Die Mukoviszidose (auch Cystische Fibrose, CF genannt) ist die zweithäufigste angeborene Stoffwechselerkrankung. Die Symoptome von Mukoviszidose sind charakterisiert durch eine Fehlfunktion der Drüsen, die weniger Wasser ausscheiden und durch nur dickflüssige Sekrete und zähen Schleim produzieren können. Betroffen davon sind die Bronchien sowie die Sekrete der Bauchspeicheldrüse, der Leber (Galle), Hoden, Brustdrüsen und des Dünndarms. Dadurch kommt es in den betroffenen Organen zu Funktionsstörungen unterschiedlicher Art (z.B. chronische Verstopfung, Verdauungsstörungen, Diabetes, Lungeninfektionen, Unfruchtbarkeit). Betroffene leiden oftmals stark unter der Krankheit und suchen nach effektiven Therapien und/oder unterstützenden Maßnahmen gegen die unheilbare Erbkrankheit vorzugehen.

Erfahren Sie im Folgenden alles über alternative und natürliche Therapie- und Behandlungsmethoden sowie über einfache Hausmittel und Veränderungen im Lebensstil, welche von Mukoviszidose betroffenen Menschen dabei hilft die Symptome zu lindern um gesünder und beschwerdefreier zu leben.



Rund 8000 Menschen leben in Deutschland mit dieser bisher unheilbaren Erbkrankheit. Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt. Die Diagnose durch einen speziellen Schweißtest gestellt, bei dem der Chloridgehalt des Schweißes gemessen wird. Sollte bei neugeborenen Kindern oder Säuglingen die Haut salzig schmecken oder sollten sich gar Salzkrusten bilden, ist der Test angezeigt.

Dank Krankengymnastik, Inhalationen und Medikamenten, insbesondere durch ständig verbesserte Verdauungsenzyme und Antibiotika, die in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind, hat sich die Lebenszeitprognose der betroffenen Menschen in den letzten Jahren erheblich verbessert. Die Lebenserwartung für Menschen mit Mukoviszidose liegt heute bei etwa 35 Jahren. Die Behandlung wirkt jedoch nicht ursächlich heilend, sondern nur symptomatisch.

Hier gibt es in der naturheilkundlich basierten Erfahrungsmedizin einige interessante und sehr erfolgreiche Therapieansätze gegen die Symptome der Erkrankung.

1. Ursachen für Mukoviszidose

Durch Mutationen am Gen 7 wird das Protein CFTR verändert, das dann keine Kanalfunktion mehr hat und der Austausch von zellsalzen und Wasser wird vermindert. Da Mukoviszidose autosomal-rezessiv vererbt wird, tritt die Krankheit nur dann auf, wenn von beiden Elternteilen je ein mutiertes Gen vererbt wird. Interessant ist, dass Träger der Mukoviszidose-Veranlagung besser vor Tuberkulose geschützt sind als gesunde Menschen.

Probleme bereiten vor allem die Folgen der zähen Sekrete. So bilden sich in der Lunge oft Entzündungen, Infekte und als Folge davon kommt es später meist zu einer eingeschränkten Leistung der Lunge. Im Verdauungstrakt kommt es zu Verstopfung und aufgrund der verminderten Produktion von Gallen- und Bauchspeicheldrüsensekret zu Störungen bei der Verdauung und der Nährstoffaufnahme. Die Folge davon ist eine chronische Mangelernährung bei den meisten Patienten mit Mukoviszidose. Vor allem fehlen Omega-3-Fettsäuren und fettlösliche Vitamine, aber auch natürliche Antioxidantien.(1) Diese Fehlernährung ist wiederum die Ursache für zahlreiche Folgeerkrankungen wie ein geschwächtes Immunsystem, Osteoporose und Wachstumsstörungen. Für die Patienten gibt es zahlreiche vielversprechende Möglichkeiten, etwas für ihre Gesundheit zu tun.

