Der Begriff „Chemotherapie“ bedeutet allgemein die Behandlung von Erkrankungen mit chemischen Arzneimitteln. Auch wenn sie prinzipiell nicht auf die Krebstherapie beschränkt ist, wird sie meist als Synonym für die medikamentöse Krebstherapie verwendet. Die übliche universitäre Therapie besteht normalerweise aus Operation, Strahlen- und/oder Chemotherapie.

Die für eine Chemotherapie verwendeten Medikamente heißen Zytostatika. Es handelt sich dabei um Zellgifte natürlichen oder synthetischen Ursprungs, die das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung aller Zellen hemmen. Zytostatika schädigen vor allem schnell wachsende Zellen wie Epithelzellen (z. B. Haarwurzelzellen, Schleimhautzellen von Mund und Magen-Darm-Trakt, Zellen des Knochenmarks).

Da Tumorzellen eine erhöhte Zellteilungsrate und eine eingeschränkte Reparaturkapazität haben, sind sie etwas empfindlicher gegenüber Zytostatika als gesunde Zellen. Dieser Unterschied ermöglicht erst die Therapie mit diesen häufig hochtoxischen Substanzen.

Derzeit herrscht die Theorie vor, dass eine begonnene Chemotherapie und die Behandlung durch Medikamente wie Zytostatika möglichst nicht vermindert und unterbrochen werden sollte. Es muss damit gerechnet werden, dass durch eine schwache Behandlung gerade die widerstandsfähigsten Tumorzellklone selektiert werden und übrig bleiben. Moderne Protokolle versuchen daher, „so früh und so hart wie möglich zuzuschlagen“. Die Chemotherapie wird in schneller Abfolge appliziert, und fast immer werden zwei oder mehr Zytostatika kombiniert, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Mangelnde Therapieerfolge bei einigen Tumorarten und neuere theoretische und tierexperimentelle Daten lassen jedoch Zweifel an der generellen Richtigkeit dieses Konzeptes aufkommen.(1)

Bei den heute durchgeführten Chemotherapie-Schemata scheinen einige Punkte besonders wichtig, um den größtmöglichen Erfolg zu gewährleisten:

  • Verringerung der Nebenwirkungen, um möglichst die Therapie komplett durchführen zu können
  • Schutz des gesunden Gewebes, auch um Folgekrankheiten zu verhindern
  • Verhindern von Chemotherapie-Resistenzen, damit nach der Therapie möglichst alle Tumorzellen abgetötet sind

Im Folgenden finden Sie eine ganze Reihe einfacher und sicherer zusätzlicher Maßnahmen, die Ihnen helfen, diese wichtigen Ziele für einen bestmöglichen Therapieerfolg zu erreichen. Gleichzeitig soll damit das Ziel verfolgt werden, die Verträglichkeit der Chemotherapie zu verbessern bzw. die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Die empfundene Lebensqualität ist auch ein wichtiger Aspekt für den Verlauf einer Chemotherapie.

Dazu muss gesagt werden, dass einige Interessensgruppen immer noch heftig gegen jegliche Zusatzmaßnahmen Stimmung machen. Vielleicht auch mit ein Grund, warum die Beratung in Richtung begleitender Maßnahmen oft zu wünschen übrig lässt. Aus diesem Grund versuchen wir hier, alle genannten Maßnahmen mit den entsprechenden Studien zu belegen.

1. Folgen und Nebenwirkungen der Chemotherapie

Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind abhängig von der Art der Therapie und der individuellen Verträglichkeit. Die einzelnen Nebenwirkungen treten unabhängig voneinander auf, sie können ganz ausbleiben oder in verschiedener Stärke (von mild bis tödlich) vorkommen.

