Gicht ist eine klassische Zivilisationserkrankung. Dabei bildet sich aus dem Essen Harnsäure, die sich beim Überschreiten eines individuellen Grenzwertes aus dem Blut in einem oder mehreren Gelenken festsetzt und dort schmerzhaft Entzündungen auslöst. Vor allem Männer zwischen 40 und 60 Jahren sind betroffen, aber auch Frauen nach den Wechseljahren. Die erhöhten Harnsäurewerte belasten aber vor allem auch die Nieren. Die Schädigung der Nieren geschieht schmerzlos, ist aber ein weitaus größeres Problem als die schmerzhaften Gichtattacken an den Gelenken. Bei fehlender oder falscher Behandlung kann die Gicht daher im schlimmsten Fall zum Nierenversagen und damit zur Dialyse führen.

Harnsäure bildet unser Körper aus sogenannten Purinen. Sie sind Bestandteile vor allem von tierischen Lebensmitteln. Purine werden zwar in kleinen Mengen auch von unserem Körper gebildet, problematisch sind aber die großen Mengen, die wir durch unser „täglich Brot“ aufnehmen. Bei gesunden Menschen filtern die Nieren die überschüssige Harnsäure aus dem Blut und scheiden sie über den Urin aus. Gichtkranke produzieren aber mehr Harnsäure als sie ausscheiden können. Es entsteht eine sogenannte Hyperurikämie – ein Harnsäureüberschuss.

Die überschüssige Harnsäure setzt sich in Form von spitzen, nadelförmigen Kristallen in Schleimbeutel, Sehnen, vor allem aber in Gelenken ab. Das gereizte Gewebe reagiert mit einer heftigen Entzündung. Eine starke Schwellung, Rötung und extreme Schmerzen – auch Berührungsschmerzen – sind die typischen Symptome. Am häufigsten betroffen davon ist das Grundgelenk der großen Zehen. Aber auch andere Gelenke im Fuß und Bein oder in der Hand sind gefährdet.

1. Die richtige Ernährung ist die Basis

Basis einer erfolgreichen Gicht-Therapie ist eine konsequente Ernährungsumstellung. In der Regel können Betroffene die Gicht sehr gut in Schach halten, indem sie purinreiche Nahrungsmittel meiden und insgesamt auf eine gesunde und basenreiche Ernährung achten. Zu den purinreichen Lebensmitteln zählen vor allem Fleisch, Wurst und Fisch. Purinarm und damit zu empfehlen sind dagegen fast alle Obst- und Gemüsesorten sowie Milchprodukte und Eier. Am erfolgreichsten ist die Harnsäuresenkung neuesten Studien nach, wenn gleichzeitig mit den Purinen auch der Kohlenhydratanteil der Ernährung gesenkt wird.

Daneben sollten übergewichtige Patienten auf jeden Fall versuchen, ihr Normalgewicht zu erreichen oder zumindest Gewicht zu verlieren. Allein das bewirkt nämlich nachweislich schon eine Reduzierung der Harnsäurekonzentration im Blut. Übergewicht erhöht dagegen das Risiko für weitere Gichtanfälle enorm.

Gegen Gicht und Übergewicht sollten Sie vor allem auch auf Ihre Getränkeauswahl achten. Getränke sind häufig große Kalorienquellen und speziell alkoholische Getränke fördern auch die Gicht, da die Carbonsäuren des Alkohols mit der Harnsäure im Ausscheidungsmechanismus der Nieren konkurrieren. Zudem liefert Bier durch die noch enthaltenen Hefereste zusätzlich harnsäurebildende Purine.

2. Mit Antioxidantien Gicht lindern

Die vermehrte Bildung von freien Radikalen (oxidativer Stress) und ein ungenügender Antioxidantienstatus sind ebenso wichtige krankheitsrelevante Faktoren bei der Entstehung von Gichtanfällen. Vor allem während der Entzündungsschübe spielen die natürlichen Antioxidantien eine wesentliche Rolle bei der fortschreitenden Zerstörung der Gelenke und Knorpel. Ein Mangel an Radikalfängern kann wiederum der Entzündung Vorschub leisten und das Abklingen des Gichtanfalles verzögern. Auf diese wertvollen Nahrungsbestandteile sollten Sie daher besonders achten:

Vitamin C: Mehrere Studien haben gezeigt, dass zwischen der täglichen Vitamin-C-Zufuhr und dem Gichtrisiko ein eindeutiger Zusammenhang besteht. Gleichzeitig ist Vitamin C ein starkes Antioxidans und kann die Schwere der Entzündung und damit die Schmerzen lindern.

Vitamin E: Vitamin E ist ebenfalls stark antioxidativ und kann Entzündungen und Schmerzen im Körper reduzieren. Ideal wirkt Vitamin E wenn es zusammen mit Vitamin C aufgenommen wird.

Omega-3-Fettsäuren: Auch Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften. Leider überwiegen in der modernen Ernährung die entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren bei weitem. Diese kommen vor allem in Fleisch und Wurst vor und verhindern die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren wirken sich außerdem positiv auf andere Zivilisationserkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauferkrankungen aus, welche häufig mit der Gicht zusammen auftreten.

Mindestens fünf, besser sieben Portionen Obst und Gemüse zusammen mit hochwertigen, kaltgepressten Pflanzenölen sollten Sie täglich zu sich nehmen, um mit Vitamin C, E und den wertvollen Omega-3-Fettsäuren, aber auch allen anderen Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend versorgt zu sein.

Sollten Sie Bedenken haben, die empfohlene tägliche Menge an Obst und Gemüse nicht essen zu können, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsvorsorge (DGG) eine natürliche Breitbandergänzung, um jederzeit den Bedarf an allen Vitalstoffen – auch in belastenden Situationen (Schmerzen, Medikamenteneinnahme, Stress) – decken zu können. Nur so können Sie dauerhaft Ihren Krankheitsverlauf verbessern und Ihre Schmerzen lindern.

Abstand nehmen sollten Sie allerdings unbedingt von einzelnen hochdosierten Vitaminen oder Mineralstoffen, die als Pillen oder Brausetabletten angeboten werden. Sie sind bestenfalls wirkungslos, können aber auch oft gesundheitliche Gefahren mit sich bringen.

3. Das können Sie selbst tun:

Ernährung
  • Reduzieren Sie purinreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch und Krustentiere deutlich.
  • Vermeiden Sie Crash-Diäten und extremes Hungern, da hier die Harnsäurewerte stark ansteigen können.
  • Trinken Sie mindestens 2 Liter Wasser pro Tag. Dazu noch 2-3 Tassen grüner Hafertee, das senkt den Harnsäurespiegel nachhaltig.
  • Verwenden Sie in der kalten Küche nur Öle, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, z.B. Rapsöl oder Leinöl.
Bewegung und Lebensweise
  • Regelmäßige Bewegung reduziert die Harnsäurekonzentration, regt den Stoffwechsel an und hilft beim Abnehmen. Täglich 20 Minuten Spazierengehen und 2x in der Woche schwitzen beim Sport sollte es schon sein. Aber Achtung, je mehr Sie sich bewegen, umso mehr müssen sie auch auf Ihren Vitalstoffhaushalt achten.
  • Versuchen Sie Ihr Normalgewicht zu erreichen bzw. zu halten.
  • Vermeiden Sie auf jeden Fall Alkohol, denn er erschwert die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.


Literaturverzeichnis

– Burgenstein: Handbuch Nährstoffe. TRIAS 2007: S. 462-465
– DGE, Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Die Nährstoffe. DGE 3. Auflage, 2011
– Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
– Raatz S.K. et al.: Enhanced absorption of n-3 fatty acids from emulsified compared with encapsulated fish oil. J Am Diet Assoc. 2009(6): S. 1076-1081
– Goldberg RJ, Katz J. A meta-analysis of the analgesic effects of omega-3-polyunsaturated fatty acid supplementation for inflammatory joint pain. Pain 2007; 129; 210-223

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