Morbus Crohn – Hilfe bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Morbus Crohn zählt zur Gruppe der chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Genauer ist es eine chronisch-granulomatöse Entzündung, die theoretisch im gesamten Verdauungstrakt, also von der Mundhöhle bis zum Afterausgang auftreten kann. In den meisten Fällen sind der untere Dünndarm und der Dickdarm befallen. Da die medikamentöse Behandlung von Morbus Crohn zahlreiche negative Nebenwirkungen zur Folge hat, suchen immer mehr Patienten nach natürlichen Heilungsverfahren. Dieser wissenschaftlich fundierte Artikel erläutert alternative Konzepte und geht explizit auf die Erkenntnisse der revolutionären Mikronährstofftherapie ein.

150.000 Morbus Crohn Patienten in Deutschland

Die Anzahl der Morbus Crohn-Erkrankungen hat in den letzten 20 Jahren drastisch zugenommen. Frauen sind genauso oft betroffen wie Männer. Am häufigsten erkranken junge Erwachsene zwischen 15 und 35 Jahren sowie ältere Menschen ab einem Lebensalter von 60 Jahren. Auffällig ist auch die familiäre Häufung der Krankheit.

Eine charakteristische Eigenschaft von Morbus Crohn ist der diskontinuierliche, segmentale Befall der Darmschleimhaut. Das heißt, dass mehrere Darmabschnitte erkrankt sein können, diese aber durch gesunde Bereiche voneinander getrennt sind. Ein Unterschied zu der sehr ähnlich verlaufenden und symptomatischen Krankheit Colitis ulcerosa ist, dass auch tiefere Schichten der Darmwand erkrankt sind.

Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen werden zu den Autoimmunerkrankungen gezählt, weil das fehlgesteuerte Immunsystem körpereigenes Gewebe – in diesem Fall die Darmschleimhaut – angreift. Bei Patienten mit Morbus Crohn kippt das Gleichgewicht zwischen schützenden und schädlichen Darmbakterien. Es entsteht eine Dysbiose, bei der sich aggressiver Keime in der Darmschleimhaut ansiedeln. Die intestinale Barriere bricht zusammen. Das angeborene Immunsystem reagiert aufgrund genetischer Defekte nicht adäquat. Damit sind den klassischen Symptomen wie Infektionen und Entzündungen natürlich Tür und Tor geöffnet1.

Bei etwa der Hälfte der Betroffenen treten auch Symptome außerhalb des Darmes auf. Dazu gehören vor allem Gelenkentzündungen und Hautveränderungen. Gefürchtet sind beim Morbus Crohn vor allem die Komplikationen wie Abszesse und Fisteln, die dann oft sehr ausgedehnt operiert werden müssen.

Mikronährstofftherapie

Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe etc.) spielen bei praktisch allen Stoffwechselreaktionen eine große Rolle. Sie steuern die Produktion und Ausschüttung von Hormonen und Botenstoffen und sind auch an deren Abbau beteiligt. Bei Morbus Crohn sind Mikronährstoff-Mängel sehr häufig. Zum einen wegen der Nahrungsmittelunverträglichkeiten und der damit verbundenen einseitigen Ernährung. Zum anderen natürlich wegen der Aufnahmestörung, die durch die Entzündung des Darmes und die Durchfälle bedingt ist, aber auch durch die eingesetzten Medikamente. Eine der häufigsten Komplikationen bei Morbus Crohn ist die Blutarmut oder Anämie. Diese Blutarmut, hervorgerufen durch Eisen- und Vitamin-B-Mangel, führt oft zu Energiedefiziten und geringer Leistungsfähigkeit bei den Patienten2.

Auch für Vitamin D und Vitamin K wurden bei Morbus-Crohn-Patienten deutliche Mängel nachgewiesen3. Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko, dass die Krankheit ausbricht.5

Die Spurenelemente Zink und Selen spielen bei Morbus Crohn ebenso eine wichtige Rolle. So wurde erst vor kurzem belegt, dass schon ein geringfügiger Zinkmangel einen Entzündungsschub auslösen kann.(5) Selen ist ein wichtiger Teil des antioxidativen Schutzes vor freien Radikalen. Diese freien Radikale sind offensichtlich ein Faktor, der die Entzündung im Darm am Laufen hält6.