Diese Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, Erschöpfung, Haarausfall, Schleimhautentzündungen und Blutbildveränderungen. Letztere sind akut sicher die gefährlichste Nebenwirkung:

  • Es werden nicht mehr genug Abwehrzellen gebildet. Dazu gehören die weißen Blutzellen (Leukozyten und Lymphozyten). Die körpereigene Abwehr von Krebszellen erlahmt oder wird ganz aufgehoben. Das Auftreten von Infektionen wird wegen des geschwächten Immunsystems begünstigt.
  • Der Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) vermindert die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Es kann zu Blutungen in Organen (Magen, Darm, Nieren) oder der Haut kommen. Bei Verletzungen drohen verstärkt Blutungen oder Blutergüsse. Auch Entzündungen werden begünstigt.
  • Die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sinkt ab. Da diese den Sauerstoff aus der Lunge in den ganzen Körper transportieren, können Atemnot, Müdigkeit und Erschöpfung die Folge sein.

Während diese akuten Nebenwirkungen meist mit dem Absetzen der Chemotherapie verschwinden, kann es unter Umständen zu einer irreversiblen Herzmuskel- und Nervenschädigung sowie zu Unfruchtbarkeit kommen.

Viele Zytostatika sind selbst karzinogen (krebsauslösend). Diese Medikamente erfordern dringend einen zusätzlichen Zellschutz.

Eine häufige Folge einer Chemotherapie und der Behandlung mit Zytostatika ist auch das sogenannte Fatigue-Syndrom. Unter Fatigue (französischer Begriff für Erschöpfung) versteht man einen Zustand extremer Müdigkeit und Antriebslosigkeit, schwindenden Energiereserven sowie einem erhöhten Ruhebedürfnis.

2. Ernährungstipps während einer Chemotherapie

Zunächst sei gesagt, damit das biochemische System Mensch möglichst reibungsfrei arbeiten kann, braucht es alles. Alle Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe, Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Fehlen nur kleine Bausteine, so bedeutet dies, bestimmte Funktionen können nicht abgerufen werden.

Die Ernährung vor, während und nach der Chemotherapie

Allgemein im Schutz der gesunden Zellen, Energieherstellung, Immunkraft und Entgiftung sind ganz entscheidend von der Ernährung abhängig. Dabei kommt dem Trinken von reichlich Wasser eine sehr große Rolle zu. Mindestens 2 Liter Wasser sollten Sie jeden Tag trinken, je mehr es ist, umso besser für Sie.

Essen Sie soviel Gemüse und Obst (möglichst saisonal, regional und ungespritzt) wie möglich. Sie enthalten unzählige natürliche Stoffe die dem Krebs entgegenwirken (z. B. Brokkoli, Knoblauch etc.) und allgemein den Organismus und das Immunsystem stärken. Daneben liefern Obst und Gemüse auch reichlich Ballaststoffe, die den Darm gesund halten und Giftstoffe binden können.

Um Übergwicht und Depressionen vorzubeugen, sollten Sie allgemein weniger Kohlenhydrate zu sich nehmen.

Essen Sie mindestens 2-mal in der Woche Fisch und verwenden Sie möglichst oft pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren schützt die empfindlichen Zellkraftwerke, vermindert Entzündungen und schützt auch die Schleimhäute.

Verwenden Sie möglichst oft frische Kräuter bei der Zubereitung von Speisen. Ihr hoher Gehalt an Spurenelementen ist für die Funktion des Immunsystems und die Entgiftung entscheidend. Verwenden Sie möglichst oft die Gewürzmischung „milder Curry“, die viele gut erforschte Bestandteile enthält, die dem Krebs entgegenwirken.

Tipps bei Appetitlosigkeit

In jedem Stadium der Behandlung kann immer wieder Appetitlosigkeit auftreten. Dann sollten Sie sich nicht zum Essen zwingen, aber alles tun, was Ihren Appetit anregen kann:

  • Essen Sie immer dann, wenn Sie Hunger verspüren.
  • Lieber kleine als große Portionen verzehren.
  • Im Hause sollten immer Snacks oder andere kleine Imbisse vorbereitet sein.
  • Lassen Sie sich möglichst bekochen. Denn beim Zubereiten vergeht der Appetit oft wieder.
  • Essensgerüche im Haus vermeiden, Töpfe und Speisen abdecken, gut lüften.
  • Zwischen den Mahlzeiten trinken, nicht während des Essens.

