Die Colitis ulcerosa ist eine in Schüben verlaufende chronische Entzündung der Darmschleimhaut. Zur Behandlung der Colitis ulcerosa stehen eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die allerdings fast alle nur auf eine Unterdrückung des als zu aktiv vermuteten Immunsystems abzielen. Da sich hier gerade die Erkenntnisse zu den Ursachen der Colitis ulcerosa dramatisch ändern, ist es nicht überraschend, dass sich die Therapieerfolge damit in Grenzen halten und vor allem bei längerer Anwendung starke Nebenwirkungen auftreten können.

Typische Symptome sind wiederkehrende Durchfälle, Blutungen im Darm und Koliken. Manchmal sind Gelenke, Haut oder Augen mitbetroffen. Je länger die Krankheit besteht, umso höher ist auch das Darmkrebsrisiko. Um Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn zu unterscheiden, wird in den meisten Fällen eine Darmspiegelung (Koloskopie) angewandt.

Die Ursache ist noch unklar, jedoch scheinen Vererbung, Immunsystem und Psyche miteinander beteiligt zu sein. Es wurde bisher angenommen, dass bei genetisch vorbeslasteten Menschen eine krankhaft gesteigerte Immunreaktion gegen die Darmflora zum Ausbruch der Krankheit führt. Neue Erkenntnisse deuten aber eher auf ein geschwächtes Immunsystem hin. Ein spezielles Eiweiß, das für die Bildung des Entzündungsbotenstoffes NFkB zuständig ist, scheint ständig aktiv zu sein. Umweltfaktoren wie zu viel Hygiene und die Ernährung sollen eine wichtige Rolle spielen. Stress und Belastungen können wesentlich zu einem schwierigen Verlauf beitragen und akute Schübe der Krankheit auslösen.

Etwa 200 von 100.000 Einwohnern leiden an einer Colitis ulcerosa, das sind in Deutschland etwa 300.000 Betroffene. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.

Problematisch im Alltag sind die körperliche Schwächung, aber auch oft unangenehme Symptome wie Stuhlinkontinenz und zwanghafte Stuhlgänge. Aber auch die Begleiterkrankungen und die Nebenwirkung der verabreichten Medikamente können sehr unangenehm sein. Starke Blähungen können im Schub zur erhöhten Stuhlfrequenz führen. Die schubabhängigen Blähungen liegen teils an einer schubbedingten Zuckerunverträglichkeit (etwa Laktose, Fructose, Sorbit).

Obwohl die Entzündung bei Colitis ulcerosa immer auf den Dickdarm beschränkt ist, werden bei starken Durchfällen viele Nährstoffe nicht im Dünndarm resorbiert. Im Schub sowie auch in der Remission als Wechselwirkung mit Medikamenten kann es zu Mangelerscheinungen kommen. Mängel können im Schub sehr ausgeprägt sein. Näheres dazu erfahren Sie im Kapitel vitalstoffbasierte Therapie.

Zur Behandlung der Colitis ulcerosa steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die allerdings fast alle auf eine Unterdrückung des als zu aktiv vermuteten Immunsystems abzielen. Da sich hier gerade die Erkenntnisse zu den Ursachen der Colitis ulcerosa dramatisch ändern, ist es nicht überraschend, dass sich die Erfolge der Therapie damit in Grenzen halten und vor allem bei längerer Anwendung mitunter starke oder zumindest unangenehme Nebenwirkungen auftreten können. Im Vordergrund der medikamentösen Therapie steht die Entzündungshemmung . In schweren Fällen oder bei Komplikationen kann eine Operation nötig sein bei der der Dickdarm meist vollständig entfernt wird.

Viele Betroffene sind auf der Suche nach einer alternativen Therapie, da sie den langfristigen Einastz der Medikamente oft fürchten. Neue Forschungen bieten hier einige interessante, nebenwirkungsfreie Ansätze.

