Die Zöliakie (glutensensitive oder gluteninduzierte Enteropathie) ist eine in den Industrienationen zunehmende chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut auf Grund einer Überempfindlichkeit gegen Gluten, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Klebereiweiß. Nach den Daten der Mayo-Klinik (2008) hat sich die Zahl der Betroffenen in den letzten 50 Jahren vervierfacht. Gelangt Gluten mit der Nahrung in den Darm, entzünden sich die Darmzotten, die den Darm von innen auskleiden. Sie sterben bereits nach ca. 6 Stunden ab, noch bevor sie ihre eigentliche Größe erreicht haben.

Die Angaben zur Häufigkeit der Zöliakie schwanken stark, je nachdem, ob eine Zöliakie anhand der Symptome oder anhand der Laborbefunde diagnostiziert wird. Offiziell heißt es, dass in Deutschland etwa jeder 500. Mensch unter Zöliakie leidet. Laut Deutscher Zöliakie Gesellschaft könnten es sogar mehr als doppelt so viele sein. (1) Zusätzlich verstärkt wird das Problem noch durch die zahlreichen Fälle von Glutenunverträglichkeit (Glutensensitivität) ohne Autoimmunanteil.

Die Behandlung der Zöliakie besteht derzeit ausschließlich in einer glutenfreien Diät. Neueste Erkenntnisse zum Entstehungsmechanismus und zu physiologischen Veränderungen bringen aber neuen Schwung in die Vorbeugung und die Behandlungsmöglichkeiten einer Zöliakie.

Ernährungstipps bei Zöliakie

Natürlich spielt bei der Zöliakie die Ernährung eine wichtige Rolle. Zunächst sei gesagt, dass bei einer aktiven Zöliakie– zumindest vorübergehend – auf Gluten verzichtet werden muss. Damit aber das biochemische System Mensch möglichst optimal arbeiten kann, braucht es alle Nährstoffe. Alle Vitamine, Mineralien, Ballaststoffe, Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Fehlen nur kleine Bausteine, so bedeutet dies, bestimmte Funktionen können nicht abgerufen werden.

Essen Sie mindestens 2-mal in der Woche Fisch und verwenden Sie möglichst oft pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren schützt die empfindlichen Zellkraftwerke und verringert die Entzündungsneigung des Körpers.

Verwenden Sie möglichst oft frische Kräuter und Gewürze bei der Zubereitung von Speisen. Ihr hoher Gehalt an Spurenelementen ist für die Funktion des Immunsystems und den Aufbau einer gesunden Darmflora entscheidend. Aber auch scharfe Gerichte helfen der Darmflora und verbessern die Energieproduktion. Verwenden Sie möglichst oft die Gewürzmischung Curry, die viele gut erforschte Bestandteile enthält.

Essen Sie insgesamt etwas weniger Kohlenhydrate, also weniger weißes Brot, weniger Nudeln und Reis, dafür etwas mehr Gemüse und Obst. Zu viele dieser Sattmacher fördern Entzündungen genauso wie Übergewicht und Diabetes. Daneben liefern Obst und Gemüse auch reichlich Ballaststoffe, die den Darm gesund halten.

Was Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen essen, spielt offenbar auch eine Rolle für die Entstehung einer Zöliakie. Sind Eltern oder Geschwister betroffen, steigt das Risiko an Zöliakie zu erkranken um das Zehnfache an. Bei Typ-1-Diabetikern ist das Zöliakierisiko ebenfalls erhöht. Die Krankheit ist stark genetisch determiniert. Ob die Krankheit ausbricht, hängt jedoch, wie oben schon erwähnt von weiteren Faktoren ab.

Wichtig ist möglicherweise die Ernährung im Säuglingsalter. „Bereits frühere Studien ließen vermuten, dass sowohl der Zeitpunkt als auch die Menge der Gluteneinführung mit der Beikost eine Rolle spielen“, sagte die Pädiaterin Prof. Dr. med. Sibylle Koletzko, LMU München. Lange galt die Regel, Zöliakie-Risikokindern so spät wie möglich Gluten zu geben. Eine Metaanalyse von sechs Fallkontrollstudien kommt zu einem anderen Ergebnis: Erhält ein Säugling im fünften und sechsten Monat kleine Mengen Gluten, während die Mutter noch stillt, halbiert sich das Zöliakierisiko. Erfolgt die Einführung früher oder später, also vor dem vierten oder nach dem sechsten Monat, steigt das Zöliakierisiko wieder. „Offenbar gibt es ein schmales Zeitfenster, in dem der Körper am ehesten Toleranz gegen Gluten entwickelt“, meinte Koletzko.(2)

