ADHS – Wenn es an Konzentration mangelt

Nach heutiger Auffassung ist die Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität (ADHS) oder ohne (ADS) das Resultat einer fehlerhaften Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Verfügbarkeit des Nerven-Botenstoffes Dopamin. Typische Merkmale dieser Störung sind Probleme mit Aufmerksamkeit, Selbstregulation und Impulsivität (ADS), die manchmal noch durch Hyperaktivität verstärkt werden (ADHS). Da die Wirkung von Psychostimulanzien (z.B. Ritalin®) weitgehend umstritten ist und zahlreiche negative Aspekte die Folge sein können, suchen immer mehr Betroffene oder deren Angehörige nach natürlichen Methoden. Dieser wissenschaftlich fundierte Artikel erläutert Ihnen alternative Konzepte und geht explizit auf die Erkenntnisse der revolutionären Mikronährstofftherapie ein.

Über 600.000 Kinder leiden an ADHS

AD(H)S ist keine fest definierte Krankheit, sondern ein Syndrom. Ein Syndrom ist eine Ansammlung von Symptomen, die bei den meisten Betroffenen ähnlich sind. ADHS betrifft nach den Kriterien des DSM-IV ca. fünf Prozent aller Schulkinder in Deutschland. Rein rechnerisch bedeutet das, dass in jedem Klassenzimmer durchschnittlich etwa ein betroffenes Kind sitzt. Bei Jungs wird AD(H)S etwa 4 Mal öfter diagnostiziert als bei Mädchen. Aber auch etwa drei Prozent der Erwachsenen haben ADHS. Die Symptome von ADHS können unterschiedlicher Ausprägung sein und bei etwa 1/3 der Diagnostizierten bis in das Erwachsenenalter hinein fortbestehen.

Wo der Normalfall aufhört und ADHS beginnt, ist nicht immer leicht zu sagen. Fest steht jedoch, wer ADHS hat, kann oftmals mit seiner Umwelt in Konflikt geraten oder hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben. Insofern bedeutet die Störung meist sowohl eine Belastung für Betroffene als auch Angehörige. Zu den Ursachen von AD(H)S gibt es in den letzten Jahren zahlreiche Forschungsarbeiten. Mehr und mehr in den Fokus rückt dabei die Belastung mit Giftstoffen und Schwermetallen. Schon geringe Belastungen mit Blei sind beispielsweise mit einem Anstieg der ADHS-Raten verbunden1, ebenso Gifte aus Kunstoffen wie Weichmacher2.

Mikronährstofftherapie

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen bei der Behandlung von ADHS eine immer größere Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung der Nerven-Botenstoffe, regeln die Energieproduktion in den Zellen, sind wichtig für das Immunsystem und helfen bei der Entgiftung. Es ist nicht verwunderlich, dass es heute zahlreiche Studien gibt, die eine Verbesserung der Symptomatik nach der Gabe von Mikronährstoffen gezeigt haben.

Mineralien spielen bei der Therapie von ADHS eine wichtige Rolle. So wirkt sich beispielsweise Magnesium auf eine Reihe von Gehirnfunktionen, wie beispielsweise auf die korrekte Signalübertragung aus. Eine zusätzliche Gabe verbesserte in Studien die AD(H)S-Scores3. Ein weiterer deutlicher Zusammenhang besteht bei Spurenelementen wie Zink und Eisen. Zink beeinflusst eine Vielzahl von Enzymen, die an zahlreichen Stoffwechselvorgängen im Gehirn beteiligt sind. Bei Kindern mit ADHS zeigte sich außerdem ein enger Zusammenhang zwischen der Schwere der Krankheit und der Höhe des Zinkspiegels im Blut4. Ein möglicher Mechanismus könnte eine Interaktion mit synthetischen Substanzen wie etwa Lebensmittelzusatzstoffen sein. Auch erniedrigte Eisen-Spiegel sind mit ADHS assoziiert5. Dazu erhöhen niedrige Eisenspiegel noch die Toxizität von Schwermetallen6.

Viele weitere Mikronährstoffe haben im Kampf gegen ADHS ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt. So trägt auch der weitverbreitete Vitamin-D-Mangel in Deutschland zu dieser Erkrankung bei. In einer Studie der Kinderklinik in Philadelphia wurden bei 55 Prozent gesunder Kinder und Jugendlichen zu niedrige Vitamin-D-Spiegel gemessen7. Bei Kindern und Jugendlichen sollte unbedingt auf eine gute Vitamin-D-Versorgung geachtet werden, da Vitamin D über seine Bedeutung als Knochenvitamin hinaus sehr vielfältige regulatorische Funktionen im Stoffwechsel hat.