2. Ernährungstipps – Fundament für Linderung von Fibrose

Die Ernährungstherapie spielt bei der cystische Fibrose eine sehr große Rolle. Um Energiemängel auszugleichen, sollte die tägliche Energieaufnahme 30 Prozent über der Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die jeweilige Altersgruppe liegen. Des Weiteren wird für Fett ein Kalorienanteil von 35 bis 40 Prozent angeraten. Wünschenswert ist dabei ein hoher Anteil von ungesättigte Fettsäuren (wie kaltgepresstes Distel-, Lein- oder Walnußöl), da die darin enthaltenen Fettsäuren Vorstufen für die Fette des Zentralnervensystems sind. Bei einer Studie an der Klinik für Kinder in Cincinnati wurde das Ernährungsverhalten von 35 Kindern und Jugendlichen mit Mukoviszidose mit dem von 34 gesunden verglichen. (2)

Dabei fanden die Ärzte heraus, dass nur jedes 10. Kind mit Mukoviszidose die empfohlene Kalorienmenge zu sich nahm. Außerdem wurde etwa ¼ weniger Fett verzehrt als empfohlen. Da die Unterernährung selbstverständlich einen großen Einfluss auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Kinder hat, sind die Eltern hier aufgerufen, noch mehr Wert auf eine bewusste und gute Ernährung zu legen. Ein Kind mit Mukoviszidose benötigt spezielle Ernährungspläne und sollte bewusst an gesunde Ernährung herangeführt werden. Mindestens 2-mal in der Woche sollten Patienten (fetter) Fisch auf dem Speiseplan sehen und verwenden Sie möglichst oft pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wirkt sich bei Fibrose sehr positiv aus.

Verwenden Sie möglichst oft frische Kräuter bei der Zubereitung von Speisen. Ihr hoher Gehalt an Spurenelementen ist für die Funktion des Immunsystem und der Schleimhäute entscheidend. Aber auch zahlreiche Gewürze wie Pfeffer, Chili oder Ingwer sind gut für das Immunsystem und so ein hilfreiches Mittel im Kampf gegen die Erkrankung.

Achten Sie darauf insgesamt weniger Kohlenhydrate auf ihren Speiseplan zu setzen, um so Entzündungen vorzubeugen und gleich das Gleichgewicht der Säuren in Ihrem Körper im Gleichgewicht zu halten

Unterschätzen Sie nicht den Einfluss von Nahrung auf ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit. Ausgewogenes und bewusstes Essen in der Grundbaustein für eine erfolgreiche Mukoviszidose-Therapie.

3. Mikronährstofftherapie – Effektive und natürliche Behandlungsmethode

Zusätzliche Mikronährstoffe sind bei sind bei Mukoviszidose bzw. Fibrose seit längerem Standard. Dabei haben sich natürliche Mikronährstoffkombinationen deutlich besser bewährt als einzelne Mikronährstoffe. So hat eine Studie aus Amerika gezeigt, dass Vitamine aus Obst oder Gemüse zusammen mit den sekundären Pflanzenstoffen darin mehr als 200-mal stärker antioxidativ wirken als einzelne Vitamine. (3) Und gerade der antioxidative Status ist bei Patienten mit Mukoviszidose regelmäßig sehr schlecht. So konnten Wissenschaftler aus Argentinien kürzlich nachweisen, dass der im Vergleich zu Gesunden deutlich reduzierte Totale Antioxidantienstatus (TAS) für die Verschlechterung von Entzündungen und ein schwaches Immunsystem verantwortlich ist.(4)

Zusätzlich natürliche Antioxidantien sind auch für die Funktion der Schleimhäute wichtig. Eine ganz aktuelle Studie aus Südkorea legt nahe, dass eine verbesserte Versorgung mit natürlichen Antioxidantien das Grundproblem der Wasserausscheidung der Schleimhäute verbessert und damit die Sekrete flüssiger werden.(5)

Eine gute Mikronährstoffergänzung enthält aber nicht nur alle Vitamine und Spurenelemente, sondern auch Omega-3-Fettsäuren und Coenzym Q 10. Die beiden letztgenannten haben gerade bei Kindern einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Immunsystems.

So gelten heute Omega-3-Fettsäuren als wichtiger Bestandteil einer anti-entzündlichen Therapie bei Mukoviszidose. Es konnte gezeigt werden, dass eine regelmäßige zusätzliche Einnahme von niedrig-dosierten Omega-3-Fettsäuren die Lungenfunktion verbessert und auch wichtige Bestandteile des Immunsystems stabilisiert. Selbst die Anzahl der Antibiotika-Gaben konnte damit reduziert werden.(6)

Daneben wird schonlange die zusätzliche Gabe fettlöslicher Vitamine empfohlen, da durch die Verdauungsstörungen vor allem deren Aufnahme vermindert ist. In zahlreichen Studien wurden verminderte Vitamin-D- und Vitamin-K-Spiegel festgestellt – beides wichtige Bausteine für gesunde Knochen.(7)

Die Versorgung mit Vitamin D ist in der gesunden Bevölkerung schon problematisch und so verwundert es wenig, dass ein Mangel an Vitamin bei Mukoviszidose-Patienten weit verbreitet ist. (8) Das führt bei den Patienten zu weitreichen gesundheitlichen Problemen, angefangen bei Osteoporose, ein schwaches Immunsystem bis hin zu einer höheren Anfälligkeit für Diabetes.(9)

