Aminosäuren und ihre Funktionen

Aminosäuren stellen die kleinste Einheit der Proteine dar und sind für zahlreiche lebenswichtige Prozesse im menschlichen Körper verantwortlich. Sie sind Bestandteile der meisten Organe und regulieren auch die Enzymbildung und den Stoffwechsel. Da Proteine aus Aminosäuren bestehen, kann sich bereits der Mangel einer einzigen Säure negativ auf die Gesundheit auswirken. Ein Mangel kann durch Stress, falsche Ernährung sowie chronische Erkrankungen entstehen.

Werfen wir nun einen Blick auf einige wichtige Aminosäuren und deren Funktionen:

L – Glutamin

Hierbei handelt es sich um die am häufigsten im menschlichen Körper vorkommende essentielle Aminosäure. Eine Supplementierung ist meist nur bei schweren Erkrankungen, Verbrennungen oder Operationen nötig, da der Körper die Bildung der Aminosäure in solchen Phasen nicht aufrechterhalten kann. Die externe Zugabe erfolgt dabei in Form von L-Glutaminsäure einer Vorstufe des L-Glutamins.

Funktionsbereiche von L-Glutamin:

  • Verdauungsapparat: Heute weiß man, dass vor allem der Dünndarm ein stark glutaminverbrauchendes Organ ist, da es die Aminosäure als Energiequelle für die Darmzellen nutzt. Es ist daher unentbehrlich für die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels und die Funktion der Dünndarmschleimhaut.
  • Stickstoffbereitstellung: L-Glutamin wirkt bei vielen Synthesen als Stickstofflieferant (Purine, Pyrimidine und Nukleotide).

  • Energiebereitstellung: Für viele Zellen des Körpers (vor allem Magen-Darm-Trakt) ist die Aminosäure die wichtigste Energiequelle.

  • Immunsystem: Viele sich schnell vermehrende Zellen nutzen L-Glutamin als Energiequelle.

  • Proteinsynthese: Die Aminosäure ist ein entscheidender Baustein bei der Proteinbildung.

  • Glukosetoleranzfaktor (GTF): Hierbei handelt es sich um eine körpereigene Verbindung, die eine wichtige Rolle bei der Blutzuckerspiegelregulierung spielt. Neuste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass L-Glutamin ein Bestandteil des GTF ist.

  • Säure-Basen-Haushalt: Auch hier trägt die Aminosäure zum Gleichgewicht bei.

Man sieht wie wichtig L-Glutamin für den gesamten Organismus ist. Daher soll nun gezeigt werden, wie Sie Ihren Bedarf an der Aminosäure mit Hilfe der Nahrung decken können. Das Lebensmittel mit dem größten L-Glutamin-Anteil ist Parmesan. Etwa acht Prozent des italienischen Hartkäses besteht aus der Aminosäure. Gefolgt wird das Milchprodukt von Hühnerbrust, Hafer sowie Eiern. Aktuelle Nährstoffempfehlungen bewegen sich im Bereich von 2 – 10 Gramm pro Tag.

L-Lysin

Als nächstes wollen wir einen Blick auf die Aminosäure L-Lysin werfen. Es handelt sich um eine essentielle Aminosäure, die in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen werden muss. Bei einem Mangel kann es zu Wachstumsstörungen sowie einer Schwächung des Immunsystems kommen.

Funktionsbereiche von L-Lysin:

  • Virusbekämpfung: L-Lysin wirkt als Gegenspieler von Arginin, einem der Hauptnährstoffe von Herpes.

  • Immunsystem: L-Lysin spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Abwehrfunktion des Körpers.

  • Carnitinsynthese: Die Aminosäure ist bei der Bildung von L-Carnitin beteiligt.

  • Proteinsynthese: Wie viele andere Aminosäuren ist auch L-Lysin für die Proteinbildung entscheidend.

Die täglich empfohlene Menge an L-Lysin liegt bei einem gesunden Erwachsenen bei 38mg pro Kilogramm Körpergewicht. Für eine 70 Kilogramm schwere Person bedeutet dies einen Bedarf von 3,04 Gramm pro Tag. Einen besonderen Bedarf an L-Lysin haben vor allem Neugeborene und Kleinkinder. Auch Veganer sind häufig von Mangelerscheinungen betroffen, da pflanzliche Ernährung meist nicht genug L-Lysin beinhaltet. Wer also auf tierische Eiweißquellen verzichtet, sollte die Aminosäure dringend supplementieren um negativen Auswirkungen zu verhindern.

Anwendung findet L-Lysin vor allem in den Bereichen Diabetes und Herpes. Neuste Studien lassen vermuten, dass die Aminosäure eine blutzuckersenkende Wirkung aufweist. Besonders gute Erfahrungen mit L-Lysin hat man im Bereich Lippenherpes gemacht. Bei einer Gabe in einem frühen Stadium des Herpes hat man durch Supplementierung der Aminosäure deutliche Erfolge beobachtet.

L-Tryptophan

Zu guter letzte wollen wir noch die Aminosäure L-Tryptophan betrachten. Auch hierbei handelt es sich um eine essentielle Aminosäure. Gebraucht wird der Stoff für den Aufbau von Zellprotein. Ebenso ist L-Tryptophan die Vorstufe von Serotonin, Melatonin sowie Niacin.

Anwendungsbereiche von L-Tryptophan:

  • Vorstufe: L-Tryptophan ist die Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin sowie des Hormons Melatonin. Beide dieser Verbindungen spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Organismus. So ist zum Beispiel der Schlaf-Wach-Rhythmus, die Regulierung der Stimmungslage oder auch das Schmerzempfinden betroffen.

  • Herstellung von Niacin: Erst wenn im Körper ausreichend Tryptophan vorhanden ist, kann der Körper daraus Vitamin B3 (Niacin) herstellen. Da der Körper 60 Gramm L-Tryptophan benötigt um einem Gramm Niacin herzustellen, ist eine dauerhafte Versorgung mit der Aminosäure entscheidend.

Als Quelle von L-Tryptophan sind besonders Cashewnüsse sowie Emmentaler Käse geeignet. Beide Lebensmittel enthalten pro 100 Gramm mehr als 400 Milligramm der Aminosäure. Des Weiteren ist geeignet: Kalbsfleisch, Hühnerbrust, Thunfisch, Eier sowie Haferflocken. Da L-Tryptophan einer Vorstufe von Serotonin (Glückshormon) ist wird es unter anderem zur Behandlung von depressiven Verstimmungen eingesetzt. Auch Schlafstörungen können mit Hilfe der Aminosäure behandelt werden.

Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der Betroffenen positiv auf die die Gabe von 1-2 L-Tryptophan kurz vor dem Schlafen reagiert. Allein durch die Betrachtung dieser drei Aminosäuren lässt sich erkennen wie vielfältig ihr Einsatzgebiet ist. Daher ist zu empfehlen stets ausreichende Mengen zu sich zu nehmen um mögliche negative Folgen zu verhindern.

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