3. Mikronährstoffbasierte Therapie

Bei Tumorpatienten ist der Bedarf an Mikronährstoffen (Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10, sekundären Pflanzenstoffen etc.) krankheits- und therapiebedingt erhöht und kann selbst durch eine vollwertige Kost kaum noch gesichert werden.

In der Phase der Chemotherapie ist eine ausgewogene Ernährung aufgrund der Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen praktisch unmöglich. Schleimhautschäden durch die Chemotherapie beeinträchtigen zudem die Aufnahme von Mikronährstoffen und verursachen zusätzlich teils erhebliche Mikronährstoffverluste.

Im Gegensatz zu Gesunden sind bei Tumorpatienten schon bei Diagnosestellung und weit vor dem Auftreten klinisch relevanter Mangelsymptome erniedrigte Konzentrationen zahlreicher Mikronährstoffe (z. B. Selen, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E) im Blut nachweisbar.(3;4)

Zusätzliche Mikronährstoffe sind deshalb vor, während und nach einer Chemotherapie dringend anzuraten!

Dabei haben sich natürliche Mikronährstoffkombinationen deutlich besser bewährt als einzelne Mikronährstoffe. So hat eine Studie aus Amerika gezeigt, dass Vitamine aus Obst oder Gemüse zusammen mit den sekundären Pflanzenstoffen darin mehr als 200-mal stärker schützend wirken als einzelne Vitamine.(5)

Dieser alte Irrglaube ist falsch:

Immer noch warnen manche Krebsärzte vor der Einnahme von Vitaminen und anderen Mikronährstoffen. Dieser Irrglaube stammt aus veralteten Vorstellungen über die Wirkmechanismen der Chemotherapie. Lange Zeit glaubte man, eine Chemotherapie wirke hauptsächlich über die vermehrte Produktion von (aggressiven) freien Radikalen. Da ja bekanntlich Mikronährstoffe auch freie Radikale bekämpfen, wäre die gleichzeitige Gabe wenig sinnvoll.

Heute wissen wir aber sehr genau, dass beide Annahmen falsch sind:

  • Die Hauptmechanismen, mit denen Zytostatika die Tumorzellen bekämpfen haben nichts mit der Bildung von freien Radikalen zu tun!(6)
  • Es gibt deutliche Hinweise aus zahlreichen Studien, dass zusätzliche Mikronährstoffe während der Chemotherapie für die Patienten erhebliche Vorteile bringen!(7)

Problem Mangelernährung mit Mikronährstoffen ausgleichen

Eines der größten Probleme vieler Patienten während der Chemotherapie ist die Mangelernährung. Bei Tumorerkrankungen werden Therapieerfolg und Heilungsprozess maßgeblich vom Ernährungsstatus beeinflusst. So zählt die Mangelernährung zu den häufigsten Todesursachen bei Patienten mit Krebs.(8)

Diese Mangelernährung wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Vor allem durch den hohen Verbrauch des Tumors selbst und durch die zahlreichen, oben aufgeführten Nebenwirkungen der Chemotherapie. Dazu kommt häufig eine vermehrte Ausscheidung von Mikronährstoffen wie Magnesium, Kalium und L-Carnitin, insbesondere in Verbindung mit dem Zytostatikum Cisplatin.