Im Kampf gegen freie Radikale haben sich im Übrigen natürliche Antioxidantien-Mischungen deutlich besser bewährt als synthetische. Die natürlichen Mikronährstoffe besitzen eine 200-mal stärkere antioxidative Wirkung als vergleichbare isolierte, synthetische Stoffe7. Dazu kommt, dass für diese Mikronährstoff-Mischungen auch deutliche entzündungshemmende Wirkungen im Darm nachgewiesen sind8.

Auf zwei wichtige Mikronährstoffe, die erst seit kurzer Zeit in den Fokus bei Morbus Crohn gerückt sind, soll noch hingewiesen werden. Das ist zum einen Lecithin: Ein Eiweißstoff, der u.a. zur Herstellung von Botenstoffen benötigt wird, aber auch ein wichtiger Bestandteil der Darmschleimhaut ist. Erste in Deutschland durchgeführte Untersuchungen haben ermutigende Ergebnisse für die Einnahme von Lecithin bei aktivem Morbus Crohn erbracht9.

Des Weiteren wurde zuletzt auch erkannt, dass mit Mikronährstoffen zahlreiche Komplikationen von Morbus Crohn verhindert werden können. Besonders gefürchtet ist eine Beteiligung des Herzens. Hier kommt Carnitin ins Spiel: Denn ein Carnitin-Mangel kann zu einer fortschreitenden Herzschwäche bei Morbus Crohn-Patienten führen10. Daneben zeigt Carnitin auch noch deutliche Wirkungen gegen die Darmentzündung.

Sekundäre Pflanzenstoffe haben ähnliche Effekte. Erst vor Kurzem konnten die positiven Auswirkungen von Curcumin bei Kindern und Erwachsenen mit Morbus Crohn festgestellt werden. Auch für Polyphenole aus Beeren, Trauben und grünem Tee wurden diese Ergebnisse entdeckt. Das Besondere an diesen pflanzlichen Vitalstoffen ist, dass sie sich in höherer Konzentration in den Darmzellen anreichern, als in jedem anderen Gewebe des Körpers.

In der modernen Mikronährstofftherapie bevorzugt man deshalb heute als Basisunterstützung bei Morbus Crohn eine moderat dosierte, natürliche Mikronährstoffmischung mit Vitaminen, Spurenelementen, pflanzlichen Ölen und sekundären Pflanzenstoffen. Die oben erwähnten Studien zeigen, dass vor allem bei natürlichen Mikronährstoffmischungen ein positiver Effekt bei der Linderung der Symptome zu erwarten ist. Dadurch werden alle Zellen optimal versorgt, Körper und Geist werden wieder schnell fit und leistungsfähig.

Ernährung bei Morbus Crohn

Bei Morbus Crohn gelten natürlich die üblichen Regeln einer gesunden Ernährung. Sie sollten insgesamt deutlich weniger Kohlenhydrate essen, also weniger weißes Brot, weniger Nudeln und Reis, dafür mehr Gemüse und Obst. Zu viele dieser getreidehaltigen Sattmacher fördern Entzündungen und stören das Gleichgewicht im Darm. Das macht den Organismus anfälliger für Morbus Crohn. Übrigens sind auch Vollkornprodukte nicht besser für den Darm.

Zu viele tierische Lebensmittel– vor allem die Fette von Tieren aus konventioneller Masttierhaltung - fördern Entzündungen im ganzen Körper und stören ebenfalls die Darmflora. Man konnte nachweisen, dass Produkte von Tieren aus artgerechter Haltung hier sogar gesunde Effekte aufweisen.

Essen Sie mindestens zweimal in der Woche frischen Fisch und verwenden Sie möglichst oft pflanzliche Öle in der „kalten“ Küche. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wirkt stark entzündungshemmend. Außerdem sind ungesättigte Fettsäuren für ein ausbalanciertes Immunsystem wichtig. Verzichten sollten sie allerdings auf gehärtete Pflanzenöle, wie sie z.B. in Margarine vorkommen. Sie stehen in dringendem Verdacht, Darmentzündungen auslösen zu können.

