Depression am Arbeitsplatz

Im Grunde waren wir noch nie so gesund! Pocken, Pest und Kinderlähmung sind hierzulande dank einer umfassenden medizinischen Versorgung schon lange kein Thema mehr. Auch ansteckende, aber weniger gefährliche Krankheiten gehen aufgrund von steigenden Hygiene-Standards immer weiter zurück. Wir hätten also allen Grund uns zu freuen und unser langes, beschwerdefreies Leben in vollen Zügen zu genießen – oder? Leider sprechen die aktuellen Zahlen zu den Krankheitstagen von Arbeitnehmern eine andere Sprache. Denn während wir körperlich immer weniger Einschränkungen zu befürchten haben, leidet unser Geist anscheinend immer mehr.

Allein in den letzten zwölf Jahren ist die Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Leiden um 83 Prozent gestiegen, während die Fehltage wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkältungen abnahmen. Der größte Anteil an psychischen Erkrankungen geht auf Depressionen zurück. Auf Europa gerechnet lässt sich jeder zehnte Arbeitnehmer darum krankschreiben – und das für durchschnittlich 36 Tage pro depressiver Phase. Grund genug für eine Gruppe der größten Arbeitgeber Europas eine Initiative zur Bekämpfung der Depression mit dem Namen „Target Depression in the Workspace“ zu starten. Ziel der Initiative ist es, Depressionen von Arbeitnehmern von Anfang an zu vermeiden, sie aber zumindest zuverlässig früh zu erkennen und souverän zu reagieren.

Depression – auf dem Weg zur Volkskrankheit

Die Depression ist auf dem besten Weg eine Volkskrankheit zu werden: Jeder dritte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Der mit Abstand größte Teil entfällt dabei auf die Depression. Woran lässt sich diese aber erkennen?

Jeder von uns ist ab und zu traurig, niedergeschlagen und lustlos. Diese Stimmungstiefs dauern für gewöhnlich nicht länger als ein paar Stunden bis Tage an und lösen sich danach (fast) wieder in Luft auf. Eine Depression dagegen kann über Wochen, Monate und sogar Jahre anhalten und den Betroffenen in ein tiefes Schwarzes Loch stürzen, aus dem er sich mit eigener Kraft oft nicht mehr befreien kann. Obwohl die Krankheit relativ häufig vorkommt, sollte man sie doch sehr ernstnehmen und auf keinen Fall als „Jammerei“ abtun.

Viele Faktoren begünstigen eine Depression

Die Depression kann viele verschiedene Ursachen und Auslöser haben, denen man auf jeden Fall auf den Grund gehen muss. Man unterscheidet dabei zwischen den begünstigenden Faktoren und den auslösenden Faktoren. Die begünstigenden Faktoren liegen oftmals schon seit langem vor, wie belastende Kindheitserinnerungen oder traumatische Erlebnisse. Auch schwere Krankheiten, Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten sowie hormonelle Störungen gehören dazu.

All diese Einflüsse müssen aber nicht unweigerlich zur Depression führen, nur wenn starke – oft mehrere – auslösende Faktoren hinzukommen, wird eine Depression wahrscheinlich. Auslösende Faktoren finden sich meistens im Hier und Jetzt. Der Verlust eines Nahestehenden oder private Probleme können so ein Faktor sein. Eine immer größere Rolle scheint hier aber Stress im Berufsleben zu spielen. Zeit- und Leistungsdruck sowie Überforderung schaukeln sich oft über längere Zeit auf, bis sich der Betroffene in einer Spirale aus negativen Erlebnissen und Gefühlen gefangen sieht.

Welche Rolle spielen biochemische Prozesse?

Ein möglicher Grund für Depressionen kann dagegen völlig unabhängig von psychischen Faktoren sein: Wenn das biochemische Gleichgewicht im Gehirn gestört ist, sinken die Werte der sogenannten Neurotransmitter wie Serotonin oder Noradrenalin. Diese werden im Gehirn aus verschiedenen Nähr- und Mikronährstoffen gebildet. Wenn an einem oder mehreren Bestandteilen ein Mangel herrscht, gerät die Produktion ins Stocken. Es ist deshalb sehr sinnvoll, zusätzlich zur konventionellen Therapie, auf eine ausreichende Versorgung mit allen notwendigen Nähr- und Mikronährstoffen zu achten und bei Bedarf die Nahrung natürlich zu ergänzen.

Wer früh die Krankheit erkennt und handelt hat gute Chancen

Erkennt man die Krankheit frühzeitig und kann man die Ursachen identifizieren und beheben, ist es gut möglich, die drohende Depression im Keim zu ersticken. Wer den Verdacht hat, eine Depression zu entwickeln oder entwickelt zu haben, sollte unbedingt mit seinem Hausarzt sprechen. Dieser kann in einem Gespräch meist schon abklären, wie schwerwiegend die Symptome sind und ob eine depressive Phase vorliegt.

Als Anhaltspunkt kann bei Verdacht die offizielle Liste der Haupt- und Nebensymptome dienen. Wenn mindestens zwei der drei Hauptsymptome (Depressive Stimmung, Interessenverlust, erhöhte Ermüdbarkeit) zusammen mit 3-4 Nebensymptomen (u. a. verminderte Konzentration, Schuldgefühle, vermindertes Selbstwertgefühl, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen) über mehr als zwei Wochen bestehen, gilt die Depression als nachgewiesen.

So können Sie Depressionen bei anderen erkennen

Als Außenstehender lassen sich oft bestimmte Symptome bei nahestehenden Personen feststellen – aber nicht immer! Vor allem, wenn Sie eine Veränderung der Persönlichkeit bemerken, ein sonst offener Kollege zum Beispiel über mehrere Wochen immer verschlossener und ruhiger wird, sollten Sie genauer hinsehen. Besteht ein gewisses Vertrauensverhältnis, kann man das auch in einem Gespräch unter vier Augen ansprechen. Oftmals realisieren Betroffene die Brisanz der Erkrankung selbst gar nicht und schlittern immer tiefer in die Depression hinein.

Gerade Vorgesetzte sollten daher eine spezielle Schulung durchlaufen. Dort lernen sie, möglichst schon die ersten Anzeichen zu erkennen und bestmöglich für eine Ausschaltung der auslösenden Faktoren am Arbeitsplatz zu sorgen (Stress, Überforderung, Mobbing). Auf der anderen Seite ist es besonders wichtig zu wissen, wie ein erfolgsversprechender Wiedereinstieg nach längerer Ausfallzeit aussehen sollte.

Der Weg zurück ins Alltagsleben

Für Betroffene, die nach einer Krankschreibung wieder in den Job zurückkehren, gilt es, nicht sofort wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Vielmehr sollten sie sich selbst Regeln setzen, mit deren Hilfe sie verhindern können, sich wieder zu überfordern. Viele müssen es zum Beispiel erst erlernen „Nein“ zu sagen. Außerdem sollten sie auf die Einhaltung von regelmäßigen Pausen achten und möglichst keine Überstunden zusätzlich machen.

Aber auch in der Freizeit gilt es, das Risiko für einen Rückfall zu minimieren. Regelmäßig Sport oder Hobbys am besten zusammen mit Freunden oder Bekannten empfehlen sich besonders. Denn gerade hier gewinnt man schnell das verlorene Selbstwertgefühl zurück.

Weitere Tipps, wie man eine Depression therapiebegleitend und ganzheitlich behandeln kann, finden Sie hier.
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