Menschen, die unter Fibromyalgie leiden, sind oft lange auf der Suche nach einem Therapeuten oder Arzt, der ihnen helfen kann. Die meisten Fibromyalgie Betroffenen haben schon eine Vielzahl von Therapien hinter sich. Die Fibromyalgie, die häufig auch als „Weichteilrheuma“ bezeichnet wird, ist eine Erkrankung mit erniedrigter Schmerzschwelle und zahlreichen schmerzhaften Druckpunkten (Tenderpoints). Bis zu 4 % der Deutschen sind davon betroffen, der überwiegende Teil davon (ca. 90 %) sind Frauen. Da die Ursachen der Erkrankung wissenschaftlich noch nicht ausreichend erforscht sind, gibt es auch kaum vernünftige schulmedizinische Therapieansätze. Hier zeigt sich die Stärke der naturheilkundlich basierten Erfahrungsmedizin. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche alternativen Verfahren sich gegen die Fibromyalgie und die damit einhergehenden Schmerzen und Beschwerden als besonders erfolgsversprechend herausgestellt haben.



1. Ursachen der Fibromyalgie

Um diese erfolgreichen Therapien zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die drei bisher wissenschaftlich belegten Grundursachen der Fibromyalgie:

  • Eine erhöhte Belastung durch emotionalen Stress(1)
  • Deutlich erhöhter oxidativer Stress, also ein Überschuss an freien Radikalen(2)
  • Die Beschädigung der energieproduzierenden Prozesse (mitochondriale Dysfunktion)(3)

Erfahrungsgemäß sind bei der Entstehung der Fibromyalgie alle drei Faktoren beteiligt, jedoch von Mensch zu Mensch in unterschiedlicher Gewichtung. Unbestritten ist, dass diese Grundursachen sehr eng zusammenhängen. So führt ein erhöhter psychischer Stresslevel in der Regel auch zu einer erhöhten Belastung mit freien Radikalen (= oxidativer Stress). Beides zusammen kann am Ende zur Funktionsstörung der Zellkraftwerke (= Mitochondrien) und zu einer mitochondrialen Dysfunktion führen.

Den besten Ansatz für eine grundlegende Verbesserung der Fibromyalgie bietet die Ernährungs- und Mikronährstofftherapie, da sie bei allen drei genannten Ursachen wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

2. Ernährungstipps bei Fibromyalgie

Ganz wichtig ist die Umstellung auf eine überwiegend basische Kost (v.a. Obst, Gemüse, Kräuter). Ein Säureüberschuss (durch zu viel Fleisch und Milchprodukte) führt sehr rasch zu einer erhöhten Empfindlichkeit für Schmerzen und gleichzeitig auch zu einem starken Mehrverbrauch an wichtigen Mikronährstoffen.

Essen Sie außerdem mindestens 2-mal in der Woche Fisch und verwenden Sie möglichst oft hochwertige pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren mindert die Entzündungsneigung des Körpers und wirkt sich gleichzeitig positiv auf den gesamten Stoffwechsel aus.

Frische Kräuter helfen aufgrund ihres hohen Gehalts an Spurenelementen bei der Ausscheidung von überflüssigen Säuren. Kochen Sie möglichst viel selber und verwenden Sie dazu nur frische Zutaten. Nur so wissen Sie sicher, was am Ende auf Ihrem Teller landet. Vermeiden Sie deshalb Fastfood, Imbisse und Fertigprodukte.

Essen Sie insgesamt weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger Nudeln und Reis. Zu viele dieser Sattmacher fördern Entzündungen genauso wie Übergewicht und Übersäuerung.

3. Mikronährstofftherapie

Die Einnahme zusätzlicher Mikronährstoffe ist schon aufgrund des deutlich erhöhten oxidativen Stresses bei Fibromyalgie-Betroffenen dringend anzuraten.(4)

Natürliche Antioxidantien schützen Ihre Zellen, verhindern eine Überaktivität des Immunsystems und schützen zudem die Zellkraftwerke (Mitochondrien), so dass deren Funktion erhalten bleibt.(5) Im Übrigen brauchen unsere Kraftwerke unter anderem auch noch Magnesium, Coenzym Q10 und L-Carnitin, um reibungslos arbeiten zu können.(6)

Natürliche Mikronährstoffe besitzen noch zahlreiche andere positive Effekte bei Fibromyalgie, z. B. in der Stressverarbeitung. Man weiß heute beispielsweise, dass die vermehrte Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol den Stoffwechsel verändert und den Bedarf an Mikronährstoffen deutlich erhöht.(7) Die Einnahme von natürlichen Mikronährstoffen kann nachweislich die Stress-Toleranz verbessern sowie stressbedingte körperliche Schäden verringern.(8)

Es wurde weiterhin gezeigt, dass die Einnahme von natürlichen Mikronährstoffen, Spurenelementen und Omega-3-Fettsäuren zu einer Verringerung der Anzahl der Triggerpunkte und anderer Symptome führt und dass die Schmerzen in der Muskulatur und den Triggerpunkten nachlassen.(9)

In der modernen Mikronährstofftherapie bevorzugt man heute als Basistherapie bei Fibromyalgie eine physiologisch dosierte, natürliche Mikronährstoffmischung. Diese ist einzelnen Stoffen prinzipiell überlegen ebenso wie den im Labor hergestellten künstlichen Vitaminmischungen. Neben der besseren Bioverfügbarkeit und stärkeren Synergieeffekten, machen vor allem sekundäre Pflanzenstoffe den Unterschied.