Ein gutes, natürliches Mikronährstoffprodukt enthält aber nicht nur Vitamine und Mineralien, auch Omega-3-Fettsäuren und L-Carnitin sollten enthalten sein. Für beide letztgenannten Mikronährstoffe gibt es eine Reihe von Studien, die die Wirkung bei ADHS bestätigen8,9. Im Gehirn und in den Nerven befindet sich die höchste Konzentration der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA). Es wird angenommen, dass DHA entscheidend am Aufbau der nervalen Myelinschicht beteiligt ist und so eine wichtige Rolle für die Reizweiterleitung spielt. Der positive Effekt von Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung und Behandlung von ADHS wurde mittlerweile in dutzenden Studien nachgewiesen.

Allein an diesen wenigen Beispielen erkennen Sie leicht, wie wichtig ein ausgeglichener Haushalt aller Mikronährstoffe für die Gesundheit der Kinder ist. In der modernen Mikronährstofftherapie bevorzugt man deshalb heute als Basisunterstützung bei ADHS eine moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischung. Studien zeigen, dass vor allem für natürliche Mikronährstoffmischungen ein positiver Effekt bei ADHS nachgewiesen wurde10. Eine natürliche Mikronährstoffmischung erlaubt es, alle oben genannten Vorteile zu vereinen, alle Zellen werden optimal versorgt und Körper und Geist können wieder besser regulieren. Verwenden sie also zunächst zur Mikronährstoffergänzung einen natürlichen Mikronährstoffkomplex. Dadurch erhalten sie zusätzlich eine deutliche Verstärkung der Wirkung, da es nur bei den Kombinationen der Natur zu sehr starken Synergieeffekten kommt.

Ernährung bei ADHS

In den Medien wird viel darüber spekuliert, wie groß der Anteil der Ernährung bei der Ausprägung von ADHS ist. Wie man aus dem Kapitel über Mikronährstoffe herauslesen kann, ist der Anteil sicher sehr bedeutend. Deshalb haben wir hier noch einige spezielle Ernährungsempfehlungen für Sie zusammengestellt.

Die Basis einer gesunden Ernährung stellen immer noch Obst, Gemüse und Kräuter dar. Im Rahmen der kanadischen Children´s Lifestyle and School Performance Study wurden die Ernährungsgewohnheiten von 5.000 Schülern untersucht. Es zeigte sich, dass die Schüler mit dem höchsten Verzehr von Obst und Gemüse und der niedrigsten Fettaufnahme bei Lese- und Rechtschreibetests am besten abschnitten11.

Sollten Sie Sorge haben, dass Ihr Kind nicht genügend gesunde Lebensmittel isst, so kann eine natürliche Nahrungsergänzung, die aus Obst, Gemüse und Kräutern hergestellt wird, eine sinnvolle Alternative darstellen.

Hier noch ein paar einfache Tipps:

  • Meiden Sie künstliche Lebensmittelzusätze (Farbstoffe, Süßstoffe, Geschmacksverstärker, v.a. Glutamat, in Plastik verpackte Lebensmittel, Benzoate)12
  • Reduzieren Sie den Anteil der Kohlenhydrate (Brot, Nudeln etc.) Vermeiden Sie Weizen und Zucker so gut es geht
  • Testen Sie, wie sich ein Verzicht auf Kuhmilch auswirkt

Da viele dieser Stoffe oft gut versteckt in Fertigprodukten enthalten sind, sollten Sie so viel Mahlzeiten wie möglich selbst zubereiten.

Veränderungen im Lebensstil

Doch nicht nur die Mikronährstofftherapie trägt ihren Teil dazu bei, die ADHS-Symptome zu lindern. Auch andere Veränderungen im Lebensstil helfen Betroffenen. Ganz wichtig ist dabei die regelmäßige körperliche Bewegung an der frischen Luft. Körperliche Aktivität und Sport stabilisieren das Immunsystem, gleichen das vegetative Nervensystem aus und aktivieren den Stoffwechsel. So konnte regelmäßiger Sport nachweislich die Aufmerksamkeit und Impulsivität von ADHS-Patienten normalisieren13.

Das alltägliche Umfeld zu Hause sollte möglichst übersichtlich organisiert (strukturiert), verständnis- und liebevoll sein. Kinder mit ADHS brauchen zuverlässige, feste Familienstrukturen und einen möglichst regelmäßigen Tagesablauf. Da sie sich selbst nicht so gut steuern können, müssen die Eltern diese Kinder mehr lenken. Ein wichtiges Mittel sind dabei möglichst klare Regeln, an die sich das Kind halten soll. Regeln geben Halt, Orientierung und Sicherheit. Spezielle Trainings- und Schulungsprogramme für Eltern helfen nicht nur den Kindern, sie entlasten langfristig natürlich auch die Eltern.

Was Sie selbst tun können – Empfehlungen zusammengefasst

Essen und Trinken

  • Die Kinder sollten genügend Wasser trinken, mindestens zwei Liter am Tag. Wasser ist wichtig für die Funktion von Gehirn und Stoffwechsel und ebenso für die Entgiftung.
  • Die Kinder sollten sich möglichst gesund ernähren (regelmäßig Gemüse, Obst, oft Fisch etc.) und vor allem abwechslungsreich.
  • Verwenden Sie mehrmals in der Woche hochwertige, kaltgepresste Pflanzenöle und frische Kräuter.

Mikronährstoffe

  • Seien Sie sich bewusst, wie wichtig ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt ist. Verwenden Sie zur Basisversorgung täglich ein natürliches Mikronährstoffkonzentrat, das auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10, L-Carnitin und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Tipp: Mikronährstoffpräparate in Saftform kann der Körper deutlich besser und physiologischer verwerten als Pillen oder Pulver.

Bewegung und Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich, Ausdauersport, Gymnastik. Gehen Sie jeden Tag vor die Tür und bewegen Sie sich möglichst viel mit Ihrem Kind an der frischen Luft.
  • Erlernen Sie ein altersentsprechendes Entspannungsverfahren und führen Sie es regelmäßig (am besten gemeinsam mit den Kindern) durch.
  • Sorgen Sie für genügend Schlaf um Erholung und Regeneration zu fördern.

Weitergehende Informationen und Bücher zum Thema.

Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn - Autor: Gerald Hüther Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht; 9. Auflage (2009) Preis: 16,90 ISBN-10: 9783525014646

Das Märchen vom ADHS-Kind / 50 sanfte Möglichkeiten, das Verhalten Ihres Kindes zu verbessern – ohne Zwang und ohne Psychopharmaka - Thomas Armstrong Verlag: Junfermann (2007) Preis: 24,90 Euro ISBN-10: 9783873874947

Quellen anzeigen

1 Park J.H. et al.: Blood lead concentrations and attention deficit hyperactivity disorder in Korean children: a hospital-based case control study. BMC Pediatr.(1): S. 156.
2 Arbuckle T.E. et al.: Bisphenol A, phthalates and lead and learning and behavioral problems in Canadian children 6-11 years of age: CHMS 2007-2009. Neurotoxicology. 2016 May;54: S. 89-98
3 Black L.J. et al.: Low dietary intake of magnesium is associated with increased externalising behaviours in adolescents. Public Health Nutr. 2015(10): S. 1824-1830
4 Arnold L.E.: Zinc in attention-deficit/hyperactivity disorder. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2005(4): S. 619-627
5 Millichap J.G. et al.: Serum ferritin in children with attention-deficit hyperactivity disorder; Pediatr Neurol. 2006 (3): S. 200-203
6 Konofal E., Dortese S.: Lead and neuroprotection by iron in ADHS; Environ Health Perspect. 2007 (8): S. A398-A399; author reply A399
7 Weng F.L. et al.: Risk factors for low serum 25-hydroxyvitamin D concentrations in otherwise healthy children and adolescents. Am J Clin Nutr. 2007(1): S. 150-158
8 Huss M. et al.: Supplementation of polyunsaturated fatty acids, magnesium and zinc in children seeking medical advice for attention-deficit/hyperactivity problems – an observational cohort study. Lipids Health Dis. 2010(9): S. 105
9 Torrioli M.G. et al.: A double-blind, parallel, multicenter comparison of L-acetylcarnitine with placebo on the attention deficit hyperactivity disorder in fragile X syndrome boys. Am J Med Genet A. 2008 (7): S. 803-812
10 Curtis L.T., Patel K.: Nutritional and environmental Ap-proaches to preventing and treating Autism and ADHD: A Review. J Altern Complement Med 2008 (1): S. 79-85
11 Florence M.D. et al.: Diet quality and academic performance. J Sch Health. 2008(4): S. 209-215; quiz 239-41
12 Nigg J.T., Holton K.: Restriction and Elimination Diets in ADHD Treatment; Child Adolesc Psychiatr Clin N Am. 2014(4): S. 937–953.
13 McCurdy L.E. et al.: Using nature and outdoor activity to improve children’s health. Curr Probl Pediatr Adolesc Health Care. 2010(5): S. 102-117(14) Zwi M. et al.: Parent training interventions for Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD) in children aged 5 to 18 years. Cochrane Database Syst Rev. 2011(12): CD003018