Halotherapie: die heilsame Kraft des Salzes

Dass Salz heilsame Wirkung besitzt, war bereits in der Antike bekannt. Die Ägypter nutzten Meersalz, um Entzündungen zu behandeln und Wunden zu trocknen. Bei den Römern ging die Wertschätzung des „weißen Goldes” so weit, dass sie es zum Zahlungsmittel erklärten. Dass auch salzhaltige Luft den Organismus positiv beeinflussen kann, entdeckte der Pole Feliks Boczkowski in den 1830er Jahren. Während seiner Tätigkeit als Grubenarzt fiel ihm auf, dass die Arbeiter in den Salzstöcken im Gegensatz zu den Kumpeln im Kohle- und Erzbergbau von Lungenkrankheiten verschont blieben. 1839 gründete er deshalb in der Salzgrube Wieliczka nahe Krakau das erste Sanatorium.

Heilstollen oder künstliche Salzgrotte

Lange Zeit war die Halotherapie nur in natürlichen Salzstollen oder -höhlen wie im bayerischen Berchtesgaden oder im österreichischen Hallein möglich. Da die Zahl der dortigen Therapieplätze und Betten jedoch begrenzt ist und die Patienten häufig lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, sind in den letzten Jahren viele künstliche Salzgrotten entstanden – zum Beispiel als Zusatzangebot in Kurorten oder als Ergänzung in Wellness-Einrichtungen.

In den Salzgrotten, deren Wände aus massiven Salzplatten bestehen und deren Boden von einer Schicht Salzgranulat bedeckt ist, herrscht ein ähnliches Mikroklima wie in einem natürlichen Salzstock. Insgesamt werden für den Bau einer Salzgrotte je nach Größe 15 bis 40 Tonnen reines Salz verbaut. Dessen Farbe changiert – abhängig vom Herkunftsort – von reinem Weiß über Rot- und Orangetöne bis hin zu beinahe schwarzen Einschlüssen. Dank ausgeklügelten Lüftungsanlagen ist die Luft staub- und allergenfrei und ein Wasservernebler sorgt für eine hohe Luftfeuchte.

Zusätzlich setzt in vielen Salzgrotten eine Gradieranlage Mineralstoffe wie Jod, Magnesium, Calcium und Kalium frei. Die hohe Luftkonzentration von Salz und anderen Mikroelementen sorgt dafür, dass schon ein 45-minütiger Aufenthalt in einer Salzgrotte einem ganzen Tag am Meer entspricht. Damit die Patienten bei relativ kühlen Temperaturen um 20 Grad Celsius auf den Liegen optimal entspannen können, erhalten sie wärmende Decken und manchmal auch Wärmflaschen. Sanfte Musik und warmes Licht verstärken den Erholungseffekt.

Die Halotherapie – unterstützend bei vielen Beschwerden

Der regelmäßige Besuch einer Salzgrotte kann auf Körper und Geist regenerierend wirken. Als besonders wohltuend beschreiben viele Menschen die vollkommene Ruhe: Neben dem Alltagslärm schirmen die zentimeterdicken Salzplatten auch Elektrosmog ab. Es sind vor allem Patienten mit Atemwegserkrankungen, die die heilsame Wirkung des Salzes zu schätzen wissen: Als non-invasive und vollkommen natürliche Methode empfehlen Ärzte und Heilpraktiker die Halotherapie bei Asthma und Bronchitis.

Ebenso können regelmäßige Sitzungen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Allergien positiv beeinflussen. Die antibakteriellen und reinigenden Eigenschaften der Salzluft lassen sich zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten nutzen. Die wohltuende Wirkung auf den Organismus in Kombination mit einer Auszeit vom Alltagsstress macht die Halotherapie auch für Burnout-Patienten interessant. Speziell für gestresste Menschen gibt es in vielen Salzgrotten ergänzende Angebote wie Meditationen, Klangschalen-Therapie oder Yoga.

Von deren erholsamer Wirkung profitiert nicht zuletzt auch, wer unter Bluthochdruck, Migräne oder Schlafstörungen leidet. Dank ihrer sanften Wirkungsweise eignet sich die Halotherapie selbst für kleine Kinder und schwangere Frauen. Nur wenn Sie unter einer Überfunktion der Schilddrüse oder einer Jodallergie leiden, sollten Sie zuerst mit Ihrem Arzt klären, ob ein Besuch in einer Salzgrotte für Sie ratsam ist.

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