Kinderernährung

Immer wieder melden sich besorgte Eltern zu Wort: Ihre Kinder wollen einfach partout nichts Gesundes essen. Obst und Gemüse werden verschmäht, Pizza und Nudeln gefordert. Woran liegt es, dass sich viele Kinder gegen gesundes Essen sträuben und was können Eltern tun, um sie trotzdem mit genügend Vitaminen und anderen wichtigen Inhaltstoffen zu versorgen?

Tausende deutsche Esszimmer – und die Szenen sind immer die gleichen: Die Familie sitzt einträchtig am Tisch und möchte das leckere Essen genießen, das frisch zubereitet, bunt und duftend vor ihnen steht. Nur einer ist anderer Meinung: Junior! Der Kleine schiebt angeekelt den Teller oder den Löffel beiseite und kneift die Lippen zusammen: „Mag ich nicht!“ Dabei geht es doch nur um Karotten.

Gerade Eltern, denen es besonders wichtig ist, dass sich ihre Kinder gesund und ausgewogen ernähren, machen sich dann große Sorgen. Sie haben Angst, dass die Kleinen zu wenige Vitamine und andere wichtige Nährstoffe zu sich nehmen, dass es ihr Immunsystem schwächt oder sie gar in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sein könnten.

Die „Angst“ vor unbekanntem Essen ist angeboren

Leider lassen sich die wenigsten Kinder von logischen Erklärungen über gesunde Ernährung überzeugen. Sie haben einfach keine Vorstellung davon, was es heißt „für die Zukunft“ zu essen. Sie leben im Hier und Jetzt und wollen essen, worauf sie eben gerade Appetit haben: Pizza und Pommes. Hinzu kommt, dass Kinder sozusagen eine genetische Essbremse in sich tragen. Die sogenannte „Food Neophobia“ haben fast alle Kinder. Sie bewirkt, dass sie sich vor neuartigen Lebensmitteln erst einmal ekeln, sie ablehnen und lieber auf Altbekanntes zurückgreifen. Evolutionär gesehen eine Lebensversicherung, denn sie hindert das Kind daran, sich alles Mögliche in den Mund zu stecken, es könnten ja auch giftige Früchte oder Beeren darunter sein.

Sind also alle Mühen vergebens? Sind Kinder einfach so? Nicht unbedingt! Es gibt viele kleine Tricks und Kniffe, wie man seinem Kind Obst und Gemüse dennoch schmackhaft machen kann.

Die frühe Prägung nutzen

Gerade im frühen und mittleren Kleinkindalter haben die meisten Kinder keine Berührungsängste mit neuen Lebensmitteln. Oft essen sie, was ihnen angeboten wird oder was Mama und Papa auf dem Teller haben. Diese Zeit sollten Eltern nutzen, um so viele verschiedene Geschmacksrichtungen wie möglich probieren zu lassen. Was Kinder in dieser Zeit nicht kennen lernen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten Jahre nicht anrühren.

Mit gutem Beispiel voran gehen

Kinder lernen durch Nachahmung und das schon sehr früh. Wenn Sie also wollen, dass sich Ihr Kind gesund ernährt, dann müssen Sie es ihm vorleben – am besten von Anfang an. Auch ältere Geschwister können schnell zum Vorbild werden. Viel Obst und Gemüse sollte also schon von klein auf für die Kinder normal sein. Und wenn die Eltern es mit Genuss essen, steigt automatisch die Neugier der Kleinen auf die neuartige Leckerei.

Keine Vorwürfe oder Drohungen aussprechen

Mit „Wenn du das nicht aufisst, gehst du hungrig ins Bett.“ und „Extra für dich ist die Mama stundenlang in der Küche gestanden.“ kommen Sie bei Kindern meist nicht sehr weit. Im Gegenteil – aus Trotz verweigern die Kleinen dann erst recht das gesunde Essen. Außerdem verknüpfen sie dann die negativen Emotionen mit dem Essen – und insbesondere mit dem gesunden Teil. Darum gilt: Geduld haben und Ruhe bewahren. Oft muss man Kindern ein bestimmtes Lebensmittel immer wieder auftischen, bis sie sich an das Aussehen und den Geschmack gewöhnt haben und es gerne essen.

Gesunde Snacks zwischen den Mahlzeiten anbieten

Vom Karottengemüse hat ihr Kind beim Mittagessen mal wieder kein Scheibchen angerührt? Dann versuchen Sie es doch mit rohen Karottensticks am Nachmittag. Die frischen und knackigen Stäbchen schmecken lecker fruchtig und süß und viele Kinder ziehen rohes Gemüse und Obst dem (zu Tode) gekochten vor. Probieren Sie einfach verschiedene Sorten aus, zum Beispiel Paprika, Kohlrabi, Apfel und Birne. Bei besonders harten Fällen kann es Wunder bewirken, wenn Sie zum Beispiel aus Paprika mithilfe von Plätzchenformen lustige Bärchen oder Sterne ausstechen und auf einem schönen Teller anrichten – da greift fast jedes Kind gerne zu.

Mit Spiel und Spaß gesund essen

Mit Essen spielt man nicht? Doch, solange es danach im Mund und nicht auf dem Boden landet, ist alles erlaubt. Etwas blind zu erschmecken oder in verschiedene Soßen zu dippen und lustige Geschichten rund um die einzelnen Zutaten zu erfinden, macht besonders Spaß.

Zusammen einkaufen und kochen

Im Supermarkt leuchtet die Obst- und Gemüseabteilung in strahlenden Farben und lädt zum Zugreifen ein. Nehmen Sie Ihr Kind so oft wie möglich mit zum Einkaufen und lassen Sie es ein zwei Sorten aussuchen, die es gerne probieren möchte – aber auch probieren muss! Zuhause beteiligen Sie die Kleinen beim Vorbereiten, lassen sie beim Gemüseschnippeln zusehen und natürlich gerne naschen. Vielleicht kann Ihr Kind ja schon kleine Aufgaben übernehmen, wie Salat zupfen oder umrühren. Wenn Kinder sehen, mit wieviel Aufwand Kochen verbunden ist, schätzen sie ihre Mahlzeiten automatisch mehr und vertrauen ihnen auch eher. Sie haben quasi eine Verbindung dazu aufgebaut und werden sich hüten, es verkommen zu lassen.

Können Kinder sich schlau essen?

Logischerweise funktioniert nicht jede Methode bei jedem Kind. Aber es ist doch sehr wahrscheinlich, dass sich Ihr Kind überzeugen lässt, dass Obst und Gemüse doch ganz lecker schmecken. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Denn Kinder, die sich ausgewogen ernähren, haben ein stärkeres Immunsystem und sind insgesamt gesünder. Kein Wunder, denn der kleine Körper verbraucht viel Brennstoff um zu wachsen und zu reifen. Und nicht nur das: Gerade die Hirnentwicklung hängt bei Kindern in besonderem Maße von der richtigen Ernährung ab. Forscher konnten herausfinden, dass Erstklässler, die im Vergleich zu Ihren Mitschülern mehr Obst, Gemüse und Fisch aßen, am besten Lesen und Schreiben konnten.

Es lohnt sich also, sich mit dem Essverhalten seines Kindes auseinanderzusetzen – es beharrlich zu einer gesunden Ernährung zu erziehen. Gelingt es Ihnen, wird es sich mit Sicherheit bei Ihnen für Ihre Geduld und Mühen bedanken – irgendwann …

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