Zahlreiche weitere Mikronährstoffe haben bei der Behandlung von Fibrose wichtige Aufgaben. Hier sollen noch die sekundären Pflanzenstoffe erwähnt werden, die beispielsweise die Funktion der bei Mukoviszidose angeschlagenen Zellmembranen verbessern. Das wurde unter anderem in einer neuen amerikanischen Studie für das aus Zitrusfrüchten stammende Hesperidin nachgewiesen.(10) Andere Studien, wie die 2010 erschienene Arbeit der Universität Gdansk in Polen geben zu der Hoffnung Anlass, dass natürliche Mikronährstoffe bei Mukoviszidose sogar auf genetischer Ebene zu messbaren Verbesserungen führen.(11)

Heutzutage bevorzugt man in der modernen Mikronährstofftherapie als Basistherapie bei Mukoviszidose eine moderat dosierte Mikronährstoffmischung mit natürlichen Inhaltsstoffen. So können alle oben genannten Vorteile vereint werden. Nur so erfolgt eine optimale Versorgung der Zellen bis hin zur Genebene.

4. Veränderungen im Lebensstil

Neben der Ernährung und der Versorgung mit Mikronährstoffen kommt auch dem allgemeinen Lebensstil eine Bedeutung in der Therapie gegen das Fortschreiten der Mukoviszidose zu. Ganz wichtig ist dabei die regelmäßige körperliche Bewegung. Obwohl die körperliche Belastbarkeit bei den einzelnen Patienten sehr unterschiedlich ist, sind sich die Experten heute über die Wichtigkeit der regelmäßigen Bewegung einig. (12) Gezielte Bewegungsprogramme führen unter anderem zu einer verlangsamten Verschlechterung der Lungenfunktion und zu einem längeren, gesunden Leben der Betroffenen.(13)

Dabei sollten Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen im Vordergrund stehen. Es konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden, dass sowohl die Ausscheidung von Schleim als auch die Stärke und Ausdauer der Atemmuskulatur verbessert werden.(14)

Es muss darauf hingewiesen werden, dass durch den vermehrten Schleimtransport auch vermehrtes Husten auftreten kann. Zudem hängt die körperliche Leistungsfähigkeit natürlich sehr eng am Ernährungsstatus. Positive Effekte der sportlichen Betätigung sind daher nur bei einer guten Mikronährstoffversorgung zu erwarten.

Um die Sekrete möglichst flüssig zu halten, ist das reichliche Trinken von genügend Wasser sehr wichtig. Mindestens zwei Liter am Tag sollten es schon sein. Dazu kommen tägliche Atemübungen wie die „Autogenen Drainage“, die das Abhusten des Schleimes aus der Lunge erleichtert.

5. Weitere Naturheilverfahren gegen Fibrose

Physiotherapie

Bei der Physiotherapie stehen vor allem die Lockerung der Atemmuskulatur und die Einübung von schleimlösenden Praktiken im Vordergrund. Die Selbsthilfetechnik zum Reinigen der Atemwege, Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT), wird zur Mobilisierung und Entfernung des überschüssigen Bronchialsekrets verwendet. ACBT besteht aus den Komponenten entspanntes Atmen, tiefes Einatmen und forciertes Ausatmen. Das Regime wird flexibel an den Einzelnen angepasst. Diese Technik ist sehr einfach zu erlernen, braucht keine Hilfsmittel und kann die Häufigkeit der benötigten Physiotherapiesitzungen reduzieren und die Erkrankung lindern.(15)

Verdauungsenzyme

Um den Funktionsausfall der Bauchspeicheldrüse auszugleichen, kann es bei Mukoviszidose-Patienten sinnvoll sein, zu den Mahlzeiten Enzyme einnehmen. Dadurch wird in der Regel eine nahezu normale Verdauung wieder hergestellt und die Aufnahme von Eiweißen und Mikronährstoffen wird verbessert.

Wichtig ist, dass säurestabile Pankreasenzyme in Mikrokapseln oder -tabletten angewendet werden. Nur diese können unbeschadet den Magen passieren und in den Dünndarm gelangen, wo der Speisebrei mit den Enzymen gut vermischt und die Nährstoffe vom Körper aufgenommen werden können.