Umso wichtiger ist es, diese Verluste bestmöglich auszugleichen. Studien zeigen, dass dies mittels einer komplexen und möglichst natürlichen Mikronährstoffkombination zu:

  • weniger Nebenwirkungen einer Chemotherapie(9)
  • zu einer höheren Überlebensrate der Patienten(10) und
  • einem besseren Ansprechen der Chemotherapie führt.(11)

Wirkungen und Funktionen der Mikronährstoffe

Zusätzliche natürliche Antioxidantien, also antioxidativ wirksame Mikronährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, natürliche Carotinoide und Flavonoide oder Selen agieren nicht nur als Radikalfänger und schützen dadurch die gesunden Körperzellen. Sie besitzen positive Wirkungen auf das Immunsystem, fördern den programmierten Zelltod der Krebszellen (Apoptose) und haben wesentliche Aufgaben bei der Regulation des Zellwachstums.(12)

Coenzym Q10 und L-Carnitin gelten heute als die beiden wichtigsten Mikronährstoffe zur Behandlung des Müdigkeitssyndroms (Fatigue) nach einer Chemotherapie. Studien zeigen, dass sie entscheidend an der Energieherstellung in unserem Körper beteiligt sind.(13) Coenzym Q10 schützt die Mitochondrien (Zellkraftwerke) und hilft bei deren Regeneration, wenn sie durch eine Chemotherapie geschädigt wurden.(14) L-Carnitin ist neben einer Verbesserung der Energieproduktion auch für die Steuerung der Ausschüttung von Neurotransmittern (Nervenbotenstoffen) zuständig und hilft so, die gefährdeten Nerven zu schützen.(15)

Ähnliche Effekte konnte man bei sekundären Pflanzenstoffen beobachten. Diese, nur in der Natur oder in natürlichen Mikronährstoffpräparaten vorkommenden Substanzen sind ebenfalls für den Schutz der Mitochondrien zuständig(16). Zudem können sie die Neubildung der Zellkraftwerke anregen, wodurch weniger schädliche Stoffwechselendprodukte gebildet werden. Dies ist umso bedeutender, als Krebszellen bis zu 80 % weniger der Zellkraftwerke enthalten als gesunde Zellen.

In einer amerikanischen Studie wurde beispielweise untersucht, welchen Einfluss die zusätzliche Gabe des in Äpfeln, Zwiebeln oder Tomaten vorkommenden Quercetin auf die Neubildung von Mitochondrien bei jungen untrainierten Männern hatte. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnte schon nach 2 Wochen ein Anstieg der Mitochondrienzahl festgestellt werden.(17)

Dazu kommt noch der sehr wichtige Effekt, dass zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe die Wirksamkeit einer Chemotherapie verstärken, indem sie resistente Krebszellen wieder empfindlicher auf die Chemotherapie machen.(18)

Diese gesammelten Erkenntnisse zeigen, wie wichtig – zusätzlich zu einer guten Ernährung – der Einsatz von Mikronährstoffen ist. Hier empfiehlt sich eine Breitband-Mikronährstoffmischung, die die gesammelte Breite der Mikronährstoffe enthält – auch Coenzym Q10, Carnitin und sekundäre Pflanzenstoffe. Ein natürliches, am besten saftförmiges Breitbandpräparat ist einzelnen Stoffen prinzipiell überlegen ebenso wie den im Labor hergestellten künstlichen Vitaminmischungen.

4. Veränderungen im Lebensstil

Neben der Ernährung und der Versorgung mit Mikronährstoffen kommt auch Ihrer Lebensweise eine große Bedeutung im Kampf gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu.

Sport & Bewegung

Ganz wichtig ist dabei die regelmäßige körperliche Bewegung an der frischen Luft. Patienten während der Chemotherapie sind häufig erschöpft und körperlich inaktiv. Körperliche Aktivität ist jedoch wichtig, um das Immunsystem zu stabilisieren, sie hilft Schmerzen zu reduzieren und trägt zur besseren Versorgung der Zellen mit Sauerstoff bei. Letzteres ist sehr wichtig, denn eine Chemotherapie ist bei einem Mangel an Sauerstoff in den Krebszellen weniger gut wirksam. Gesunde Zellen werden dagegen durch den Sauerstoff vor den Nebenwirkungen dieser aggressiven Therapien geschützt.

