • E110 – Gelborange S (Sunset-Yellow)
  • E122 – Azorubin
  • E124 – Cochenillerot A
  • E127 – Erythrosin
  • E129 – Allurarot
  • E280 – Propionsäure
  • E281 – Natriumpropionat
  • E282 – Kalziumpropionat
  • E283 – Kaliumpropionat

Verzichten Sie nach Möglichkeit auf künstliche Geschmacksstoffe. Verwenden sie stattdessen Kräuter, welche durch ihren hohen Gehalt an Spurenelementen die Erhaltung des Nervensystems und die Kontrolle der Botenstoffe entscheidend fördern. Verwenden Sie möglichst oft die Gewürzmischung „milder Curry“, die viele gut erforschte Bestandteile enthält, die die Energiegewinnung des Gehirns und der Nerven unterstützen.

3. Mikronährstoffbasierte Therapie

Mikronährstoffe spielen bei der Hyperaktivität eine große Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung der Nerven-Botenstoffe, Regeln die Energieproduktion in den Zellen, sind wichtig für das Immunsystem und helfen bei der Entgiftung.

So ist es nicht verwunderlich, dass es heute zahlreiche Studien gibt, die eine Verbesserung der Symptomatik nach der Gabe von Mikronährstoffen gezeigt haben. Mineralien scheinen bei der Therapie der Hyperaktivität eine wichtige Rolle zu spielen. Magnesium wirkt sich auf eine Reihe von Gehirnfunktionen aus. Ein Mangel bewirkt unter anderem Beeinträchtigungen im Energiestoffwechsel des Gehirns, der Reizweiterleitung der Nerven sowie des Blutflusses in den Blutgefäßen des Gehirns. Da sich die ADHS-Leitsymptome (z.B. Hyperaktivität, geringe Ausdauer, schlechte Schrift, Ängste, Depressionen, Konzentrationsschwierigkeiten) und die eines Magnesiummangel überlappen, ist eine sorgfältige Überprüfung des Magnesiumstatus notwendig.

Eine Reihe von Untersuchungen konnte bei ADHS Kindern deutlich niedrigere Magnesiumspiegel im Vergleich zu gesunden Kindern feststellen. (9) Studien zeigten einen Zusammenhang von niedrigen Magnesiumspiegeln mit Hyperaktivität, Schlafstörungen und verminderter Leistungsfährigkeit in der Schule. Eine Behandlung mit 200 mg Magnesium am Tag führte nach 6 Monaten zu einer deutlichen Reduktion der Hyperaktivität in der Schule.

In einer Untersuchung einer französischen Arbeitsgruppe wurden bei 30 von 52 hyperaktiven Kindern erniedrigte Magnesiumkonzentrationen in den Zellen nachgewiesen. Eine kombinierte Therapie mit Magnesium und B-Vitaminen normalisierte die Magnesiumkonzentrationen. Bei allen Patienten zeigte sich eine Besserung der Symptome der Übererregbarkeit (Aggressivität, psychische Instabilität, Konzentrationsfähigkeit, Bluthochdruck, Verkrampfungsneigung). (10)

Ein weiterer deutlicher Zusammenhang besteht mit Spurenelementen wie Zink und Eisen. Zink beeinflusst als Kofaktor einer Vielzahl von Enzymen zahlreiche Stoffwechselwege im Gehirn. So spielt es beispielsweise eine Rolle bei der Bildung des Glückshormons Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan bzw. bei der Bildung von Melatonin, welches im Stoffwechsel der Stresshormone eine Rolle spielt. Bei Kindern mit Hyperaktivität zeigte sich ein enger Zusammenhang zwischen der Schwere der Krankheit und der Höhe des Zinkspiegels im Blut. (11) Ein möglicher Mechanismus könnte eine Interaktion mit synthetischen Substanzen wie etwa Lebensmittelzusatzstoffen sein. So erkannte man an einer Gruppe hyperaktiver Jungen, die empfindlich auf Tartrazin (E102) reagierten, dass eine Provokation mit dem Farbstoff zu einer erhöhten Zinkausscheidung bzw. zu verminderten Zinkserumspiegeln führte. Eine Interventionsstudie fand nach der 12-wöchigen Gabe von Zink deutliche Besserungen der Hyperaktivität und der Impulsivität. (12)