1. Ursachen der Colitis ulcerosa

Die Ursachen der Colitis ulcerosa werden heute in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren gesehen. Experten nahmen bisher an, dass es sich bei der Entzündung im Darm, deren Verlauf chronisch ist, um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der ein überaktives Immunsystem den Darm angreift. Doch nun ändert sich diese Sichtweise: Neue Studien zeigen, dass ein Versagen der angeborenen Abwehr gegen Darmbakterien der Auslöser für die Krankheiten ist. In verschiedenen Studien hat man in den letzten Jahren einige sehr interessante Ursachen herausgefunden.

Zum einen zeigt eine brandneue Untersuchung, dass normalerweise harmlose Bakterien in der Darmflora bei genetisch anfälligen Menschen plötzlich beginnen ein Enzym zu produzieren, mit dem der Darm regelrecht durchlöchert wird. (1) Bei Patienten mit Colitis ulcerosa kippt das Gleichgewicht zwischen schützenden und schädlichen Darmbakterien. Es entsteht eine Dysbiose, bei der sich aggressiver Keime in der Darmschleimhaut ansiedeln. Die intestinale Barriere bricht zusammen. Das angeborene Immunsystem reagiert aufgrund genetischer Defekte nicht adäquat. Damit sind natürlich Infektionen und Entzündungen Tür und Tor geöffnet.(2)

In einer Deutschen Studie an der Uniklinik Schleswig Holstein in Kiel wurde an Zwillingen untersucht, welche Faktoren als Auslöser für diese Reaktion in Frage kommen. In der Studie wurde die Darmflora von eineiigen Zwillingen untersucht, von denen nur ein Zwilling an Colitis ulcerosa leidet. Zwillinge sind hierfür besonders gut geeignet. Denn eineiige Zwillinge sind genetisch identisch, so dass man in den Studien exakt herausfinden kann, was sich beim Ausbruch der Krankheit in der Darmflora anders war und was zu der Veränderung führte.

Ein eindeutiger Zusammenhang zeigte sich bei häufigem Gebrauch von Antibiotika und bei denjenigen, die häufiger Magen-Darm-Infekte hatten. Zusätzlich waren diejenigen Zwillinge anfälliger für Colitis ulcerosa, die mehr Fleischprodukte und Wurstwaren aßen. (3)

Drei weitere Faktoren wurden eindeutig mit dem Auftreten von Entzündungen im Darm, deren Verlauf chronisch ist, in Verbindung gebracht:

  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Titandioxid (E171)

Beim Rauchen ist der Zusammenhang schon länger bekannt und es wird auch niemanden überraschen. Rauchen fördert Entzündungen, es werden mehr freie Radikale produziert und die inhalierten Giftstoffe schädigen die Darmflora und das Immunsystem. Hier sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig: Je mehr die Kinder bis zu einem Alter von 15 aktiv oder passiv rauchen, umso höher sind Zahlen an Colitis ulcerosa.(4)

Auch beim Alkoholkonsum ist der Zusammenhang eindeutig. Bei häufigem Alkoholkonsum sinkt unter anderem die Aufnahme von wasserlöslichen Vitaminen und Spurenelementen, die für eine gesunde Darmflora wichtig sind. Zudem zeigen neue Untersuchungen, dass Alkohol auch die Barrierefunktion schwächt und den Darm somit anfälliger für Krankheiten macht.(5)

Klinische Studien habe auch gezeigt, dass bei der Mehrzahl der Patienten mit chronisch verlaufenden Entzündungen im Darm bereits ein moderater Alkoholkonsum zu abdominellen Schmerzen führen kann, wobei alkoholische Getränke mit einem hohen Glukosegehalt (Moderne Alkopops!) die stärksten Beschwerden verursachten.(6)

Neu unter den Verursachern von Colitis ulcerosa sind mikrofeine Nahrungsmittelzusätze wie Titandioxid. Der auch als E171 deklarierte Stoff dient als Weißfärbemittel in Zahnpasta, Kaffeeweißer und Milchprodukten. Es ist aber auch in Dragees, Kaugummis und Überzügen von Arzneimitteln zu finden.