Angepasstes Bewegungstraining verbessert außerdem Erschöpfungszustände (Fatigue-Syndrom), unter denen viele Patienten noch lange nach der Therapie leiden. Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Patienten mit Krebs belegen. Zudem gibt es nur wenige Situationen, in denen Bewegung tatsächlich schaden kann.(19)

Im Gegenteil: Moderater Sport kann beispielsweise die Überlebenschancen von Männern mit Darmkrebs verbessern, berichten US-Forscher aus Boston. Dabei wurde der Krankheitsverlauf bei knapp 670 Männern ohne Metastasen über eine Zeit von im Mittel 8,6 Jahren analysiert. Das Ergebnis: Von den Männern ohne jegliche körperliche Aktivität starben etwa 17 Prozent an Darmkrebs, von den körperlich aktiven Männern, die gemütlich Radeln oder Schwimmen waren, waren es dagegen nur 9 Prozent. Dazu reichte eine moderate Bewegung (gemütliches Radfahren, Spazierengehen, Schwimmen) von 4-5 Stunden wöchentlich. Auch die tumorbedingte Sterberate war bei den sportlich Aktiven um 53 Prozent reduziert und die Gesamtsterberate war um 41 Prozent niedriger als bei den trägen Darmkrebskranken.(20)

Optimale Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen sollten im Vordergrund stehen. Allgemein werden drei- bis viermal mal in der Woche 30 bis 60 Minuten Sport empfohlen. Achten Sie auf eine langsame Belastungssteigerung, um ein körperliches Erschöpfen zu vermeiden. Und noch etwas ist zu beachten: Die guten Effekte des Sports erreichen Sie nur bei ausreichender Mikronährstoffzufuhr, da mehr Bewegung auch einen höheren Mikronährstoffbedarf nach sich zieht.

Wichtig – nicht überlasten!Halten Sie immer Rücksprache mit Ihrem Arzt. Generelle Sport-Empfehlungen sind speziell für Patienten mit Krebs sehr schwierig: Zu unterschiedlich sind die individuellen Ausgangsbedingungen, die während der Therapie beachtet werden müssen. Was einer Patientin mit Brustkrebs gut tut, die zur Therapie über mehrere Jahre Hormone einnehmen muss, muss sich nicht bei einem Leukämiepatienten eignen, dessen Blutwerte während einer Chemotherapie stark absinken können. Patienten sollten deshalb immer Rücksprache mit ihrem Arzt halten, ob und in welcher Form ein Sportprogramm sinnvoll sein kann. Krebspatienten wird während einer Behandlung dringend davon abgeraten, sich körperlich zu überfordern, z. B. indem sie sich an Programmen für Gesunde orientieren.

Noch ein Tipp: Sport in der Krebsnachsorge ist auch „auf Rezept“ möglich. Gesetzliche Krankenkassen handeln mit geprüften Reha-Einrichtungen oder Sportvereinen Verträge aus.

Psychoonkologie – nachhaltige seelische Hilfe

Ein Tumor lässt sich meist mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen, die Gedanken und Gefühle eines Krebspatienten hingegen nicht. Wie sich diese im Verlauf der Erkrankung verändern, können Außenstehende nicht immer unmittelbar erkennen oder nachempfinden. Eine eigene wissenschaftliche Fachrichtung, die Psychoonkologie, erforscht die seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Betroffene und entwickelt Möglichkeiten der Unterstützung.

So stellt beispielweise „Das Bochumer Gesundheitstraining“ eine Weiterentwicklung der Visualisierungsmethode nach Simonton dar und wurde 1982 in der Arbeitsgruppe „Vegetative Funktionen“ an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. Hier geht man von den körperlich-seelisch-immunologischen Zusammenhängen aus und nutzt sie, um die medizinische Therapie zu unterstützen. Weitere Informationen und einen Überblick über eine medizinische Studie, die deutliche Erfolge beim psychischen Befinden und der Lebensqualität erbrachte, finden Sie unter www.bochumergesundheitstraining.de

Nehmen Sie Ihre Krankheit an

Hilflosigkeit und Schmerz sind starke Gefühle. Solche starken Gefühle können über die Vernunft siegen, sie können einen Patienten regelrecht unmündig machen. Die Fähigkeit, sein Leiden anzunehmen, ist auch der erste Schritt dazu, sich mit seinem Körper auszusöhnen. Dazu gehört auch, seinen Körper und dessen Signale bewusst wahrzunehmen und nicht mehr zu ignorieren.

Der zweite Schritt aus der Unmündigkeit geht über die Fähigkeit, wieder wichtige Entscheidungen zu treffen. Und es gibt für einen von Krebs Betroffenen viele Entscheidungen zu treffen. Studien zufolge haben mündige und informierte Patienten die besseren Therapiechancen.

Ebenso wichtig ist eine positive Grundeinstellung. So zeigte kürzlich eine Studie aus den USA mit 534 Lungenkrebspatienten, dass Optimisten länger leben als pessimistische Lungenkrebspatienten. Die fünfjährigen Überlebens-Raten für die zwei Gruppen lagen bei 33 Prozent für Optimisten und 21 Prozent für Pessimisten. Dieser Zusammenhang war unabhängig von Rauchen, dem Krebs-Stadium, dem Therapieverfahren, dem Alter und dem Geschlecht der Betroffenen.(21)

5. Sonstige Naturheilverfahren

Sauerstoffinhalation

In Krebstumoren existieren Areale mit guter Sauerstoffversorgung neben Arealen mit schlechter Sauerstoffversorgung. Sauerstoffunterversorgung fördert die Resistenzbildung in Tumorzellen, diese gehen vermehrt in eine Zell-Ruhephase über und sind für Chemotherapie oder Strahlentherapie fast unangreifbar. Mittels einer Sauerstofftherapie können diese gefährlichen sog. hypoxischen Areale in Tumoren wieder mit mehr Sauerstoff versorgt werden. Dadurch werden die Tumorzellen „lebendiger“ und sind für die Therapie besser erreichbar.(22)

Sinnvoll kann es sein, mittels eines leihweise aus einem Sanitätshaus erhältlichen Sauerstoff-Konzentrators (nicht einer Sauerstoff-Flasche!) für die Dauer der Strahlen- bzw. Chemotherapie die Regenerationskräfte durch gezielte Sauerstoffinhalationen zu unterstützen. Die Anwendungsdauer sollte mit 4 Liter Sauerstoff pro Minute täglich 1-2 Stunden betragen, wobei die Anwendungen nicht zu spät am Tag durchzuführen sind.

Hyperthermie

Hyperthermie (griech. für Überwärmung) nennt man in der Medizin eine Behandlung, bei der die Temperatur des kompletten Körpergewebes oder einzelner Regionen oder Organe künstlich erhöht wird. Es gibt inzwischen für zahlreiche Tumoren positive Studien zur Hyperthermie, selbst in fortgeschrittenen Krebsstadien.

Neueste Ergebnisse zweier Untersuchungen aus Rotterdam zeigen, dass mithilfe einer Kombinationstherapie (Strahlen und Hyperthermie) die Ansprechraten und die Überlebensraten der Patienten verbessert werden können. Dabei hatten Frauen teilgenommen, bei denen der Krebs entweder lokal fortgeschritten war oder sich bereits in Lymphknoten, andere Organe im Becken und an das Becken angrenzende Organe ausgebreitet hatte (Stadien II bis IVA). Wenn eine Strahlentherapie mit einer Hyperthermie-Behandlung kombiniert wurde, wurde bei 114 Patientinnen eine Ansprechrate von 83 Prozent erreicht. Ohne Hyperthermie lag die Ansprechrate nur bei 57 Prozent. Nach drei Jahren lebten in der Hyperthermie-Gruppe noch 51 Prozent, in der Kontrollgruppe nur 27 Prozent.(23)