Viele andere Mikronährstoffe haben im Kampf gegen die Hyperaktivität ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt. So scheint auch der weitverbreitete Vitamin-D-Mangel in Deutschland mit zu dieser Erkrankung beizutragen. Die Vitamin-D-Versorgung ist in weiten Kreisen der Bevölkerung, so auch bei Kindern und Jugendlichen, unzureichend. In einer Studie der Kinderklinik in Philadelphia wurden bei 55 Prozent gesunder Kinder und Jugendlichen zu niedrige Vitamin-D-Spiegel gemessen. (13) Auch im Gehirn gibt es Vitamin-D-Rezeptoren und es mehren sich die Hinweise, dass Vitamin D auch für die Regulierung der Stimmung eine Bedeutung hat. Ebenso scheint Vitamin D nach neuesten Forschungsergebnissen an der Bildung von Faktoren für die Entwicklung des Gehirns beteiligt zu sein. (14) Bei Kindern und Jugendlichen sollte unbedingt auf eine gute Vitamin-D-Versorgung geachtet werden, da Vitamin D über seine Bedeutung als Knochenvitamin hinaus sehr vielfältige regulatorische Funktionen im Stoffwechsel hat.

In der Regel enthält ein komplexes Mikronährstoffprodukt neben Vitaminen auch Mineralien, L-Carnitin sowie Omega-3-Fettsäuren. Studien haben gezeigt, dass die beiden Mikronährstoffe gegen Hyperaktivität helfen können.

Im Gehirn und in den Nerven finden sich die höchste Konzentration der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA). Es wird angenommen, dass DHA entscheidend am Aufbau der nervalen Myelinschicht beteiligt ist und so eine wichtige Rolle für die Reizweiterleitung spielt. Der Gehalt an DHA in der Nervenmembran schwankt dabei in Abhängigkeit vom Gehalt in der Nahrung. In Tierstudien wurde zudem ein Zusammenhang zwischen der Omega-3-Fettsäuren-Konzentration und dem Spiegel der Stimmungshormone Dopamin und Serotonin nachgewiesen.

Studien aus den 80-er Jahren ermittelten bei ADHS Kindern niedrigere Omega-3-Fettsäurengehalte, als bei gesunden Vergleichspersonen. (15) In neueren, groß angelegten Studien konnten die Verhaltensauffälligkeiten von nicht-medikamentös behandelten Kindern durch entsprechende Supplemente deutlich vermindert werden. So verbesserten sich in der britischen Studie die Symptome nach 3-monatiger Gabe von Omega-3-Fettsäuren. Zudem verringerte sich der Rückstand zu Altersgenossen in Bezug auf Sprach- und Leseentwicklung. (16)

Als Basisunterstützung während einer mikronährstoffbasierten Therapie werden heututage hauptsächlich natürliche Mikronährstoffmischungen verwendet. Die bereits erwähnten Studien haben gezeigt, dass diese speziellen Mischungen aus Mikronährstoffen eine deutliche Verbesserung der Situation von ADHS Patienten bewirken. Um alle Zellen ausreichend und optimal zu versorgen, sollte man auf den Gebrauch von natürlichen Mitteln achten.

4. Veränderungen im Lebensstil

Wie bereits gezeigt, hat die Ernährung einen großen Anteil beim Krankheitsverlauf von Hyperaktivität. Auch andere Veränderungen im Lebensstil sind für Menschen mit ADHS wichtig.

Ebenso im Fokus steht regelmäßiger Sport im Freien, denn Bewegung an der frischen Luft trägt dazu bei, dass Immunsystem zu stabilisieren und den Stoffwechsel in Gang zu bringen. Dabei reicht nach einer aktuellen amerikanischen Studie schon regelmäßige Aktivität im Freien, es muss sich dabei nicht einmal um Sport handeln. Schon unstrukturierte Outdoor-Aktivitäten und der Aufenthalt in der Natur scheinen sich auf die Gesundheit der Kinder sehr positiv auszuwirken. (18)

Wie Psychologen der Universität von Illinois (USA) in dem Fachblatt Journal of Attention Disorders berichten, verbessert bereits ein 20-minütiger Spaziergang im Park die Konzentrationsfähigkeit – und das ganz ohne Nebenwirkungen. Die Forscher ließen 17 Kinder mit ADHS einmal pro Woche verschiedene Spaziergänge machen – in der Innenstadt, rund um den Block oder in einem Park. Nach dem Parkspaziergang schnitten die Kinder in Konzentrationstests deutlich besser ab als nach den Streifzügen durch die Stadt oder in der Nachbarschaft.

Aber natürlich hat auch Sport seine positiven Auswirkungen auf Patienten mit Hyperaktivität. So konnte regelmäßiger Sport die Aufmerksamkeit und Impulsivität normalisieren, unabhängig von einer Therapie mit Medikamenten. (19) Beim Sport sollten Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen im Vordergrund stehen. Es werden drei- bis viermal mal in der Woche 30 bis 60 Minuten Sport empfohlen. Wer Sport treibt sollte aber auf die ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen achten, da körperliche Aktivität zu einem Mehrverbrauch führt.