Diese mikrofeinen Partikel werden vom Darmlymphsystem aufgenommen und verteilen sich im ganzen Körper. Dabei reizen sie spezielle Teile des Immunsystems und fördern Entzündungen.(7)

2. Ernährungstipps bei Colitis ulcerosa

Hier finden Sie wertvolle Ernährungstipps, die sich positiv auf ihr Wohlbefinden auswirken. Für einen optimalen Stoffwechsel benötigt der Mensch benötigt Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe, Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Fehlen nur kleine Bausteine, so bedeutet dies, bestimmte Funktionen können nicht mehr einwandfrei abgerufen werden.

Des Weiteren gelten natürlich die üblichen Regeln der gesunden Ernährung. Sie sollten insgesamt etwas weniger Kohlenhydrate essen, also weniger weißes Brot, weniger Nudeln und Reis, dafür etwas mehr Gemüse und Obst. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht im Darm. Damit wird Ihr Organismus anfälliger für Colitis ulcerosa. Wie oben schon erwähnt, fördern zu viele tierische Lebensmittel – vor allem die Fette von Tieren aus konventioneller Masttierhaltung –Entzündungen im ganzen Körper und stören ebenfalls die Darmflora.(3) Man konnte nachweisen, dass Produkte von Tieren aus artgerechter Haltung hier sogar gesunde Effekte aufweisen.(8)

Essen Sie mindestens 2-mal in der Woche frischen Fisch und verwenden Sie möglichst oft pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wirkt stark entzündungshemmend. Außerdem sind sie für ein ausbalanciertes Immunsystem wichtig. Verzichten sollten sie allerdings auf gehärtete Pflanzenöle, wie sie in Margarine vorkommen. Sie stehen in dringendem Verdacht, eine Colitis ulcerosa auslösen zu können.(9)

Verwenden Sie möglichst oft frische Kräuter und Gewürze bei der Zubereitung von Speisen. Ihr hoher Gehalt an Spurenelementen ist wichtig für das Immunsystem und die Kräuter helfen auch bei der Entsäuerung des Gewebes. Von Curcuma, einem antientzündlichen Wirkstoff aus der Gelbwurz (Curcuma longa), wurden erst vor kurzem zahlreiche positive Wirkungen bei Colitis ulcerosa festgestellt. Die Schlussfolgerung der Forschergruppe um Jenny Epstein lautet deshalb, „dass Curcumin, ein in der Natur vorkommender Lebensmittelbestandteil, von dem keine Toxizität für den Menschen bekannt ist, als neues Therapeutikum bei CED vielversprechend ist“.(10)

Weitere allgemeine Ernährungsregeln für Patienten mit chronisch verlaufenden Darmentzündungen sind allerdings aufgrund der häufigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr schwierig. Lebensmittel, die häufig Beschwerden auslösen sind:

  • Weizen
  • Milchprodukte
  • Hefe
  • Mais

3. Mikronährstoffbasierte Therapie

Mikronährstoffe spielen bei praktisch allen Stoffwechselreaktionen eine große Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung der Hormone und Botenstoffe und sind auch an deren Abbau beteiligt.

Bei Colitis ulcerosa sind Mängel an Mikronährstoffen sehr häufig. Zum einen wegen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und der damit verbundenen einseitigen Ernährung. Zum anderen natürlich wegen der Aufnahmestörung, die durch die Entzündung im Darm und die Durchfälle bedingt ist. Aber auch die eingesetzten Medikamente führen oft zu Vitalstoffmängeln.(11)

Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten nachgewiesen Nährstoffmängel bei Colitis:

Mikronährstoffmangel
in Prozent
Nährstoffe wichtig für:
Eisenmangel
30-80
Blutbildung, Immunsystem
Folsäuremangel
5-20
Blutbildung, Zellteilung, Funktion der Gene
Vitamin-B12-Mangel
8-30
Blutbildung, Gehirn-und Nervenfunktion
Vitamin-D-Mangel
35
Schutz der Knochen und Zähne vor Entkalkung, Immunsystem, Hormonherstellung
Calcium-Mangel
0-46
Baustein von Knochen und Zähnen, Nieren-, Herz-und Muskelfunktion, Blutgerinnung
Magnesium-Mangel
2-55
Muskeltätigkeit, Stoffwechselvorgänge, Energieherstellung
Zink-Mangel
12-52
Immunsystem, Stabilisiert die Darmflora, Hauterkrankungen

