Ernährung im Alter

Deutschland hat Angst – Angst vor dem Altern, das zeigt eine Umfrage der R+V Versicherung. Demnach haben 55 Prozent (Rang 3) der Deutschen große Angst, im Alter ein Pflegefall zu werden. Alt und hilflos will niemand sein, aber was wäre die Alternative? Wer bis ins hohe Alter fit und leistungsfähig sein möchte, der sollte vor allem frühzeitig auf die richtige Ernährung achten. Aber auch der, der einen betagten Angehörigen pflegt oder sich einfach um ihn sorgt, sollte wissen, worauf man bei der altersgerechten Ernährung Wert legen sollte.

Die Bevölkerung wird älter

Der demographische Wandel in Deutschland ist in vollem Gange. Während immer weniger Kinder auf die Welt kommen, steigt die Zahl der Hochbetagten (über 75-Jährige) immer weiter an. Viel mehr als die Quantität an Lebensjahren zählt für die meisten aber deren Qualität. Denn über die Hälfte der Deutschen hat schon heute große Angst davor, im Alter ein Pflegefall zu werden und der Gesellschaft oder den Angehörigen zur Last zu fallen.

Wenn der Körper altert – nicht nur äußerlich verändert sich viel

Und die Angst ist nicht ganz unbegründet: Rund 40 Prozent der über 85-Jährigen sind nicht mehr in der Lage, selbstständig das Haus zu verlassen; 53 Prozent können keine Treppen mehr steigen. Grund dafür sind die Um- und Abbauprozesse im Körper, die bei zunehmendem Alter immer schneller voranschreiten.

Schwindende Muskelkraft und brüchiger werdende Knochen sind die auffälligsten Anzeichen. Aber auch der Stoffwechsel stellt sich bei Senioren um: Sie benötigen weniger Kalorien, um die Funktion ihrer Organe aufrecht zu erhalten. Der Bedarf an Nährstoffen wie Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe bleibt dagegen gleich hoch. Eine unausgewogene Ernährung wird deshalb mit zunehmendem Alter immer schneller spür- und sichtbar – die Senioren magern innerhalb kurzer Zeit ab, oder nehmen stark an Gewicht zu, gleichzeitig schwächelt das Immunsystem.

Gesunde Ernährung im Alter – eine Herausforderung mit vielen Hindernissen

Die täglich benötigte Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aufzunehmen, stellt schon jüngere Menschen vor eine schwierige Aufgabe und erfordert ein bestimmtes Verständnis der Nahrungszusammensetzung und eine gewisse Disziplin. Ältere Menschen dagegen müssen noch einige Hindernisse mehr nehmen.

So leiden viele von ihnen unter Kauproblemen. Sie können zu harte oder feste Nahrung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr zu sich nehmen. Auch Schluckbeschwerden kommen häufig vor, ebenso wie Probleme beim Schneiden der Mahlzeit. Weil sie immer weniger das Haus aus eigener Kraft verlassen können, gehen sie seltener zum Einkaufen. Dort nehmen sie dann oft Abstand von verderblicher Ware wie Frischobst und Gemüse und greifen lieber auf Fertiggerichte zurück. Das ist natürlich nur verständlich, denkt man einen Schritt weiter – an den Kochtopf. Abwechslungsreich zu kochen fordert von den Senioren ab, länger zu stehen, teilweise schnell zu reagieren und präzise Bewegungen auszuführen, dazu fühlen sich viele nicht mehr in der Lage.

Hinzu kommt, dass viele Ältere auch die Lust am Kochen verlieren, weil sie immer weniger Appetit haben. Oft nimmt ihr Geruchs- und Geschmackssinn ab, die Gerichte schmecken dann fad und eintönig.

Gefährlicher Kreislauf: Unser Immunsystem braucht Mikronährstoffe

Bei älteren Menschen kann man leider oft einen gefährlichen, ernährungsbedingten Kreislauf beobachten: Die vielen körperlichen und psychischen Veränderungen im Leben eines alternden Menschen schränken den Appetit ein. Dazu kommen Probleme, die es immer schwerer machen, abwechslungsreiche Mahlzeiten zuzubereiten bzw. die frischen Zutaten dazu zu besorgen. Beide Umstände lassen schnell einen Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen entstehen, da der Körper nicht mehr so gut in der Lage ist, sie zu speichern oder selbst herzustellen.

Ist der Nährstoffbedarf über eine gewisse Zeit nicht gedeckt, baut der Körper Muskelmasse ab – der Ernährungszustand verschlechtert sich. Gleichzeitig leidet das Immunsystem unter dem Mangel, denn es ist in besonderem Maße von einer regelmäßigen Mikronährstoffzufuhr mit allen wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen abhängig. Durch die Schwächung des Immunsystems bahnen sich Infekte oder andere Krankheiten schnell den Weg.

Jede Krankheit im Alter ist schon allein gesehen ein Risiko, weil der Körper auf immer weniger Reserven zurückgreifen kann. Nun kommt es aber zu dem gefährlichen Kreislauf, denn jede Krankheit schränkt den Betroffenen zusätzlich ein. Oft verlieren ältere Menschen dann noch mehr den Appetit. Medikamente stören die Aufnahme von Nährstoffen und der Bedarf an Mikronährstoffen steigt weiter, da das Immunsystem durch die Abwehr der Krankheiterreger beansprucht wird. In der Folge wächst das Defizit, Körpergewicht und Abwehrkräfte nehmen weiter ab und öffnen gleich der nächsten Erkrankung Tür und Tor.