Mikronährstofftherapie – Natürliche Unterstützung

Zusätzliche Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) sind bei Zöliakie aus verschiedenen Gründen dringend anzuraten. Schon aufgrund der deutlich schlechteren Aufnahme von Mikronährstoffen ist der Bedarf allein über die Nahrung nicht zu decken. (3) Dabei haben sich natürliche Mikronährstoffkombinationen deutlich besser bewährt als einzelne Mikronährstoffe. So hat eine Studie aus Amerika gezeigt, dass Vitamine aus Obst oder Gemüse zusammen mit den sekundären Pflanzenstoffen darin mehr als 200-mal stärker vor oxidativem Stress schützen als einzelne Vitamine. (4)

Oxidativer Stress entsteht bei Zöliakie durch die Entzündungen und ist unter anderem an der Entstehung des Leaky-gut-Syndromes beteiligt. (5)

Auch Vitamin D und Vitamin K spielen vor allem im Immunsystem eine wichtige Rolle. Für beide Vitamine wurden bei Zöliakie-Patienten deutliche Mängel nachgewiesen. Für Vitamin D ist übrigens in Mitteleuropa auch in der gesunden Bevölkerung ein weitverbreiteter Mangel nachgewiesen worden (6). Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko, dass eine Zöliakie ausbricht. (7)

Zusätzlich zu diesen klassischen Mikronährstoffen sollten in einem guten Mikronährstoffprodukt auch Omega-3-Fettsäuren und unterschiedliche sekundäre Pflanzenstoffe enthalten sein. Für beide gibt es eine Reihe von Studien, die deren Wirkung gegen Entzündungen bestätigen.

Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Gegenspieler zu den heute in der Ernährung dominierenden tierischen Fetten. Während die in den tierischen Fetten überwiegenden gesättigten Fette die Bildung von Entzündungsbotenstoffen stimulieren, hemmen Omega-3-Fettsäuren diesen Stoffwechselprozess und helfen so Entzündungen im Körper zu reduzieren.(8) Übrigens zeigen neue Studien, dass emulgierte Omega-3-Fettsäuren in einem komplexen Mikronährstoffprodukt in Saftform besser aufgenommen werden als die üblichen Omega-3-Kapseln. (9)

Ebenso spielen die Spurenelemente Zink und Selen bei der Zöliakie eine wichtige Rolle. So wurde vor kurzem erst nachgewiesen, dass schon ein geringfügiger Zinkmangel einen Entzündungsschub auslösen kann. (10) Selen ist ein wichtiger Teil des antioxidativen Schutzes vor freien Radikalen. Diese freien Radikale sind offensichtlich ein Faktor, die die Entzündung im Darm am Laufen halten.(11) Dazu kommt, dass für diese Mikronährstoffmischungen auch deutliche entzündungshemmende Wirkungen im Darm nachgewiesen sind. (12)

Neben den Vitaminen und Spurenelementen sind auch Coenzym Q10 und L-Carnitin von Bedeutung. Vom letztgenannten wissen wir beispielsweise, dass Zöliakie-Patienten oft einen deutlichen Carnitin-Mangel haben, der zu weiteren Komplikationen wie Herzschwäche bei Zöliakie-Patienten führt.(13) So gelten heute L-Carnitin und Coenzym Q10 als die beiden wichtigsten Mikronährstoffe für die Energieherstellung in unserem Körper. (14) Coenzym Q10 schützt dazu die Mitochondrien (Zellkraftwerke) und hilft bei deren Regeneration. L-Carnitin ist neben einer Verbesserung der Energieproduktion auch für die Steuerung der Ausschüttung von Botenstoffen zuständig.(15)

Sekundäre Pflanzenstoffe haben ähnliche Effekte. So konnten erst vor kurzem die positiven Auswirkungen von natürlichen Flavonoiden und Carotinoiden auf die Aktivität von für die Zöliakie wichtigen Genen festgestellt werden.(16) Die Pflanzenstoffe aus Beeren, Trauben, Gemüsen und grünem Tee wirken außerdem gegen die Autoimmunerkrankung. (17) Das besondere an diesen pflanzlichen Mikronährstoffen ist, dass sie sich in höherer Konzentration in den Darmzellen anreichern als in jedem anderen Gewebe des Körpers.(18)

Empfehlungen auf einen Blick

Essen und Trinken

  • Trinken Sie genügend Wasser. Mindestens 2 Liter am Tag sollten es sein. Wasser ist wichtig für die Energieherstellung und die Entsäuerung.
  • Ernähren Sie sich gesund (regelmäßig Gemüse, Obst, oft Fisch etc.) und abwechslungsreich.
  • Reduzieren Sie den Anteil von Kohlenhydraten in der täglichen Ernährung.
  • Verwenden Sie mehrmals in der Woche hochwertige, kaltgepresste Pflanzenöle und frische Kräuter.
  • Trinken Sie nur wenig Alkohol oder gar keinen.

