Alkoholwahrheiten: Ist Alkohol immer schädlich?

Eine Badewanne voll Alkohol trinkt der deutsche Durchschnittsbürger pro Jahr. Trotzdem spaltet Alkoholkonsum seit Jahrhunderten die Wissenschaft. Was steckt wirklich in der Flasche: Gesundheitsgefahr oder natürliche Medikation?

Giftgebräu am Bartresen

Regelmäßig warnt die WHO (Weltgesundheitsorganisation) vor alkoholbedingten Schädigungen der Leber, des Nervensystems und des Magendarmtrakts. Auch das Risiko für Krebs, Herzerkrankungen und bis zu 60 andere Krankheiten steigt laut der Organisation analog zum Pegel. Zum Schuldträger erklären Forscher das Nervengift Ethanol, das im Gehirn Nervenaktivitäten verändert und Dopmain ausschüttet.

Weil dieser Botenstoff positive Gefühle vermittelt, besteht bei regelmäßigem Konsum Suchtgefahr. Beim Alkoholabbau in der Leber entstehen außerdem Abfallprodukte, die neben Leberentzündungen und Fettlebererkrankung Kater hervorrufen. Weil Alkohol Mangelernährung und Dehydration begünstigt, gehen Alkoholika schon ab zehn Prozent Gehalt auf den Magen. Das gilt nicht zuletzt, weil die Inhaltsstoffe zu Magenübersäuerung führen. Deshalb drohen dem Magendarmtrakt von Viel- und Gelegenheitstrinkern laut WHO Entzündungen der Schleimhäute und Drüsen.

Weil Forscher Entzündungsprozesse mit bestimmten Krebsarten in Zusammenhang bringen, wirft die Organisation dem legalen Rauschmittel mittlerweile sogar die Beteiligung an der Krebsentstehung vor. Andererseits ist Alkohol seit dem Mittelalter Medizin, bleibt bis heute in pflanzlichen Medikamenten enthalten und verlängert unterschiedlichen Studien zufolge in mäßigen Mengen das Leben.

Gesundheitsvorsorge im Weinglas

Die Verwendung von Wein als Arznei hat lange Tradition, die bis zum Anbeginn der Zeitrechnung zurückreicht. In der Haut roter Weintrauben sitzen antioxidative Polyphenole wie Resveratrol, die laut Wissenschaftlern den frühmedizinischen Arzneieinsatz erklären. Bei Polyphenolen handelt es sich um aromatische Verbindungen, denen zahlreiche Studien krankheitsvorbeugende Wirkung bestätigen. Wie sämtliche Antioxidantien schützen die natürlichen Stoffe Ihren Organismus vor freien Radikalen.

Diese aggressiven Sauerstoffmoleküle sind Abfallprodukte des Stoffwechsels, die ungeschützten Zellen Elektronen rauben. Neuere Untersuchungen bringen leichten bis gemäßigten Rotweinkonsum sogar mit vorbeugenden Effekten im Hinblick auf Schlaganfall, Herzinfarkt und Diabetes Typ 2 in Verbindung. Neben Wein enthält auch Bier Antioxidantien. Außerdem tragen B-Vitamine und Mineralstoffe aus Hopfen, Malz und Hefe zum Mythos von der Gesundheitstinktur in der Bierflasche bei. Studien zu den gesunden Nebenwirkungen von gelegentlichem Alkoholkonsum gibt es mittlerweile viele.

Dass Franzosen in Europa erwiesenermaßen die wenigsten Herzkreislauferkrankungen durchleiden, führten Wissenschaftler in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beispielsweise auf Weinkonsum zurück. In jüngster Vergangenheit kamen Forscher der University of Texas außerdem zum Schluss, dass Alkohol das Leben verlängert. Sie hatten Gelegenheitstrinker und Abstinenzler über 20 Jahre begleitet. 60 Prozent der Abstinenzler starben vorzeitig. Bei den Gelegenheitstrinkern waren es fast 20 Prozent weniger.

Alkoholklartext: Nicht in jeder Hinsicht berauschend

Das Journal of Studies on Alcohol and Drugs übt Kritik an vorausgegangenen Studien zu den lebensverlängernden Effekten etwaiger Alkoholika. Den Einwänden zufolge setzt sich die Abstinenzler in den meisten Studien aus Menschen mit Abhängigkeitsvergangenheit oder schweren Erkrankungen zusammen, deren vorzeitiger Tod mit anderen Lebensumständen zu tun hat. Grundsätzlich fordern Experten dazu auf, Untersuchungen mit Vorsicht zu genießen und die Repräsentativität der ausgewählten Teilnehmer zu hinterfragen.

Als erwiesen gilt bislang, dass Ihre Gene Ihre Alkoholtoleranz bestimmen. Nur wenn Sie die Veranlagung zu entsprechenden Folgeerkrankungen haben, verursacht mäßiger Alkoholgenuss in Form von wöchentlich bis zu dreimal 0.3 Litern Bier oder einem kleinen Glas Wein Folgeerkrankungen. Obwohl jede Form von Alkoholgenuss eine narkoseähnliche Stresserfahrung darstellt, verfügen manche Menschen über mehr nervenschützende Faktoren. Frauen ist Vorsicht geboten. Weil der weibliche Körper über geringen Wasseranteil und weniger alkoholabbauende Enzyme verfügt, erreichen Sie als Frau schneller toxische Alkoholkonzentrationen.

Wenn Sie ausnahmsweise zum Bier- oder Weinglas greifen, schaffen Sie durch ausreichende Nährstoffversorgung eine gute Unterlage. Trinken Sie abwechselnd alkoholische und alkoholfreie Getränke und meiden Sie zuckerhaltige Alkoholgemische, die den Abbau von Acetaldehyd hemmen. Gegen Kater hilft neben Schlaf Bewegung an der frischen Luft: und der Vorsatz, zukünftig dem Alkohol fernzubleiben.

Zurück