Diese Mangelernährung ist meist nicht leicht zu diagnostizieren, da die Blutwerte oft nicht der Wirklichkeit in den Zellen entsprechen. So ergab eine Studie in drei europäischen Großstädten, dass Patienten mit Colitis ulcerosa, die offensichtlich genauso gut ernährt waren wie die gesunden Teilnehmer der Kontrollgruppe, trotzdem unter Muskelschwäche und Energiemangel litten. Der Nährstoffmangel wurde erst nach einem erweiterten Suchprogramm gefunden.(13)

Eine der häufigsten Komplikationen bei Colitis ulcerosa ist die Anämie. Diese Blutarmut aufgrund von Eisen- und Vitamin-B-Mangel führt oft zu Energiemangel und wenig Leistungsfähigkeit bei den Patienten.(14) Diese Mikronährstoffe spielen aber auch ein wichtige Rolle beim Schutz vor Krebserkrankungen und beim Erhalt der Knochendichte.

Osteoporose ist bei Patienten mit Colitis ulcerosa ebenfalls eine sehr häufige Komplikation. Osteoporose mit der Gefahr von häufigen Knochenbrüchen tritt bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit Colitis ulcerosa auf. (15)

Auch Vitamin D und Vitamin K spielen dabei bekanntlich eine wichtige Rolle. Für beide Vitamine wurden bei Colitis-Patienten deutliche Mängel nachgewiesen.(16) Für Vitamin D ist übrigens in Mitteleuropa auch in der gesunden Bevölkerung ein weitverbreiteter Mangel nachgewiesen worden (17). Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko, dass eine Colitis ausbricht. (18)

Auch sie Spurenelemente Zink und Selen spielen bei der Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle. So wurde vor kurzem erst nachgewiesen, dass schon ein geringfügiger Zinkmangel einen Entzündungsschub auslösen kann. (19) Selen ist ein wichtiger Teil des antioxidativen Schutzes vor freien Radikalen. Diese freien Radikale sind offensichtlich ein Faktor, die die Entzündung im Darm am Laufen halten.(20)

Im Kampf gegen freie Radikale haben sich im Übrigen natürliche Antioxidantienmischungen deutlich besser bewährt als synthetische. Die natürlichen Mikrostoffe wirken mehr als 200 mal stärker antioxidativ. (21) Dazu kommt, dass für diese Mikronährstoffmischungen auch deutliche entzündungshemmende Wirkungen im Darm nachgewiesen sind. (22)

Ein gutes, natürliches Mikronährstoffprodukt enthält aber nicht nur Vitamine und Mineralien, auch Omega-3-Fettsäuren und unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe sollten enthalten sein. Für beide gibt es eine Reihe von Studien, die deren Wirkung gegen Entzündungen bestätigen.

Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Gegenspieler zu den heute in der Ernährung dominierenden tierischen Fetten. Während die in den tierischen Fetten überwiegenden gesättigten Fette die Bildung von Entzündungsbotenstoffen stimulieren, hemmen Omega-3-Fettsäuren diesen Stoffwechselprozess und helfen so Entzündungen im Körper zu reduzieren.(23) Übrigens zeigen neue Studien, dass emulgierte Omega-3-Fettsäuren in einem komplexen Mikronährstoffprodukt in Saftform besser aufgenommen werden als die üblichen Omega-3-Kapseln. (24)

Sekundäre Pflanzenstoffe haben ähnliche Effekte. So konnten erst vor kurzem die positiven Auswirkungen von Curcumin bei Kindern und Erwachsenen mit Colitis ulcerosa festgestellt werden.(10) Auch für Pflanzenstoffe aus Beeren, Trauben und grünem Tee, den Polyphenolen wurden diese Ergebnisse entdeckt. Das besondere an diesen pflanzlichen Vitalstoffen ist, dass sie sich in höherer Konzentration in den Darmzellen anreichern als in jedem anderen Gewebe des Körpers.(25)