Mikronährstoffe

  • Nehmen Sie täglich einen biologischen Mikronährstoffkomplex mit Omega-3-Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffen, um die optimale Zellversorgung mit allen Mikronährstoffen sicher zu stellen.
  • Am besten nehmen Sie ein Produkt in flüssiger Form und hergestellt aus natürlichen Lebensmitteln, da nur dadurch die Versorgung mit den so wichtigen sekundären Pflanzenstoffen gewährleistet und eine optimale Aufnahme im Organismus gesichert ist.

Bewegung und Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich, Spaziergänge, Ausdauersport, Gymnastik. Gehen Sie jeden Tag vor die Tür und bewegen Sie sich möglichst viel an der frischen Luft.

Lebenseinstellung

  • Wenn Sie an Ihre Grenzen gelangen, setze Sie sich Prioritäten, mache Sie sich einen schriftlichen Plan um Ihre Zeit optimal zu nutzen und für sich auch Erholungszeit einzuplanen. Denn der Darm ist unser einziges Organ, das keine Stress-Bremse hat.

Einfache Naturheilverfahren

  • Nützen Sie die positiven Wirkungen von Tees. Grüner-Hafer-Tee (entsäuernd), und grüner Tee (entzündungshemmend) können helfen.
  • Rauchen Sie nicht. Es gibt inzwischen viele erfolgreiche Methoden, die Ihnen beim Aufhören helfen können.
  • Gehen Sie das ganze Jahr über einmal in der Woche in die trockene Sauna (nicht bei akuten Infekten). Genießen Sie dabei die Entspannung und sorgen Sie durch den gezielten Wechsel von kalten und warmen Reizen eine bessere Regulierung des Immunsystems.

Literaturverzeichnis

(1) Zöliakie – das Krankheitsbild
(2) Workshop „Wie Essen und Umwelt die Gene steuern“ – Der epigenetische Einfluss von Nahrung, Psyche und Lebensstil auf unsere Gesundheit. Veranstalter: Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. in Kooperation mit der Kinderklinik und Kinderpoliklinik, Abteilung Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin, Klinikum der Universität München (LMU), 10./11. Mai 2012
(3) Martin J. et al.: Inadequate nutrient intake in patients with celiac disease: results from a german dietary survey. Digestion. 2013(4): S. 240-246
(4) Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
(5) Allegretti Y.L. et al.: Broad MICA/B Expression in the Small Bowel Mucosa: A Link between Cellular Stress and Celiac Disease. PLoS One. 2013(9): S. e73658
(6) Brot C. et al.: Vitamin D status and its adequacy in healthy Danish perimenopausal women: relationships to dietary intake, sun exposure and serum parathyroid hormone. Br J Nutr. 2001(86): S. S97–S103
(7) Lagishetty V. et al.: Vitamin D deficiency in mice impairs colonic antibacterial activity and predisposes to colitis. Endocrinology. 2010(6): S. 2423-2432
(8) Grimble R.F., Tappia P.S.: Modulation of pro-inflammatory cytokine biology by unsaturated fatty acids. Z Ernahrungswiss. 1998(37; Suppl 1): S. 57-65
(9) Raatz S.K. et al.: Enhanced absorption of n-3 fatty acids from emulsified compared with encapsulated fish oil. J Am Diet Assoc. 2009(6): S. 1076-1081
(10) Iwaya H. et al.: Marginal zinc deficiency exacerbates experimental colitis induced by dextran sulfate sodium in rats. J Nutr. 2011(6): S. 1077-1082
(11) Reimund J.M. et al.: Immune activation and nutritional status in adult Crohn’s disease patients. Dig Liver Dis. 2005(37): S. 424-431.
(12) Scrimgeour A.G., Condlin M.L.: Zinc and micronutrient combinations to combat gastrointestinal inflammation. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009(6): S. 653-660
(13) Danese C. et al.: Cardiac involvement in inflammatory bowel disease: role of acylcarnitine esters. Clin Ter. 2011(4): S. e105-e109
(14) Nicolson G.L. et al.: Reversing mitochondrial dysfunction, fatigue and the adverse effects of chemotherapy of metastatic disease by molecular replacement therapy. Clin Exp Metastasis. 2008 (2): S. 161-169
(15) Tempesta E. et al.: Stereospecific effects of acetylcarnitine on the spontaneous activity of brainstem neurones and their responses to acetylcholine and serotonin. Neu-ropharmacology. 1985 (1): S. 43-50
(16) Ferretti G. et al.: Celiac disease, inflammation and oxidative damage: a nutrigenetic approach. Nutrients. 2012(4): S. 243-257
(17) Hushmendy S. et al.: Select phytochemicals suppress human T-lymphocytes and mouse splenocytes suggesting their use in autoimmunity and transplantation. Nutr Res. 2009(8): S. 568-578
(18) Biasi F. et al.: Polyphenol Supplementation as a Complementary Medicinal Approach to Treating Inflammatory Bowel Disease. Curr Med Chem. 2011 Sep 15. [Epub ahead of print]

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