4. Veränderungen im Lebensstil

Im Kampf gegen Fibromyalgie spielt jedoch nicht nur die Ernährung eine Rolle, auch der allgemeine Lebenswandel steht im Vordergrund.

Entspannung

Besonders wichtig: die Stressbewältigung. Dazu gehören die Entspannungsverfahren des autogenen Trainings und vor allem die progressive Muskelentspannung nach Jacobson.(10) Gute Alternativen sind auch Feldenkrais, Yoga, Tai Chi oder Chi Gong.

Überlastung vermeiden

Gestalten Sie Ihren Tagesablauf so, dass eine körperliche oder emotionale Überbeanspruchung vermieden oder zumindest vermindert wird. Gönnen Sie sich jeden Tag etwas Zeit, um sich zu entspannen. Das könnte auch bedeuten, dass Sie lernen, „nein“ zu sagen, ohne Schuldgefühle dabei zu haben. Aber verändern Sie nicht völlig Ihre Routine, führen Sie Ihr Leben weiter aktiv. Es ist nicht zielführend, auf die Arbeit zu verzichten oder seine Freizeitbeschäftigungen einzustellen.

Sport & Bewegung

Ganz wichtig ist auch die regelmäßige körperliche Bewegung. Bewegung kann zunächst den Schmerz verstärken. Lassen Sie sich in dem Falle nicht entmutigen, regelmäßiges Training bessert oft die Symptome. Es eignen sich Spazierengehen, Walken, Schwimmen, Radfahren und Aquajogging. Auch in den neuen Leitlinien zur Therapie der Fibromyalgie von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gehört das regelmäßige, leichte Ausdauertraining zur allgemein empfohlenen Therapie.

Setzen Sie sich mindestens 20-30 Minuten körperliches Training viermal wöchentlich zum Ziel. Dehnübungen und eine gute Körperhaltung sind auch von Nutzen. Yoga eignet sich hierfür besonders. Halten Sie ein gleichmäßiges Niveau an Bewegung und Aktivität aufrecht.

Wichtig bei Fibromyalgie: Die positiven Effekte des Sports sind mit einer guten Mikronährstoffversorgung deutlich zu erhöhen, da diese Stoffe direkt am Energiestoffwechsel sowie am Muskelaufbau beteiligt sind.

5. Sonstige Naturheilverfahren

Akupunktur

Mediziner der angesehenen Mayo-Klinik in Rochester/ USA haben den wissenschaftlichen Beweis erbracht, dass Akupunktur bei Patienten mit Fibromyalgie für gute Therapieerfolge sorgt.

Die Forscher akupunktierten 25 Patienten nach den Richtlinien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Bei einer gleich großen Kontrollgruppe wurden ebenfalls Nadeln gesetzt, allerdings an Stellen, die nicht zu den klassischen Akupunkturpunkten der TCM zählen. Die Behandlung umfasste insgesamt 6 Sitzungen in einem Zeitraum von 2 bis 3 Wochen.

Vor, während und nach der Therapieserie sollten die Patienten – die nicht wussten, zu welcher Gruppe sie gehörten – die Schwere ihrer Symptome auf einer Skala bewerten. In der Kontrollgruppe wurde die Schwere mit 42 Punkten bewertet, in der Akupunkturgruppe dagegen nur mit 34.

Die Beschwerden waren also durch die Akupunktur an den richtigen Punkten deutlich zurückgegangen. Die Patienten berichteten, dass sich neben den Muskelschmerzen ganz besonders die Müdigkeit und die Ängstlichkeit gebessert hätten.(11)

Physiotherapie-Maßnahmen

  • Wärmeanwendungen: z. B. Bäder mit Molke- oder Heublumenzusätzen, Moorpackungen, Rotlicht
  • Kälteanwendungen: z. B. Eispackungen und kalte Güsse (nur bei akuten Schmerzen!)
  • Elektrotherapie: z. B. mit Transkutaner elektrischer Nervenstimulation (TENS) und Reizstrom
  • Massage: z. B. Tuina (aus der Traditionellen Chinesischen Medizin), therapeutisches Berühren (Therapeutic Touching) und klassische Bindegewebsmassage
  • Manuelle Lymphdrainage: möglichst mit einer innerlichen Entsäuerungs- und Entgiftungstherapie

6. Was Sie selbst tun können – Empfehlungen zusammengefasst

Mikronährstoffe

  • Seien Sie sich bewusst, wie wichtig ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt ist. Verwenden Sie zu Ihrer Basisversorgung täglich ein natürliches Mikronährstoffkonzentrat, das auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10, L-Carnitin und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
Tipp: Mikronährstoffpräparate in Saftform kann der Körper deutlich besser und physiologischer verwerten als Pillen oder Pulver.

