Knorpelschaden

Chronischer Knorpelschaden wird in Deutschland immer mehr zum Problem: circa 2,5 Millionen Menschen leiden bereits darunter. Einstige Verletzungen am Knie mit Schäden am Gelenk oder der altersbedingte Verschleiß sind weiterhin die häufigsten Ursachen dieser Krankheit. Betroffene können nun aber wieder Hoffnung schöpfen. Wissenschaftlern der medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) ist es zum ersten Mal gelungen, einem Patienten einen künstlichen Knorpel einzusetzen. Damit ist die MHH das erste Klinikum, welches dieses Verfahren zur Behandlung einsetzt.

Chronischer Knorpelschaden bald kein Problem mehr?

Der künstliche Knorpel eines amerikanischen Herstellers wirkt auf den ersten Blick wie ein konisch geformtes Fruchtgummi. Die Eigenschaften des 10 mal 10 Millimeter großen Implantats sind aber bahnbrechend. Laut Professor Dr. Michael Jagodzinski, der die Operation im Juni 2012 durchgeführt hat, bewirkt die spezielle Form einen besonders guten Halt im Knie des Betroffenen. Außerdem hat das künstliche Knorpelstück den Vorteil, dass es nicht in das Gelenk einwächst sondern nur eine natürliche Schutzschicht aus Gewebe bildet, welche für zusätzlichen Halt sorgt.

Die meisten Mediziner, darunter auch Professor Dr. Christian Krettek, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, gehen davon aus, dass das neu entwickelte künstliche Knorpel, welches zu 20 Prozent aus Polyvinylalkohol und zu 80 Prozent aus Wasser besteht, auch nach vielen Jahren noch fest im Knie sitzen wird. Dadurch können Nachteile alter Implantate vermieden werden, die nach 10 Jahren nur bei 40 Prozent der Patienten noch optimal sitzen.

Obwohl noch keine Langzeitstudien des neuen künstlichen Knorpels vorliegen, ist die Zuversicht der Mediziner groß. Knapp ein Jahr nach der ersten Operation dieser Art sind sowohl Professor Jagodzinski als auch sein Patient Wolfgang J. äußerst zufrieden mit den Resultaten. Besonders stolz ist der Arzt auf die Tatsache, dass sein Patient direkt nach der Operation das Krankenhaus selbstständig verlassen konnte. Auch die Schmerzen im Knie waren mit einem mal weg, lediglich Schmerzen durch die Eingriffswunde war für wenige Tage bemerkbar. Chronischer Knorpelschaden konnte noch von keiner anderen Form der Therapie oder Behandlung so schnell und gleichzeitg effektiv bekämpft werden.

Nach einer Woche schon Fahrradfahren

Ebenso erstaunlich ist die schnelle Genesungszeit nach der Operation. Bereits eine Woche nach dem Eingriff konnte sich Wolfgang J. wieder auf den Sattel setzen und fahrradfahren. Durch jahrelange intensive sportliche Aktivität wie Laufen, Skifahren oder Tennis, haben sich das das linke Kniegelenk mit samt der Knochen des Patienten über die Jahre stetig abgenutzt. Ein Jahr nach der Operation ist die alte Leistungsfähigkeit schon fast wieder ganz vorhanden. Bevor Wolfgang J. das Implantat eingesetzt wurde, unterzog er sich einigen anderen Formen der Therapie, wie zum Beispiel dem Mikrofrakturierung, welche aber alle keine positiven Auswirkungen hatten.

Obwohl die Erfolge beträchtlich sind und viel Grund zur Hoffnung bieten, so weißt Professor Jagodzinski dennoch darauf hin, dass sich der künstliche Knorpel nicht für jeden Patienten und für jede Art von Knorpelschaden eignen. Hauptsächlich soll dieses Verfahren bei der Therapie von Patienten die über 50 Jahre alt sind und unter einem lokalisierten Knorpelschaden oder einer begrenzten Arthrose leiden, zum Einsatz kommen.

Bereits seit Jahren ist Professor Dr. Michael Jagodzinski für die innovative Behandlung von Knochen- und Knorpelschäden in Gelenken bekannt, wobei das sogenannte Tissue Engineering, was auf deutsch gesagt die Rekonstruktion bestimmter Gewebesorten aus körpereigenem Material ist, sein Spezialgebiet darstellt. Weltweit ist die MHH die einzige Klinik, die derzeit Operationen dieser Art durchführt. Menschen denen ein chronischer Knorpelschaden oder eine leichte Arthrose zu schaffen machen, dürfen also weiterhin auf gute Nachrichten aus Hannover gespannt sein.

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