Abwechslungsreich und voller Nährstoffe – die richtige Ernährung im Alter

Wie kann man diesen Kreislauf dann noch unterbrechen – oder besser, wie kann man verhindern, dass es überhaupt so weit kommt? Die einzige und auch effektivste Möglichkeit ist eine konsequente und durchdachte Lebensmittelauswahl und -zusammenstellung. Da der Bedarf an Kalorien zwar wegen der nachlassenden Bewegung sinkt, der Nähr- und Mikronährstoffbedarf aber gleich bleibt, sollte man bei der Auswahl der Lebensmittel auf eine hohe Nährstoffdichte achten. Lebensmittel, die diese Anforderung besonders gut erfüllen, sind Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte, mageres Fleisch und Fisch.

Ernährung im Alter: So ernähren Sie sich richtig & beugen Krankheiten vor.

Lebensmittel im Alter: Das sollten Sie beachten

Lebensmittel

Häufigkeit / Menge

Besonderheit

Flüssigkeit (Wasser, ungesüßter Tee, etc.) 6-8 Gläser (ca. 2 Liter) täglich, im Sommer mehr Wichtig für den gesamten Organismus und alle Zellen

Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt, etc.)

2-3 x täglich

Lieferanten für hochstehendes Protein und viele Mineralien und Vitamin D; evtl. fettreduziert kaufen

Fleisch, Wurst, Geflügel, Fisch

2-4 x wöchentlich

Lieferanten für hochstehendes Protein; magere Sorten bevorzugen (Ausnahme: Fisch); Vitamin B12-Lieferanten

Leber, fetter Fisch (z. B. Lachs), Eigelb

1-2 x wöchentlich

Liefern besonders hohe Konzentrationen am wichtigen Vitamin D (Mangel häufig)

Vollkornbrot, Vollkornteigwaren (z. B. Nudeln), Kartoffeln

Mehrmals täglich

Vollkornprodukte sollten Weißmehl auf jeden Fall vorgezogen werden. Liefern wichtige Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung und geben Kohlenhydrate nur langsam frei; Vitamin B2 & B6-Lieferanten

Haferflocken, Hülsenfrüchte

täglich

Vitamin B1-Lieferanten

Obst und Gemüse

>5 x täglich

Wichtige Lieferanten von Ballaststoffen, Vitamin C, Kalium und sekundäre Pflanzenstoffe; besonders hohe Mikronährstoffdichte

Grünes (Blatt-)Gemüse (auch Vollkornprodukte)

täglich

Besonders reich an Folsäure (Mangel häufig)

Die Rolle von Obst und Gemüse ist dabei eine ganz besondere, denn einerseits liefern sie Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die der Körper aus keinem anderen Lebensmittel bekommen kann, andererseits ist gerade die Zubereitung von frischen Früchten und Gemüse für ältere Menschen zu arbeitsaufwendig.


Fruchtsäfte, Smoothies oder Konzentrate: Obst und Gemüse einfach zubereitet

Eine Lösung für dieses Problem ist zum Beispiel, Gemüse und Obst in Form von Säften, Konzentraten, Püree oder Smoothies zuzubereiten bzw. zu reichen. Wichtig ist hier nur zu beachten, dass die Lebensmittel nicht zu großer Hitze ausgesetzt sind, also am besten nicht eingekocht werden, weil damit ein großer Teil der Inhaltsstoffe verloren geht. Sehr zu empfehlen sind an dieser Stelle Mikronährstoff- bzw. Vitalstoffkonzentrate, die komplett aus Lebensmitteln hergestellt werden. Sind sie gut zusammengestellt, liefern sie neben allen wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen auch eine Vielzahl an den sekundären Pflanzenstoffen.

Deckt man so den Mikronährstoffbedarf ab, sind die Senioren bei den Hauptmahlzeiten nicht mehr so eingeschränkt – durch den mangelnden Appetit ist es eh am wichtigsten, dass ihnen das Essen schmeckt und sie Spaß daran haben.

Neben der Nahrungsaufnahme spielt der Flüssigkeitshaushalt eine entscheidende Rolle. Mit dem Alter nimmt das Durstgefühl ab, deshalb vergessen viele einfach das Trinken. Dabei kann eine Dehydration fatale Folgen haben, wie Nierenschäden oder Durchblutungsstörungen mit einer erhöhten Gerinnungsneigung. Damit steigt die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Am besten sollten Senioren oder Betreuer eine Liste über die täglich aufgenommene Flüssigkeitsmenge führen, um jederzeit den Überblick zu bewahren. 1,5 Liter sollte dabei jeder mindestens zu sich nehmen.

Seniorenheime als besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung stellt die Versorgung von Bewohnern der Seniorenheime dar. Oft ist es aus Zeitgründen schwierig, auf die Vorlieben jedes einzelnen einzugehen und den Überblick über die aufgenommene Flüssigkeits- und Nahrungsmenge zu behalten. Dazu kommt, dass Heimbewohner häufiger depressiv sind und ihren Lebenswillen verloren haben. Umfangreiche Informationen und Richtlinien, wie diese Situationen am besten gelöst werden, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zusammengestellt. Hier können Sie das Dokument als PDF herunterladen.

Denn eine umfassende Aufklärung zum Thema Ernährung im Alter ist heute wichtiger denn je. Schon in unseren jungen Jahren legen wir den Grundstein für einen gesunden und glücklichen Lebensabend oder können bereits heute unsere Angehörigen mit diesem Wissen tatkräftig unterstützen. Und nicht zuletzt ist die Aufklärung die beste Waffe im Kampf gegen die Angst vor dem Alter.

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