Das alltägliche Umfeld zu Hause sollte möglichst übersichtlich organisiert (strukturiert), verständnis- und liebevoll sein. Kinder mit ADHS brauchen zuverlässige, feste Familienstrukturen und einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf. Da sie sich selbst nicht so gut steuern können, müssen die Eltern diese Kinder mehr lenken. Ein wichtiges Mittel sind dabei möglichst klare Regeln, an die das Kind sich halten soll. Regeln geben Halt, Orientierung und Sicherheit.

Der Einfluss von Fernsehen und Videospielen ist noch nicht ganz gesichert. Es gibt allerdings schon einige Studien, die darauf hinweisen, dass speziell bei älteren Kindern und Jugendlichen häufiges Fernsehen und Videospielen Aufmerksamkeitsprobleme verstärken können.(20)

5. Sonstige Naturheilverfahren

Osteopathie/ Cranioskraltherapie

Die Craniosakrale Therapie kann sehr hilfreich sein bei ADHS und ADS, da diese manuelle Therapieform Spannungen im Atlas-Okzipitalbereich (Übergang vom Kopf zum Nacken) löst. Solche Spannungen können während der Geburt oder durch andere Traumata entstehen. Die Craniosakraltherapie zielt auf die (Re-) Aktivierung des Kreislaufes der Nährflüssigkeit des Gehirns und des Rückenmarks (Liquor) und die Entspannung und Mobilisierung des Bewegungsapparates speziell in Bezug auf die Wirbelsäule ab. Eine Hemmung des Liquor-Kreislaufes kann zu einer Vielzahl von Störungen von Schmerzen über punktuelle Funktionsstörungen bis hin zu Lähmungen führen.

Eine Studie mit 77 Kindern zur Osteopathie erbrachte deutliche Verbesserungen bei den behandelten Patienten mit Hyperaktivität. In der Gruppe der behandelten Kinder zeigten sich statistisch signifikante Verbesserungen um knapp 50% hinsichtlich des primären Zielparameters, der „Conners Scala“, und zwar in allen Fragen. Auch die Untersuchungsergebnisse ergaben bei der Abschlussuntersuchung deutliche Verbesserungen. In der Kontrollgruppe konnten weder bezogen auf den primären noch auf den sekundären Zielparameter Verbesserungen festgestellt werden.(21)

Entspannungsverfahren

Yoga wirkt auf neurophysiologischer und neuropsychologischer Ebene und kann Muskelanspannung, Konzentrationsfähigkeit und die Fähigkeiten zum Ruhigwerden positiv beeinflussen. Die Wirkungen von Yoga sind somit der Kernsymptomatik bei ADHS entgegengerichtet. Heidelberger Forscher prüften jetzt an 19 Kindern mit hyperkinetischen Störungen, ob Yoga die Symptomatik tatsächlich verringert. Die Kinder wurden in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe startete mit einem achtwöchigen Bewegungstraining, dem ein achtwöchiges Yogatraining folgte. Die zweite Gruppe absolvierte die Trainingsmodule in umgekehrter Reihenfolge. Das Yogatraining war eigens für Kinder mit ADHS entwickelt worden.

Durch das Training verbesserte sich die Aufmerksamkeit der Kinder, und ihre hyperkinetische Symptomatik reduzierte sich signifikant. Die Fortschritte waren fast ausschließlich auf das Yoga-Training zurückzuführen. „Insgesamt erweist sich das Yoga-Training als spezifisch wirksames alternatives beziehungsweise zusätzliches Therapieverfahren bei Kindern mit ADHS mit mittleren bis hohen Effektstärken“, betonen die Forscher. (22)

6. Was Sie selbst tun können – Meine Empfehlungen

Essen & Trinken

  • Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser am Tag. Das regt Immunsystem und Stoffwechsel an.
  • Ernähren Sie sich gesund und abwechslungsreich (regelmäßig Obst, häufig Fisch, Fleischverzehr reduzieren etc.)
  • Reduzieren Sie den Anteil von Kohlenhydraten und tierischen Fetten in der täglichen Ernährung

Bewegung & Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich, Gymnastik oder Ausdauersprot. Gehen Sie ejden Tag vor die Tür und bewegen Sie sich möglichst viel an der frischen Luft
  • Erlernen Sie altersentsprechendes Entspannungsverfahren und führen Sie es regelmäßig durch (z.B. Yoga, Tai Chi, etc.)
  • Sorgen Sie für Ihre tägliche Dosis Sonnenlicht. Ein- bis zweimal täglich 15 Minuten sollten es sein.
  • Schlafen Sie genügend um Erholung und Regeneration zu.