Auf zwei wichtige Mikronährstoffe, die erst seit kurzer Zeit in den Focus bei Colitis ulcerosa gerückt sind, möchte ich noch hinweisen. Das ist zum einen Lecithin, ein Eiweißstoff, der u.a. zur Herstellung von Botenstoffen benötigt wird. Lecithin ist aber auch ein wichtiger Bestandteil der Darmschleimhaut. Erste vor allem in Deutschland durchgeführte Untersuchungen haben ermutigende Ergebnisse mit der Einnahme von Lecithin bei aktiver Colitis ulcerosa erbracht.(26)

Des Weiteren wurde zuletzt auch erkannt, dass mit Mikronährstoffen zahlreiche Komplikationen der Colitis verhindert werden. Besonders gefürchtet ist eine Beteiligung des Herzens. So kann ein Mangel an Carnitin zu einer fortschreitenden Herzschwäche bei Colitis-Patienten führen. (27) Daneben zeigt Carnitin auch noch deutliche Wirkungen gegen die Darmentzündung. (28)

4. Veränderungen im Lebensstil

Oben haben wir schon gezeigt, wie wichtig Ernährung und Mikronährstoffe bei Colitis ulcerosa sind. Doch auch die Lebensweise und -einstellung kann erheblichen Einfluss auf die Symptomatik haben. Schon früh wurden Richtlinien für die eine möglichst gesunde Lebensweise für Patienten mit Colitis ulcerosa aufgestellt. (29) Diese Richtlinien beinhalten auch körperliche Aktivität. Sport soll den Knochen- und Muskelverlust minimieren und die Gesamtgesundheit verbessern. In diesen Richtlinien wird ein aerobes Ausdauertraining von 20 bis 60 Minuten Dauer an zwei bis fünf Tagen in der Woche empfohlen. Zusätzlich sei an zwei Tagen in der Woche ein moderates Krafttraining sinnvoll. Wird die Menge an körperlicher Aktivität deutlich ausgeweitet (z.B. Marathon, Triathlon), so kann es aber durchaus auch zu einer Aktivierung der Krankheit kommen.

Dr. Meller führte für seine Doktorarbeit mit dem Thema „Sporttherapeutische Maßnahmen bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen“ eine Untersuchung im Reha-Zentrum in Bad Neuenahr durch. Dabei bot er einer Gruppe von Patienten mit chronischer Darmentzündung ein moderates, auf die Patienten zugeschnittenes Bewegungstraining an, das verschiedene Sportarten wie Fahrradergometrie, Aquajogging und Walking berücksichtigte. Eine Kontrollgruppe von Patienten erhielt dagegen ausschließlich Entspannungsmaßnahmen. Meller konnte zeigen, dass sich in der Sportgruppe der Bedarf an Medikamenten (z.B. Cortison) signifikant reduzierte, dass die Patienten eine verbesserte Körperwahrnehmung und einen verbesserten Allgemeinzustand besaßen, dass sie weniger Ängste und Depressionen hatten und sich ihre Arbeitsfähigkeit steigerte.(30)

Zusätzlich senkt regelmäßige sportliche Betätigung das Darmkrebsrisiko um 50 %.(31) Für die Allgemeinbevölkerung sind die stresslindernden und antidepressiven Effekte des Sports wohlbekannt. Natürlich sind diese Vorteile speziell für Colitis-Patienten wichtig, da diese typischerweise über höhere Stresslevel berichten als der Durchschnitt der Bevölkerung. (32)

Obwohl der Effekt von Entspannungsverfahren auf die Colitis noch nicht endgültig geklärt ist, machen diese zumindest für das allgemeine Wohlbefinden auf jeden Fall Sinn. (33) Auch in diversen wissenschaftlichen Kommentaren werden immer wieder die Anwendung von autogenem Training, progressiver Muskelentspannung oder Yoga empfohlen.(34)