So nehmen Sie Enzym-Präparate richtig:
  • Nehmen Sie die Enzym-Präparate über die Mahlzeit verteilt
  • Nehmen Sie die Enzym-Präparate nicht vor oder nach der Mahlzeit
  • Nehmen Sie säurestabile, magensaftresistente Enzym-Präparate ein
  • Nehmen Sie die Enzym-Präparate in ausreichend hoher Dosierung

Weitergehende Informationen und Bücher zum Thema

Auf den Seiten des Vereins Mukoviszidose e.V. finden Sie zahlreiche Informationen, unter anderem einen guten Überblick über regionale Selbsthilfegruppen. Der Verein wurde von Christiane Herzog ins Leben gerufen und hat es sich zur Aufgabe gemacht Fibrose Patienten in Deutschland zu unterstützen, ihnen Kontakt zu vermitteln und Hilfe anzubieten. Die Gründerin Christiane Herzog war durch ihre Ehe mit Bundespräsident Roman Herzog zu Bekanntheit gelangt. Kontakt: http://muko.info/

Hein der LausbubEin Mukoviszidose-Buch nicht nur für Kinder. Preis : EUR 7,60 Direkt zu bestellen bei Mukoviszidose e.V.

Mukoviszidose – Ein Handbuch für Patienten und ihre Elternals Download in weiteren Sprachen unter: http://cf.eqascheme.org/info/public/cf/manual.xhtml

Aufatmen. Der lebenslange Kampf gegen Mukoviszidose Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1., Aufl. (2005) Preis: 7,95 ISBN-13: 978-3404615698

(1) Munck A.: Nutritional considerations in patients with cystic fibrosis. Expert Rev Respir Med. 2010(1): S. 47-56.
(2) Powers S.W. et al.: Caloric intake and eating behavior in infants and toddlers with cystic fibrosis. Pediatrics. 2002(5): S. E75-5.
(3) Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
(4) Slobobianik N.H.: Inflammatory biomarker profile in children with cystic fibrosis: preliminary study. Proc Nutr Soc. 2010(3): S. 354-356. Epub 2010 Jun 14
(5) Kim Y. et al.: Suppression of CFTR-mediated Cl secretion of airway epithelium in vitamin C-deficient mice. J Korean Med Sci. 2011(3): S.317-324. Epub 2011 Feb 25.
(6) Olveira G. et al.: Fatty acid supplements improve respiratory, inflammatory and nutritional parameters in adults with cystic fibrosis. Arch Bronconeumol. 2010(2): S. 70-77. Epub 2009 Dec 31.
(7) Dougherty K.A.: Suboptimal vitamin K status despite supplementation in children and young adults with cystic fibrosis. Am J Clin Nutr. 2010(3): S. 660-667
(8) West N.E. et al.: Appropriate Goal Level for 25-Hydroxyvitamin D in Cystic Fibrosis. Chest. 2011 Mar 10. [Epub ahead of print]
(9) Parker J. et al.: Levels of vitamin D and cardiometabolic disorders: systematic review and meta-analysis. Maturitas. 2010(3): S. 225-236
(10) Azbell C. et al.: Hesperidin stimulates cystic fibrosis transmembrane conductance regulator-mediated chloride secretion and ciliary beat frequency in sinonasal epithelium. Otolaryngol Head Neck Surg. 2010(3): s. 397-404.
(11) Wegrzyn G. et al.: Genistein: a natural isoflavone with a potential for treatment of genetic diseases. Biochem Soc Trans. 2010(2): s. 695-701.
(12) Philpott J. et al.: Physical activity recommendations for children with specific chronic health conditions: Juvenile idiopathic arthritis, hemophilia, asthma and cystic fibrosis. Paediatr Child Health. 2010(4): S. 213–218
(13) Schneiderman-Walker J. et al.: A randomized controlled trial of a 3-year home exercise program in cystic fibrosis. J Pediatr. 2000;136:304–10
(14) Zach M. et al.: Cystic fibrosis: physical exercise versus chest physiotherapy. Arch Dis Child. 1982(8): S. 587–589.
(15) Main E. et al.: Conventional chest physiotherapy compared to other airway clearance techniques for cystic fibrosis. Cochrane Database Syst Rev. 2005;(1):CD002011.
(16) Jorm A.F. et al.: Relaxation for depression. Cochrane Database Syst Rev. 2008 Oct 8;(4):CD007142.
(17) Leite J.R. et al.: Effect of progressive self-focus meditation on attention, anxiety, and depression scores. Percept Mot Skills. 2010(3): S. 840-848.
(18) Linde K. et al.: St John’s wort for major depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. Art. No.: CD000448. DOI: 10.1002/14651858.CD000448.pub3

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