Dabei wurde entdeckt, dass Mikronährstoffe die Hyperthermie-Effekte verstärken können. So verhindert der sekundäre Pflanzenstoff Quercetin, dass Krebszellen Schutzstoffe gegen die Überwärmung bilden können.(24)

Kräutertee-Mundspülung

Die folgende Teemischung zum Mundspülen hilft bei Schleimhautproblemen:

Mischen Sie je 10 g Rosmarin, Thymian, Majoran, Bohnenkraut und Salbei. Bereiten Sie gleich eine größere Menge Tee zu, die für mehrmaliges Spülen reicht. 5 Teelöffel der Kräutermischung, 1 Zimtstange und 3 Gewürznelken mit 1 Liter gekochtem Wasser übergießen. Den Tee zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Tee abgießen und abkühlen lassen. Spülen Sie nur mit lauwarmem oder gekühltem Tee.

Was Sie selbst tun können – Empfehlungen zusammengefasst

Essen und Trinken

  • Trinken Sie genügend Wasser. Mindestens 2 Liter am Tag sollten es sein. Wasser ist wichtig für die Entgiftung und die Funktion des Immunsystems.
  • Ernähren Sie sich gesund (regelmäßig Gemüse, Obst, oft Fisch etc.) und abwechslungsreich.
  • Reduzieren Sie den Anteil von Kohlenhydraten in der täglichen Ernährung.
  • Verwenden Sie mehrmals in der Woche hochwertige, kaltgepresste Pflanzenöle und frische Kräuter.

Mikronährstoffe

  • Nehmen Sie täglich einen biologischen Mikronährstoffkomplex mit natürlichen Antioxidantien und L-Carnitin, um die optimale Zellversorgung mit allen Mikronährstoffen sicher zu stellen.
  • Am besten nehmen Sie ein Produkt in flüssiger Form und hergestellt aus natürlichen Lebensmitteln, da nur dadurch die Versorgung mit den so wichtigen sekundären Pflanzenstoffen gewährleistet und eine optimale Aufnahme im Organismus gesichert ist.

Bewegung und Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich, Spaziergänge, Ausdauersport, Gymnastik. Gehen Sie jeden Tag vor die Tür und bewegen Sie sich möglichst viel an der frischen Luft.
  • Schlafen Sie genügend um Erholung und Regeneration zu fördern.

Lebenseinstellung

  • Informieren Sie sich über Ihre Krankheit und über die Therapiemöglichkeiten. Wirken Sie aktiv an den Entscheidungsprozessen mit – es geht schließlich um Ihre Gesundheit.
  • Machen Sie sich psychisch stark. Selbstbewusstsein und eine gute, psychische Verfassung erleichtern Ihnen die Chemotherapie signifikant.

Weitergehende Informationen und Bücher zum Thema

Gratis bei der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr unter www.biokrebs.dehttp://www.biokrebs.de/images/stories/download/broschueren/Nebenwirkungen-aggressiver-Therapien.pdf

Krebszellen mögen keine HimbeerenEin wunderbar motivierendes Buch zu gesunder Ernährung bei Krebs! Prof. Dr. med. Richard Béliveau, Goldmann 2007, ISBN-10: 9783466345021

Das Antikrebs-BuchWas uns schützt: Vorbeugen und Nachsorgen mit natürlichen Mitteln David Servan-Schreiber, Goldmann Verlag (2010), ISBN-10: 9783442155583

Quellenangaben:

(1) Gatenby R.A. et al.: Adaptive therapy. Cancer Res. Nr. 11, Juni 2009: S. 4894–4903
(2) Gesellschaft für biologische Krebsabwehr: Nebenwirkungen aggressiver Therapien -Ein Ratgeber bei Strahlen- und Chemotherapie, Heidelberg 2007: S. 11
(3) Burney P.G. et al.: Serologic precursors of Cancer: serum micronutrients and the subsequent risk of pancreatic cancer. Am J Clin Nutr 1989 (4): S. 895-900
(4) Wright M.E. et al.: Supplemental and dietary vitamin E intakes and the risk of prostate cancer in a large prospective study. Cancer Epidemiol Biomarkers 2007 (6): S. 1128-1135
(5) Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
(6) Gröber U.: Antioxidants and other micronutrients in complementary oncology. Breast Care 2009 (1). S. 13-20
(7) Block K.I. et al.: Impact of antioxidant supplementation on chemotherapeutic efficacy: a systematic review of the evidence from randomized controlled trials. Cancer Treat Rev. 2007(5): S.407-418
(8) Zürcher G.: Mangelernährung bei onkologischen Patienten. In: Biesalski K. et al (Hrsg.): Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Thieme Verlag Stuttgart 2002
(9) Ghosh A.K., Joshi S.R.: Disorders of calcium, phosphorus and magnesium metabolism. J Assoc Physicians India. 2008 (56): S. 613-621
(10) Gröber U.: Antioxidantien und andere Mikronährstoffe in der komplementären Onkologie. D Zeitschr Onkolog 2009 (41): S. 172-176
(11) Dewys W.D. et al.: Prognostic effects of weight loss prior to chemotherapy in cancer patients. Am J Med 1980 (4): S. 491-497
(12) Prasad K.N.: Antioxidants in Cancer Care: when and how to use them as an adjunct to standard and experimental therapies. Exp Rev Anticancer Ther 2003 (6): S. 903-915
(13) Bains W.: Treating Chronic Fatigue states as a disease of the regulation of energy metabolism. Med Hypotheses. 2008 (4): S. 481-488
(14) Nicolson G.L. et al.: Reversing mitochondrial dysfunction, fatigue and the adverse effects of chemotherapy of metastatic disease by molecular replacement therapy. Clin Exp Metastasis. 2008 (2): S. 161-169
(15) Tempesta E. et al.: Stereospecific effects of acetylcarnitine on the spontaneous activity of brainstem neurones and their responses to acetylcholine and serotonin. Neuropharmacology. 1985 (1): S. 43-50
(16) Gupta A. et al.: Curcumin, a polyphenolic antioxidant, attenuates chronic fatigue syndrome in murine water immersion stress model. Immunobiology. 2009 (1): S. 33-39
(17) Nieman D.C. et al.: Quercetin´s influence on exercise performance and muscle mitochondrial biogenesis. Med Sci Sports Exerc. 2010(2): S. 338-45.
(18) Mei Y. et al.: Reversal of cancer multidrug resistance by green tea polyphenols. J Pharm Pharmacol. 2004(10): s. 1307-1314
(19) Dimeo FC et al. (2008). Körperliche Aktivität und Sport bei Krebspatienten. Der Onkologe 14(1): S. 31-37.
(20) Meyerhardt J.A. et al.: Physical activity and male colorectal cancer survival. Arch Intern Med 2009 (22): S. 2102-2108.
(21) Novotny P. et al.: A pessimistic explanatory style is prognostic for poor lung cancer survival. J Thorac Oncol. 2010(3): S. 326-332.
(22) Alagoz T. et al.: Evaluation of Hyperbaric Oxygenation as a chemosensitizer in the treatment of epithelial ovarian cancer in xenografts in mice. Cancer 1995(9): S. 2313-2322
(23) Franckena et al.: Use of combined radiation and hyperthermia for gynecological cancer. Curr Opin Obstet Gynecol. 2010(1): S. 9-14.
(24) Oerding M.: Einflüsse von Hyerthermie in Kombination mit Chemotherapie und dem Quercetin. Dissertation Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 2005

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