5. Sonstige Naturheilverfahren

Darmsanierung

Die Darmflora spielt für die Gesundheit des Darmes eine herausragende Rolle. Eine Therapie mit Darmbakterien hat sich in verschiedenen Studien als Vorteilhaft erwiesen. Die Wirksamkeit von E. coli Nissle (zum Beispiel mit Mutaflor®) in einer Dosierung von zweimal 100 mg täglich wurde in der Remissionserhaltung bei Patienten mit Colitis ulcerosa in drei kontrollierten Studien belegt, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). (35). Das Präparat, das E.coli Nissle enthält, kann bei Colitis ulcerosa-Patienten in der Remission auch auf Kassenrezept verordnet werden, wenn die übliche Therapie mit Aminosalicylaten nicht vertragen wird.

Weihrauch

Weihrauch-Präparate (Boswellia serrata) bieten ebenfalls guten Grund für Hoffnungen. Weihrauch hat in verschiedenen Studien schon seine hervorragenden anti-entzündlichen Wirkungen bewiesen. (36) Die Wirkung wurde sogar mit der Stärke von Cortisonpräparaten gelichgesetzt, bei deutlich weniger Nebenwirkungen (37).

Auch bei Colitis ulcerosa wurde seine Wirkung nachgewiesen. In einer Studie mit 30 Teilnehmern mit Colitis ulcerosa erhielten 20 Teilnehmer ein Weihrauchpräparat (3×300 mg am Tag über 6 Wochen). Die 10 anderen erhielten das Standardmedikament Sulfasalazin (3×1 mg am Tag über 6 Wochen) Am Ende der Studie wurde die weihrauchbasierte Therapie als sehr effektiv beurteilt, da 18 von 20 Teilnehmern (90%) eine Verbesserung der Symptomatik hatten. Und das bei nur minimalen Nebenwirkungen. In der Gruppe mit dem Standardmedikament hatten nur 60 % der Teilnehmer ähnliche Verbesserungen.(38)

6. Was Sie selbst gegen Colitis ulcerosa tun können – Empfehlungen zusammengefasst

Essen und Trinken

  • Trinken Sie genügend Wasser. Mindestens 2 Liter am Tag sollten es sein.
  • Essen Sie gesund, leicht und abwechslungsreich.
  • Meiden Sie künstliche Zusätze in Speisen und Getränken.
  • Verwenden Sie oft pflanzliche Öle in der Küche (z.B. Lein-, Walnuss- und Rapsöl)

Bewegung und Entspannung

  • Regelmäßiger Sport kann helfen, Stress abzubauen und das Immunsystem zu stabilisieren.
  • Wenn Sie sich angespannt fühlen, versuchen Sie sich bewusst du entspannen (z.B mit einem erlernten Entspannungsverfahren wie Yoga oder autogenes Training).
  • Gehen Sie rechtzeitig ins Bett und schlafen Sie genügend um Erholung und Regeneration zu fördern.

Mikronährstoffe

  • Nehmen Sie täglich einen biologischen Mikronährstoffkomplex um die optimale Zellversorgung mit allen Mikronährstoffen sicher zu stellen.
  • Am besten nehmen Sie ein Produkt in flüssiger Form und hergestellt aus natürlichen Lebensmitteln, da nur dadurch die Versorgung mit den so wichtigen sekundären Pflanzenstoffen gewährleistet ist und eine optimale Aufnahme im Organismus gesichert ist.
  • Nehmen Sie täglich einen biologischen Mikronährstoffkomplex um die optimale Zellversorgung mit allen Mikronährstoffen sicher zu stellen.