Verwenden Sie möglichst oft frische Kräuter und Gewürze bei der Zubereitung von Speisen. Ihr hoher Gehalt an Spurenelementen ist wichtig für das Immunsystem, die Kräuter helfen auch bei der Entsäuerung des Gewebes. Von Curcuma, einem antientzündlichen Wirkstoff aus der Gelbwurz (Curcuma longa), wurden erst kürzlich zahlreiche positive Wirkungen bei Darmentzündungen festgestellt. Die Schlussfolgerung der Forschergruppe lautet deshalb, „dass Curcumin, ein in der Natur vorkommender Lebensmittelbestandteil, von dem keine Toxizität für den Menschen bekannt ist, als neues Therapeutikum bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vielversprechend ist.“

Weitere allgemeine Ernährungsregeln für Patienten mit chronischen Darmentzündungen sind allerdings aufgrund der häufigen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr schwierig. Lebensmittel, die häufig Beschwerden auslösen sind:

  • Weizen
  • Milchprodukte
  • Hefe
  • Mais

Veränderungen im Lebensstil

Oben haben wir schon gezeigt, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung und vor allem Mikronährstoffe bei Morbus Crohn sind. Doch auch die Lebensweise und -einstellung kann erheblichen Einfluss auf die Symptomatik haben. So senkt regelmäßige sportliche Betätigung das Darmkrebsrisiko um 50 Prozent. Für die Allgemeinbevölkerung sind die stresslindernden und antidepressiven Effekte des Sports wohlbekannt. Diese Vorteile sind aber speziell auch für Morbus Crohn-Patienten wichtig, da diese typischerweise über höhere Stresslevel berichten als der Durchschnitt der Bevölkerung.

Obwohl der direkte Effekt von Entspannungsverfahrungen auf Morbus Crohn noch nicht endgültig geklärt ist, machen sie zumindest für das allgemeine Wohlbefinden auf jeden Fall Sinn. Auch in diversen wissenschaftlichen Kommentaren werden immer wieder die Anwendung von autogenem Training, progressiver Muskelentspannung oder Yoga empfohlen.

Handlungsempfehlungen auf einen Blick

Essen und Trinken

  • Trinken Sie genügend Wasser (ohne Kohlensäure!), mindestens 2 Liter am Tag.
  • Essen Sie gesund, leicht und abwechslungsreich.
  • Reduzieren Sie den Getreideverzehr deutlich.
  • Meiden Sie künstliche Zusätze in Speisen und Getränken (z.B. Titandioxid (E 171) löst Darmentzündungen aus).

Mikronährstoffe

  • Seien Sie sich bewusst, wie wichtig ein ausgeglichener Mikronährstoffhaushalt ist. Verwenden Sie zu Ihrer Basisversorgung täglich ein natürliches Mikronährstoffkonzentrat, das auch Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10, L-Carnitin und sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  • Tipp: Mikronährstoffpräparate in Saftform kann der Körper deutlich besser und physiologischer verwerten als Pillen oder Pulver.

Bewegung und Entspannung

  • Regelmäßiger Sport kann helfen, Stress abzubauen und das Immunsystem zu stabilisieren.
  • Erlernen Sie ein altersentsprechendes Entspannungsverfahren und führen Sie es regelmäßig durch.
  • Gehen Sie rechtzeitig ins Bett und schlafen Sie genügend um Erholung und Regenration zu fördern.

Weitere Informationen finden Sie online unter:

Deutsche Morbus Crohn Vereeinigung

Quellen anzeigen

1 Fessler B.: Antibiotika bei CED in der Diskussion. CME 2011(12): S. 48
2 Gassull M.A., Cabré E.: Nutrition in inflammatory bowel disease. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2001(4): S. 561-569
3 Kuwabara A. et al.: High prevalence of vitamin K and D deficiency and decreased BMD in inflammatory bowel disease. Osteoporos Int. 2009(6): S. 935-942
4 Lagishetty V. et al.: Vitamin D deficiency in mice impairs colonic antibacterial activity and predisposes to colitis. Endocrinology. 2010(6): S. 2423-2432
5 Iwaya H. et al.: Marginal zinc deficiency exacerbates experimental colitis induced by dextran sulfate sodium in rats. J Nutr. 2011(6): S. 1077-1082
6 Reimund J.M. et al.: Immune activation and nutritional status in adult Crohn’s disease patients. Dig Liver Dis. 2005(37): S. 424-431.
7 Eberhardt M.V., Lee C.Y., Liu R.H.: Antioxidant activity of fresh apples. Nature. 2000 (405): S. 903-904
8 Scrimgeour A.G., Condlin M.L.: Zinc and micronutrient combinations to combat gastrointestinal inflammation. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2009(6): S. 653-660
9 Stremmel W. et al.: Phosphatidylcholine (lecithin) and the mucus layer: Evidence of therapeutic efficacy in ulcerative colitis? Dig Dis. 2010(3): S. 490-496
10 Danese C. et al.: Cardiac involvement in inflammatory bowel disease: role of acylcarnitine esters. Clin Ter. 2011(4): S. e105-e109