Bewegung und Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich, Spaziergänge, Sport, Gymnastik. Gehen Sie jeden Tag vor die Tür und bewegen Sie sich möglichst viel an der frischen Luft.
  • Schlafen Sie genügend, um erfrischt aufzustehen.
  • Wenn Sie sich angespannt fühlen, versuchen Sie sich bewusst zu entspannen. (z. B. mit Muskelentspannung nach Jacobson, Feldenkrais, Yoga, Tai Chi, Chi Gong).

Lebenseinstellung

  • Akzeptieren Sie Ihre Grenzen und die der Anderen. Lernen Sie, auch mal „nein“ zu sagen. Wenn Sie an Ihre Grenzen gelangen, setzen Sie sich Prioritäten, machen Sie sich einen schriftlichen Plan, um Ihre Zeit optimal zu nutzen und für sich auch Erholungszeit einzuplanen.
  • Verschwenden Sie Ihre Energie nicht mit Dingen oder Vorhaben, auf die Sie erfahrungsgemäß keinen Einfluss haben.
  • Gestalten Sie Ihre Arbeitszeit und Ihre Freizeit aktiv.

Einfache Naturheilverfahren

  • Qualifizierte Akupunktur verbessert nachweislich die Symptome.
  • Positiv wirken auch verschiedene phyisotherapeutische Maßnahmen (z. B. Kälteanwendungen, Elektrotherapie, Massagen, therapeutisches Berühren, manuelle Lymphdrainage)
  • Nehmen Sie sich einmal in der Woche Zeit für ein ausführliches Entsäuerungsbad. Es sollte mindestens 40 Minuten dauern.
  • Gehen Sie das ganze Jahr über einmal pro Woche in die Sauna. Genießen Sie dabei die Entspannung und sorgen Sie durch den gezielten Wechsel von kalten und warmen Reizen selbst für weniger Symptome.

Interessante Bücher zum Thema

Die 100 wichtigsten Fragen: FibromyalgieThomas Weiss, Südwest-Verlag (2001), ISBN: 3-51706-444-0

FibromyalgieGU Ratgeber Gesundheit Siegbert Tempelhof, Gräfe & Unzer, 2004, Preis: 17,90 Euro, ISBN: 3-77426-284-5

Stress-IntelligenzStress besser meistern, Lebensenergie gewinnen Prof. Christoph Bamberger, Knaur 2009, ISBN: 978-3-426-78478-5

Quellenangaben:

(1) Van Houdenhove B. et al.: Daily hassles reported by chronic fatigue syndrome and fibromyalgia patients in tertiary care: a controlled quantitative and qualitative study. Psychother Psychosom. 2002 (4): S. 207-213
(2) Ozgocmen C. et al.: Antioxidant status, lipid peroxidation and nitric oxide in fibromyalgia: etiologic and therapeutic concerns. Rheumatol Int. 2006 (7): S. 598-603
(3) Neustadt J, Pieczenik S.R.: Medication-induced mitochondrial damage and disease. Mol Nutr Food Res. 2008 (7): S. 780-788
(4) Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
(5) Singh A. et al.: Effect of natural and synthetic antioxidants in a mouse model of chronic fatigue syndrome. J Med Food. 2002 (4): S. 211-220
(6) Nicolson G.L. et al.: Reversing mitochondrial dysfunction, fatigue and the adverse effects of chemotherapy of metastatic disease by molecular replacement therapy.Diagnose, Clin Exp Metastasis. 2008 (2): S. 161-169
(7) Ghosh A.K., Joshi S.R.: Disorders of calcium, phosphorus and magnesium metabolism. J Assoc Physicians India. 2008 (56): S. 613-621
(8) Schlebusch L. et al.: The effects of an oral multivitamin mineral combination on stress. S Afr Med J. 2000 (12): S. 1216-1223
(9) Sendur O.F. et al.: Serum antioxidants and nitric oxide levels in fibromyalgia: a controlled study. Therapie Rheumatol Int. 2008 Oct 14.
(10) Grossman P., Tiefenthaler U.: BUDDHIST PSYCHOLOGY’S POTENTIAL CONTRIBUTION TO PSYCHOSOMATIC MEDICINE: EVIDENCE FROM A MINDFULNESS PROGRAM FOR FIBROMYALGIA, J Psychosom Med 2002
(11) Martin P. et al.: Improvement in Fibromyalgia Symptoms with Acupuncture: Results of a Randomized Controlled Trial. Mayo Clin Proc. 2006 81(6): S. 749-757

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