Lebensweise

  • Nehmen Sie mindestens einmal an einer strukturierten Patientenschulung teil, um Unterstützung und Tipps im Umgang mit der Krankheit zu bekommen
  • Nutzen Sie die entsprechenden Angebote von Krankenkassen, Volkshochschulen und spezialisierten Kliniken.
  • Häufig spielt die Psyche bei dieser Erkrankung eine größere Rolle als man denkt. Da eine Therapie alleine oft nicht ausreicht, eignet sich eine Kombination verschiedener Behandlungsansätze um dauerhaften Erfolg zu erzielen

Naturheilverfahren

  • Helfen Sie Ihrem Immunsystem – das ganze Jahr über. Gehen Sie regelmäßig, am besten einmal wöchentlich in die Sauna, auch im Sommer.
  • Um Entzündungen entgegenzuwirken eignen sich natürliche Mittel wie Flohsamen, Weihrauch und Myrre.

Weitergehende Informationen und Bücher zum Thema

Sehr viele nützliche Informationen finden Sie auf der Seite der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. (DCCV). Erklärungen, rechtliche Fragen und viele Tipps und Neuigkeiten finden sie dort.

Natürliche Gesundheit bei Morbus Crohn / Colitis ulcerosa: und anderen chronischen Darm- und Autoimmunerkrankungen Andreas Ulmicher Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (27. September 2005) Preis: 15,90 € ISBN-10: 3833435313

Stress-Intelligenz. Stress besser meistern, Lebensenergie gewinnenProf. Christoph Bamberger Verlag: Knaur 2009 Preis: 8,95 ISBN: 978-3-426-78478-5