Mikronährstoffe

  • Ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt ist unentbehrlich für die Funktionen unseres Körpers.
  • Verwenden Sie zu Ihrer Basisversorgung wenn nötig ein natürliches Mirkonährstoffkonzentrat, dass auch Omega-3-3Fettsäuren und die Spurenelemente Zink und Eisen enthält
  • Tipp: Mikronährstoffpräparate in Saftform kann der Körper deutlich besser und physiologischer verwerten als Pillen oder Pulver.

Lebensweise

  • Informieren Sie sich über Ihre Krankheit und über die Therapiemöglichkeiten. Wirken Sie aktiv an dem Entscheidungsprozess mit – es geht schließlich um Ihre Gesundheit oder die Ihres Kindes.
  • Betroffene Kinder sollten keinen Fernseher in ihrem Zimmer haben.
  • Versuchen Sie den Tagesablauf zu strukturieren und übersichtlich zu organisieren.
  • Setzen Sie Prioritäten! Regelmäßige Ruhepausen sind notwendig.

Nautrheilverfahren

  • Entsäuren Sie regelmäßig (mit Basenpulver, Basentabletten oder Basenbädern), um die Zellen der Nerven und des Gehirn besser mit Nährstoffen versorgen zu können.
  • Brühen Sie regelmäßig nachmittags eine Tasse Kamillentee auf. Er wirkt beruhigend.
  • Baldiran ist ein gutes Hausmittel zur Beruhigung und praktisch frei von Nebenwirkungen

Weitergehende Informationen und Bücher zum Thema.

Bedienungsanleitung für ein menschliches GehirnAutor: Gerald Hüther Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; 9. Auflage (2009) Preis: 16,90 ISBN-10: 9783525014646

Das Märchen vom ADHS Kind / 50 sanfte Möglichkeiten, das Verhalten Ihres Kindes zu verbessern – ohne Zwang und ohne Psychopharmaka Thomas Armstrong Verlag: Junfermann (2007) Preis: 24,90 Euro ISBN-10: 9783873874947

(1) G. W. Lauth, P. F. Schlottke: Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Belz, Weinheim 2002
(2) Ha M. et al.: Low blood levels of lead and mercury and symptoms of attention deficit hyperactivity in children: a report of the children’s health and environment research (CHEER). Neurotoxicology. 2009 Jan;30(1):31-6
(3) Rückinger S. et al.: Prenatal and Postnatal Tobacco Exposure and Behavioral Problems in 10-Year-Old Children: Results from the GINI-plus Prospective Birth Cohort Study. Environ Health Perspect 2010(118): S. 150-154
(4) Hinshaw S.P.: Is ADHD an impairing condition in childhood and adolescence? In: Attention Deficit Hyperactivity Disorder: State of the Science, Best Practices. 2002 S. 5.1–5.21
(5) Florence M.D. et al.: Diet quality and academic performance. J Sch Health. 2008(4): S. 209-215; quiz 239-41.
(6) Newmark S.C.: Nutritional intervention in ADHD. Explore (NY). 2009(3): S. 171-174.
(7) Schnoll R. et al.: Nutrition in the treatment of attention-deficit hyperactivity disorder: a neglected but important aspect. Appl Psychophysiol Biofeedback. 2003 Mar;28(1): S. 63-75
(8) Benton D. et al.: The influence of the glycaemic load of breakfast on the behavior of children in school. Physiol Behav. 2007(4): S. 717-724
(9) Starobrat-Hermelin B., Kozielec T.: The effects of magnesium physiological supplementation on hyperactivity in children with attention deficit hyperactivity disorder (ADHD). Positive response to magnesium oral loading test. Magnes Res 1997 (10-2): S. 149-156
(10) Mousain-Bosc M. et al.: Magnesium VitB6 intake reduces central nervous system hyperexcitability in children. J Am Coll Nutr. 2004(5): S. 545S-548S
(11) Arnold L.E.: Zinc in attention-deficit/hyperactivity disorder. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2005(4): S. 619-627
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(21) Bierent-Vass A.: Osteopathie als Chance für Kinder mit ADS/ ADHS? Osteopathische Medizin 2005(3): S. 4–8
(22) Haffner J. et al.: Zur Wirksamkeit körperorientierter Therapieverfahren bei der Behandlung hyperkinetischer Störung. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 2006 (1): S. 37-47

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