Mythos Muskelkater

Wir alle kennen und fürchten ihn – den Muskelkater. Es gibt kaum ein Leiden über welches so leidenschaftlich diskutiert wird. Wodurch entsteht der Muskelkater? Ist er zu Unrecht in Verruf geraten? Wie wird man ihn am schnellsten wieder los? Es wird Zeit diese und weitere Fragen genauer zu beleuchten.

Veraltete Vorstellungen immer noch präsent

Bis vor einigen Jahrzehnten ging man davon aus, dass die Übersäuerung der Muskeln durch Laktat (Milchsäure), während körperlicher Anstrengung, für die Entstehung eines Muskelkaters verantwortlich ist. Allerdings sprechen zwei grundlegende Hypothesen gegen die genannte Theorie. Demnach würden die Muskelschmerzen vor allem bei Sportarten auftreten, bei denen hohe Laktatwerte entstehen, wie zum Beispiel einem 400 Meter Lauf.

Ein Blick in die Praxis zeigt aber, dass vor allem Kraftsport, bei dem kaum Laktat gebildet wird, längerfristige Schmerzen nach sich zieht. Zum anderen hat Milchsäure eine Halbwertszeit von nur 20 Minuten. Die gefürchteten Auswirkungen machen sich jedoch erst nach 1 – 2 Tagen wirklich bemerkbar, was wiederrum gegen die Laktose-Theorie spricht.

Die heutzutage geltende Theorie geht davon aus, dass Überlastungen zu kleinen Rissen innerhalb der Muskeln führen, was wiederum zu Entzündungen und Wassereinlagerungen führt. Da der Muskel selber keine Nervenzellen besitzt kommt es erst einige Stunden nach der körperlichen Betätigung zum Schmerz. Dies aber geschieht erst wenn die gerissenen Stellen genug Entzündungsstoffe gebildet haben, wodurch ein Kontakt mit den außerhalbliegenden Nervenzellen hergestellt wird. Auch wenn sich nicht alle Mediziner und Wissenschaftler einig sind, so gilt dies als heutzutage allgemein anerkannte Therapie.

Muskelkater – und was nun?

Sind die Schmerzen einmal da, ist das Gejammer oft groß. Daher ist es kein Wunder, dass der Muskelkater allgemein äußert negativ behaftet ist. Werfen wir deshalb einen genaueren Blick auf die intramuskulären Abläufe. Meistens wird nur die eine Seite des Muskelkaters betrachtet – doch im Prinzip stecken zwei Aussagen hinter den Schmerzen. Zum einen ist es in letzter Zeit zu einer Überlastung gekommen, zum anderen wird auf den bevorstehenden Muskelwachstum hingewiesen.

Egal ob beim Sport, dem Krafttraining oder der Hausarbeit – der Körper reagiert mit sogenannten Zerreißungsphänomen, wodurch auch fast gleichzeitig Reparaturmechanismen ausgelöst werden. Hier zeigt sich ganz deutlich die Seite des Muskelkaters, denn nach der vollständigen Wiederherstellung des Gewebes befindet sich der Muskel auf einem höheren Ausgangsniveau als vor den Schmerzen. Dies bedeutet auch, dass eine erneute, ähnlich intensive Belastung keine Mikrorisse hervorruft.

Was kann man vorbeugend tun?

Wer hier jetzt Wundermittel erwartet hat, die einem den oft so lästigen Muskelkater ersparen, der irrt. Man hört immer wieder das Dehnen und Aufwärmen vor dem Sport einen Muskelkater verhindern können – was allerdings nicht stimmt. Dennoch sollten gründliche Dehn- und Aufwärmübungen am Anfang jedes Trainings stehen, aber eher aus dem Grund den Muskel vor Zerrungen zu schützen.

Ebenso nützlich ist die stufenweise Steigerung des Trainingsumfangs beziehungsweise der -intensität. Wer sich von Anfang an regelmäßig überlastet kann sicher sein, dass der Muskelkater nicht lange auf sich warten lässt. Daher gilt: klein anfangen und dann langsam steigern.

Was tun wenn es schon zu spät ist?

Es ist soweit – Sie hatten am Vortag ein anstrengendes Training und können am Morgen kaum aus dem Bett steigen. Da stellt sich natürlich die Frage wie man die lästigen Schmerzen am schnellsten wieder los wird. Natürlich ist der Gedanke nah, einfach eine Schmerztablette zu nehmen, was allerdings nur gegen die Beschwerden, nicht aber die Ursache wirkt.

Außerdem sollte man bei solchen Kleinigkeiten nun wirklich auf chemische Mittel verzichten. In der Praxis hat sich vor allem die Wärmebehandlung als effektiv erwiesen, sei es Sauna oder ein heißes Bad. Auch hier lässt sich natürlich vortrefflich streiten, denn wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nicht, lediglich unzählige positive Erfahrungsberichte. Eine weitere Methode, die sich in der Praxis durchgesetzt hat, ist das „Abtraining“. Hierbei wird aufgrund eines Muskelkaters nicht pausiert, sondern weitertrainiert, allerdings mit wesentlich geringerer Trainingsintensität.

Zu guter Letzt bleibt nur noch die gute alte Massage. Davon wird inzwischen allerdings abgeraten, da es sich eigentlich nur um eine weitere Irritation der Muskeln handeln, was sich auf die Dauer der Schmerzen sogar gegenteilig auswirken kann.

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