(1) Steck N. et al.: Enterococcus faecalis Metalloprotease Compromises Epithelial Barrier and Contributes to Intestinal Inflammation. Gastroenterology 2011(3): S. 959-971
(2) Fessler B.: Antibiotika bei CED in der Diskussion. CME 2011(12): S. 48
(3) Spehlmann M.E. wt al.: Risk factors in German twins with inflammatory bowel disease: Results of a questionnaire-based survey. J Crohns Colitis. 2012(1): S. 29-42
(4) Mahid S.S. et al.: Active and passive smoking in childhood is related to the development of inflammatory bowel disease. Inflamm Bowel Dis. 2007(4): S. 431-438
(5) Forsyth C.B. et al.: Role of snail activation in alcohol-induced iNOS-mediated disruption of intestinal epithelial cell permeability. Alcohol Clin Exp Res. 2011(9): S. 1635-1643
(6) Stiefelhagen P.: Warum der Crohn keinen Kaffee-Weißer mag. CME 2011(9): S. 22
(7) Powell J.J. et al.: Immune potentiation of ultrafine dietary particles in normal subjects and patients with inflammatory bowel disease. J Autoimmun. 2000(1): S. 99-105
(8) Simopoulos A.P., Salem N. Jr.: n-3 fatty acids in eggs from range-fed Greek chickens. N Engl J Med. 1989(20): S. 1412
(9) Dietary and other risk factors of ulcerative colitis. A case-control study in Japan. Epidemiology Group of the Research Committee of Inflammatory Bowel Disease in Japan. J Clin Gastroenterol. 1994(19): S. 166-171.
(10) Epstein J. et al.: Curcumin suppresses p38 mitogen-activated protein kinase activation, reduces IL-1beta and matrix metalloproteinase-3 and enhances IL-10 in the mucosa of children and adults with inflammatory bowel disease. Br J Nutr. 2010(6):824-32
(11) García-Manzanares Vázquez de Agredos A. et al: Soporte nutricional en la enfermedad inflamatoria intestinal. In:D Bellido, Luis D De.,editors.Manual de Nutrición y Metabolismo. Díaz de Santos: Madrid; 2006: S. 333-348.
(12) Hartman C. et al.: Nutritional status and nutritional therapy in inflammatory bowel diseases. World J Gastroenterol. 2009(21): S. 2570–2578
(13) Valentini L. et al.: Malnutrition and impaired muscle strength in patients with Crohn ’s disease and ulcerative colitis in remission. Nutrition. 2008(7-8): S. 694-702
(14) Gassull M.A., Cabré E.: Nutrition in inflammatory bowel disease. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2001(4): S. 561-569
(15) Jahnsen J. et al.: Bone mineral density in patients with inflammatory bowel disease: a population-based prospective two-year follow-up study. Scand J Gastroenterol. 2004(39): S. 145-153
(16) Kuwabara A. et al.: High prevalence of vitamin K and D deficiency and decreased BMD in inflammatory bowel disease. Osteoporos Int. 2009(6): S. 935-942
(17) Brot C. et al.: Vitamin D status and its adequacy in healthy Danish perimenopausal women: relationships to dietary intake, sun exposure and serum parathyroid hormone. Br J Nutr. 2001(86): S. S97–S103
(18) Lagishetty V. et al.: Vitamin D deficiency in mice impairs colonic antibacterial activity and predisposes to colitis. Endocrinology. 2010(6): S. 2423-2432
(19) Iwaya H. et al.: Marginal zinc deficiency exacerbates experimental colitis induced by dextran sulfate sodium in rats. J Nutr. 2011(6): S. 1077-1082
(20) Reimund J.M. et al.: Immune activation and nutritional status in adult Crohn ’s disease patients. Dig Liver Dis. 2005(37): S. 424-431.
(21) Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
(22) Scrimgeour A.G., Condlin M.L.: Zinc and micronutrient combinations to combat gastrointestinal inflammation. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009(6): S. 653-660
(23) Grimble R.F., Tappia P.S.: Modulation of pro-inflammatory cytokine biology by unsaturated fatty acids. Z Ernahrungswiss. 1998(37; Suppl 1): S. 57-65
(24) Raatz S.K. et al.: Enhanced absorption of n-3 fatty acids from emulsified compared with encapsulated fish oil. J Am Diet Assoc. 2009(6): S. 1076-1081
(25) Biasi F. et al.: Polyphenol Supplementation as a Complementary Medicinal Approach to Treating Inflammatory Bowel Disease. Curr Med Chem. 2011 Sep 15. [Epub ahead of print]
(26) Stremmel W. et al.: Phosphatidylcholine (lecithin) and the mucus layer: Evidence of therapeutic efficacy in ulcerative colitis? Dig Dis. 2010(3): S. 490-496
(27) Danese C. et al.: Cardiac involvement in inflammatory bowel disease: role of acylcarnitine esters. Clin Ter. 2011(4): S. e105-e109
(28) Fortin G. et al.: L-carnitine, a diet component and organic cation transporter OCTN ligand, displays immunosuppressive properties and abrogates intestinal inflammation. Clin Exp Immunol. 2009(1): S. 161-171
(29) Ball E.: Exercise guidelines for patients with inflammatory bowel disease. Gastroenterol Nurs. 1998(3): S. 108-111
(30) Meller M.: Schadet Bewegung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Bauchredner 3/2002
(31) Peters H.P. et al.: Potential benefits and hazards of physical activity and exercise on the gastrointestinal tract. Gut. 2001(3): S. 435-439
(32) Tanaka M., Kazuma K.: Ulcerative colitis: Factors affecting difficulties of life and psychological well being of patients in remission. J Clin Nurs. 2005(14): S. 65–67
(33) DiLorenzo T.M. et al.: Long-term effects of aerobic exercise on psychological outcomes. Prev Med. 1999(1): S. 75-85
(34) Michel H, Blanc P.: Stress and the digestive system. Encephale. 1993 (19; Spec No 1): S. 157-161
(35) Hoffmann J.C., Schwandner O., Bruch H.P.: Ulcerative colitis. Fulminant disease. Z Gastroenterol. 2004(9): S. 1002-1006
(36) Ke F. et al.: Herbal medicine in the treatment of ulcerative colitis. Saudi J Gastroenterol. 2012(1): S. 3-10
(37) Dahmen U. et al.: Boswellic acid, a potent antiinflammatory drug, inhibits rejection to the same extent as high dose steroids. Transplant Proc 2001(33): S. 539-541
(38) Gupta I. et al.: Effects of gum resin of Boswellia serrata in patients with chronic colitis. Planta Med. 2001(5): S. 391-395

Teilen: