Migräne – Selbsthilfe gegen das Hämmern im Kopf

Die Migräne ist eine vielgestaltige Kopfschmerzerkrankung, die typischerweise durch einen periodisch wiederkehrenden, anfallartigen, pulsierenden und halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet ist. Zusätzlich kann ein Migräneanfall auch von Symptomen wie Übelkeit (80%), Erbrechen (50%), Lichtempfindlichkeit (60%) oder Geräuschempfindlichkeit (50%) begleitet werden. Schulmedizinisch werden zur Therpaie diverse Medikamentengruppen eingesetzt (Beta-Blocker, Antidepressiva, Antiepileptika). Wegen der sehr häufig auftretenden, unangenehmen Nebenwirkungen verweigern viele Patienten allerdings die Einnahme dieser Medikamente. Die Mikronährstofftherapie liefert hier einige überaus interessante Erkenntnisse als alternative Behandlungs- und Präventionsmöglichkeit.

Facettenreiches Hämmern im Kopf

In Deutschland leiden etwa 10% der Bevölkerung an der sehr unangenehmen und einschränkenden Kopfschmerzerkrankung, dabei etwa dreimal so viele Frauen wie Männer.

Auf Grund ihrer Häufigkeit besitzt die Migräne eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung. Jährlich werden in Deutschland etwa 500 Mio. Euro als direkte Kosten von Patienten und Krankenversicherungen für die ärztliche und medikamentöse Behandlung der Migräne ausgegeben. Die durch Arbeitsausfall und Produktivitätseinschränkungen zusätzlich entstehenden indirekten Kosten werden auf über das 10-fache dieser Summe geschätzt1.

Das zeigt nur auf, wie viele Menschen regelmäßig unter den facettenreichen Kopfschmerzen leiden und wie weit sie durch diese im Alltag und Berufsleben behindert werden.

Daher ist die Prävention von Migräneanfällen von höchster Bedeutung. Hier kann auf verschiedene Weise die Anfallhäufigkeit und die Schwere von Anfällen reduziert werden. Laut der Meinung zahlreicher Experten ist auch Eigeninitiative ein wichtiger Schlüssel zum Therapieerfolg. Hier zeigt sich auch die Stärke einer nicht-medikamentösen naturheilkundlich basierten Erfahrungsmedizin, die uns einige interessante und mindestens ebenso erfolgreiche Therapieansätze liefert.

Mikronährstofftherapie

Bei der Therapie von Migräne spielt der Einsatz der Mikronährstoffe mittlerweile eine bedeutende Rolle. In neuen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass während eines Migräneanfalles der nitrosative und der oxidative Stress deutlich ansteigen2. Interessant ist dabei, dass bei Migräne im Gegensatz zu anderen Kopfschmerzarten der hohe oxidative Stress mit vermehrtem Verbrauch von Mikronährstoffen auch nach der Kopfschmerzattacke noch weiter besteht3. Die Einnahme zusätzlicher Mikronährstoffe als Radikalfänger ist also schon aufgrund des erhöhten oxidativen Stresses bei Migräne dringend anzuraten. Dabei haben sich natürliche Mikronährstoffkombinationen deutlich besser bewährt als die Einnahme einzelner Mikronährstoffe. So hat eine Studie aus Amerika gezeigt, dass Vitamine aus Obst oder Gemüse zusammen mit den sekundären Pflanzenstoffen darin mehr als 200-mal stärker vor freien Radikalen schützen als einzelne Vitamine4.

In den aktuellen Richtlinien zur Behandlung von Migräne wurden einige Mikronährstoffe aufgenommen5. Einen hohen Stellenwert genießt dabei Coenzym Q10, von dem nachgewiesen wurde, dass es die Anfallhäufigkeit und den Schweregrad von Migräneanfällen reduziert6. Das erklärt sich aus den drei Hauptwirkungen von Coenzym Q10: es ist die Schlüsselsubstanz für die Energieherstellung in den Zellkraftwerken und wirkt damit dem Energiemangel in den Nervenzellen entgegen. Gleichzeitig wirkt Coenzym Q10 auch dem erhöhten nitrosativen und oxidativen Stress entgegen.

Weitere wichtige Mikronährstoffe für die Energieherstellung in den Zellen sind Magnesium und L-Carnitin. Dementsprechend wurden für beide Mikronährstoffe eine positive Wirkung gegen Migräne nachgewiesen7. Eine weitere Studie zeigte, dass Magnesium in Verbindung mit Vitamin E auch bei menstruationsbedingter Migräne hilfreich ist8. Außerdem reduzieren Mikronährstoffpräparate mit Magnesium auch die Anzahl der Kopfschmerztage bei Kindern9.

Andere essentielle Mikronährstoffe, die in den Studien häufig empfohlen werden, sind die Gruppe der B-Vitamine. Eine Studie aus Spanien mit 430 Migränepatienten zeigte, dass diese Patienten oft höhere Homocysteinwerte hatten als gesunde Menschen. Durch die zusätzliche Gabe von B-Vitaminen sanken nicht nur die Homocystein-Werte, auch wichtige Gene funktionierten anschließend besser10.

Auch Omega-3-Fettsäuren nehmen in der Prävention von Migräneanfällen eine wichtige Rolle ein. In zahlreichen Studien wurde bewiesen, dass eine zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren das gesamte Entzündungsgeschehen positiv beeinflusst11. So berichteten 4 von 5 Studienteilnehmern über eine Verringerung der Migränehäufigkeit als auch über eine reduzierte Schwere der Anfälle12.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, wie wichtig die sekundären Pflanzenstoffe bei der Vorbeugung und Behandlung von Migräne sind. So konnte beispielsweise von Inhaltsstoffen des grünen Tees in Kombination mit anderen Kräutern eine Dreifachwirkung gegen Migräne nachgewiesen werden13: Sie wirken schmerzdämpfend, verändern die Durchblutung positiv und verbessern die Bereitstellung von Nervenbotenstoffen.

Veränderungen im Lebensstil

Neben der Ernährung und der Versorgung mit Mikronährstoffen kommt auch dem allgemeinen Lebensstil eine große Bedeutung im Kampf gegen die Migräne zu. Hier rückt zunehmend wieder der Sport in den Vordergrund. In zwei aktuellen Studien wurde nachgewiesen, dass die Häufigkeit der Kopfschmerzattacken um etwa die Hälfte sinkt, wenn die Migränepatienten drei Mal pro Woche Sport treiben14. Der positive Nebeneffekt der Gewichtsabnahme reduziert darüberhinaus noch die Schmerzempfindlichkeit15.

Es eignen sich Ausdauersportarten wie Walken, Schwimmen, Radfahren und Aquajogging. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Intensität des Sports an als vielmehr auf die Regelmäßigkeit16. Daneben hat der Sport auch noch wichtige Wirkungen beim Stressabbau und bei der Verbesserung der vegetativen Steuerung. Da Stress und Schlafstörungen zu den wichtigsten Triggern der Migräne gehören, bieten diese Punkte auch wichtige Ansätze zur Vorbeugung der Migräne17.

Zahlreiche Studien haben zudem die Wirksamkeit der Akupunktur bei Migräne belegt18. Sie ist eine nebenwirkungsfreie und kosteneffektive Methode um die Schmerzen zu behandeln.) Nach neuesten Untersuchungen verbessert die Akupunktur Muskelverspannungen, das vegetative Nervensystem und die Schmerzwahrnehmung bei chronischen Kopfschmerzen19.

Was Sie selbst tun können – Empfehlungen zusammengefasst

Essen und Trinken

  • Trinken Sie genügend Wasser. Mindestens 2 Liter am Tag sollten es sein Essen Sie auch in Stressperioden regelmäßig. Ernähren Sie sich gesund (regelmäßig Gemüse, Obst, oft Fisch etc.) und abwechslungsreich.
  • Reduzieren Sie den Anteil von Fleisch und Kohlenhydraten in der täglichen Ernährung.
  • Trinken (Alkohol, Kaffee) und rauchen Sie nur wenig oder gar nicht, besonders aber sollten Sie darauf achten, dass der Konsum in Stresssituationen stark eingeschränkt wird.

Mikronährstoffe

  • Nehmen Sie täglich zur Prävantion einen biologischen Mikronährstoffkomplex mit Zink und Vitamin C, um die optimale Zellversorgung mit allen Mikronährstoffen sicher zu stellen.
  • Am besten nehmen Sie ein Produkt in flüssiger Form, hergestellt aus natürlichen Lebensmitteln, da nur dadurch die Versorgung mit den so wichtigen sekundären Pflanzenstoffen gewährleistet ist und eine optimale Aufnahme im Organismus möglich ist.

Bewegung und Entspannung

  • Sorgen Sie für regelmäßigen körperlichen Ausgleich: Spaziergänge, Sport, Gymnastik. Wenn Sie sich angespannt fühlen, versuchen Sie sich bewusst zu entspannen.
  • Lebenseinstellung: Gestalten Sie Ihre Arbeitszeit und Ihre Freizeit aktiv.
  • Wenn Sie an Ihre Grenzen gelangen, setzen Sie sich Prioritäten, machen Sie sich einen schriftlichen Plan um Ihre Zeit optimal zu nutzen und für sich auch Erholungszeit einzuplanen. Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre individuellen Auslöser herauszufinden.

Interessante Bücher zum Thema

Stress-Intelligenz. Stress besser meistern, Lebensenergie gewinnen - Prof. Christoph Bamberger Knaur 2009 Preis: 8,95 ISBN: 978-3-426-78478-5

Gesund leben – Migräne: Schmerzattacken vermeiden und behandeln - Christian Neumeir Compact-Verlag (2010) Preis: 5,99 Euro ISBN-10: 3817479379

Quellen anzeigen

1 Quelle: Wikipedia, abgerufen am 2.1.2013
2 Yilmaz G. et al.: Increased nitrosative and oxidative stress in platelets of migraine patients. Tohoku J Exp Med. 2007(1): S. 23-30
3 Gupta R. et al.: Comparison of oxidative stress among migraineurs, tension-type headache subjects, and a control group. Ann Indian Acad Neurol. 2009(3): S. 167-172
4 Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
5 Holland S. et al.:Evidence-based guideline update: NSAIDs and other complementary treatments for episodic migraine prevention in adults. Report of the Quality Standards Subcommittee of the American Academy of Neurology and the American Headache Society. Neurology 2012 (78): S. 1346-1353
6 Sandor P.S. et al.: Efficacy of coenzyme Q10 in migraine prophylaxis: a randomized controlled trial. Neurology 2005(64): S. 713– 715
7 Tarighat Esfanjani A. et al.: The effects of magnesium, L-carnitine, and concurrent magnesium-L-carnitine supplementation in migraine prophylaxis. Biol Trace Elem Res. 2012(1-3): S. 42-48
8 Ziaei S. et al.: The effect of vitamin E on the treatment of menstrual migraine. Med Sci Monit. 2009(1): S. CR16-19
9 Wang F. et al.: Oral magnesium oxide prophylaxis of frequent migrainous headache in children: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Headache. 2003(6): S. 601-610
10 Oterino A. et al.: The relationship between homocysteine and genes of folate-related enzymes in migraine patients. Headache. 2010(1): S. 99-168
11 Calder P.C.: n-3 polyunsaturated fatty acids, inflammation, and inflammatory diseases. Am J Clin Nutr. 2006 (6 Suppl): S. 1505S-1519S
12 Harel Z. et al.: Supplementation with omega-3 polyunsaturated fatty acids in the management of recurrent migraines in adolescents. J Adolesc Health. 2002(2): S. 154-161
13 Li J.C. et al.: Analgesic effect and mechanism of the three TCM-herbal drug-combination Tou Feng Yu pill on treatment of migraine. Phytomedicine. 2011(8-9): S. 788-794
14 Darabaneanu S. et al.: Aerobic exercise as a therapy option for migraine: a pilot study. Int J Sports Med. 2011(6): S. 455-460
15 Iannitti T. et al.: Increased central and peripheral inflammation and inflammatory hyperalgesia in Zucker rat model of leptin receptor deficiency and genetic obesity. Exp Physiol. 2012(11): S. 1236-1245
16 Ärztezeitung vom 11.10.2012: Joggen oder Walken reduziert Schmerzattacken
17 Mollaoglu M.: “Trigger Factors in Migraine Patients” J Health Psychol. 2012 Oct 26. [Epub ahead of print]
18 Airola G. et al.: Non-pharmacological management of migraine during pregnancy. Neurol Sci. 2010 (31 Suppl 1): S. S63-S65
19 Yamaguchi S., Araki N.: The practical use of acupuncture and moxibustion treatment cooperated with neurological practice. Rinsho Shinkeigaku. 2012(11): S. 1287-1289