Depression weiter auf dem Vormarsch

In den letzten Jahren ist die Zahl der Krankschreibungen wegen Depressionen um mehr als 70 Prozent gestiegen. Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung fehlt somit jeder Bürger einen Tag aufgrund dieser Erkrankung. Ebenso haben Studien gezeigt, dass der Norden Deutschlands sowie Großstädte am stärksten betroffen sind. Diese und weitere Erkenntnisse gehen aus dem diesjährigen Depressionsatlas der TK hervor.

Auch heute noch sind Depressionen ein häufig unterschätztes aber schwerwiegendes Problem. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse hat nun sogar gezeigt, dass die Erkrankung seit Jahren auf dem Vormarsch ist. Die Studie ist Teil des jährlichen Gesundheitsreports, bei dem über 4 Millionen Krankmeldungen der Versicherten ausgewertet werden. Ebenso gibt die Auswertung Auskunft darüber, in welchen Regionen Depressionen besonders häufig auftreten.

Eindeutiger Trend erkennbar

Die Ergebnisse der Studie geben Anlass zu Bedenken. In den letzten 10 Jahren sind die Fehltage, bedingt durch Depressionen, um 70 Prozent gestiegen. Laut Jens Baas, dem Vorstandsvorsitzenden der Techniker Krankenkasse, ist so gesehen jeder Arbeitnehmer einmal pro Jahr wegen Depressionen krankgemeldet. Insgesamt sind zwar nur weniger als zwei Prozent aller Arbeitnehmer davon betroffen, jedoch liegt die durchschnittliche Behandlungszeit der Erkrankung bei etwa 64 Tagen. Diese lange Zeit belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Krankenkassen, sowie die Arbeitgeber.

Des Weiteren warnen Experten von einer hohen Dunkelziffer, denn in den Köpfen vieler ist eine Depression nach wie vor ein gesellschaftliches Tabuthema. Deshalb zeigt der Report der TK auch nur die halbe Wahrheit – was die Lage aber nicht weniger Ernst macht. Die Mediziner, welche bei der Auswertung der Daten beteiligt waren, untersuchten ebenso die Entwicklung der Verschreibungen von Antidepressiva. Auch hier lässt sich ein Anstieg feststellen: etwa sechs Prozent der Bevölkerung benutzten verschreibungspflichtige Antidepressiva.

Stress als Ursache Nummer 1

Dem Depressionsatlas zu Folge sind besonders Menschen, die einen stressigen Beruf ausüben, von Depressionen betroffen. An erster Stelle stehen dabei Call-Center-Mitarbeiter mit durchschnittlich 2,8 Fehltagen, die auf psychische Probleme zurückzuführen sind. Knapp dahinter befinden sich Berufe in der Altenpflege sowie dem Erziehungssektor. Die Studie gibt auch Auskunft über die geschlechterspezifische Verteilung der Erkrankung. Demnach sind Frauen fast doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Eine Besonderheit der diesjährigen Studie sind die Erkenntnisse über die regionale Aufschlüsselung der Krankheitsfälle. Demnach kommt es in dem saarländischen Kreis Merzing-Wadern, mit 1,7 Fehltagen pro Kopf zu den höchsten Ausfallzeiten. Ein deutlicher Trend lässt sich dabei erkennen: die am stärksten betroffenen Bundesländer (Schleswig-Holstein, Bremen, Berlin) liegen im Norden Deutschlands. Im Süden sieht es dagegen besser aus mit der seelischen Gesundheit. Zum Vergleich: Im oberfränkischen Kreis Kulmbach beispielsweise liegt der Durchschnitt bei nur 0,3 Fehltagen pro Kopf.

Laut Baas haben die ersten Auswertungen für dieses Jahr gezeigt, dass Depressionen auch weiterhin ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft bleiben. Um diesen Trend zu stoppen, sind darum effektive Präventionsmaßnahmen sowie die medizinische Versorgung besonders wichtig.

Teilen: