Nicht das Gelbe vom Ei: Sind Eier ungesund?

Herzinfarkt in der Schale: Das aktuelle Skandal um das Insektengift Fipronil lässt das Ei wieder mal in die Negativschlagzeile rücken. Von hohen Cholesterinwerten und gesättigten Fettsäuren bis hin zu Erreger- und Antibiotikabelastung haben selbsternannte Gesundheitsexperten den tierischen Erzeugnissen in der Vergangenheit regelmäßig Gesundheitsbedrohungen vorgeworfen. Trotzdem essen Deutsche im Durchschnitt mehr als 230 Eier im Jahr. Zeit für einen Blick auf den Gesundheitsmythos mit Schale: Was ist dran an Gesundheitsrisiken im morgendlichen Rührei?

Nährstoffbombe: In Eiern stecken mehr Nährstoffe als gedacht

Unter der Schale von Eiern verbirgt sich ein Nährstoffwunder, das einem ähnlichen Konzept folgt wie die Muttermilch. Das Durchschnittsei enthält rund sechs Gramm Protein und liefert alle essenziellen Aminosäuren. Die tierischen Produkte helfen außerdem Ihrem Mineralstoff- und Vitaminhaushalt auf die Sprünge. Neben Vitamin A, E und sogar D enthalten Eier Beta-Carotin, Folsäure und Riboflavin. Dank hohem Tryptophan-Gehalt machen Eieressen außerdem glücklich.

Der Stoff gilt als Ausgangsmaterial für die körpereigene Herstellung des Glückshormons Serotonin. Mit Carotinoiden wie Lutein und Zeaxanthin tun Eier sogar Ihren Augen gut. Auch als Lieferant von Omega-3-Fettsäuren stellt sich das geliebte Frühstücksei auf den ersten Blick eher als Gesundheitshelfer heraus. Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirken erwiesenermaßen positiv auf die Blutfettwerte, den Blutdruck und das Herzinfarktrisiko.

Der ewige Streit um Eier und den erhöhten Cholesterinspiegel

Stein des Anstoßes ist für Eierkritiker das Eigelb, das neben wichtigen Nährstoffen durchschnittlich 250 Milligramm LDL-Cholesterin enthält. Fest steht, dass hohe LDL-Cholesterinwerte das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten erhöhen. Allerdings sind sich Experten nach internationalen Studien mittlerweile einig, dass statt der Ernährung und dem Cholesterin der Lebensstil und die Gene eine wichtigere Rolle für das Krankheitsrisiko spielen.

Verwirrung besteht bei Konsumenten trotzdem. Forscher des EpidStat Institute widerlegten in einer Studie im Jahr 2016 nicht nur den Zusammenhang zwischen Herzkrankheitsrisiko und Eiern, sondern dokumentierten sogar Korrelationen zwischen vermindertem Schlaganfallrisiko und Eierkonsum. Ein Jahr später setzten US-amerikanischer Ärzte Eier allerdings auf den Index, weil sie bei einer vergleichenden Studie Cholesterinerhöhungen in Folge von Eierkonsum dokumentierten. Der mittlerweile 50 Jahre alte Eierstreit bricht zum wiederholten Male aus.

Deutsche Ärzte entschärfen den Eierstreit

Gegenüber dem Focus äußert sich die Deutsche Herzstiftung mit entwarnenden Worten. Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen gebe es zahlreiche: so neben Bewegungsarmut, Stress, Nikotin und den Genen auch die Ernährung und so bedingtes Übergewicht. Die Stiftung will besonders US-amerikanische Studienergebnisse nicht auf den deutschen Raum übertragen. Esse ein ohnehin schon übergewichtiger und bewegungsarmer Amerikaner zum Frühstück regelmäßig ein typisch amerikanisches Frühstück aus Wagenladungen von Speck, Eiern, Pfannkuchen und Sirup würden neben dem Gewicht auch der Cholesterinwert und das Krankheitsrisiko steigen.

Herzkreislauferkrankungen seien in diesem Fall weniger dem Ei geschuldet, sondern dem Gesamtpaket aus Bratfetten, tierischem Fett und dem Verzicht auf cholesterinsenkende Nahrungsmittel wie Haferflocken, Vollkorn, Hülsenfrüchte oder Obst und Gemüse. Gesunde Einzelpersonen mit normalen Blutfetten nach langjährig reiner Eiernährung beweisen, dass sogar hoher Eierkonsum nicht jedes Individuum krankmacht und die persönlichen Lebensumstände wesentlich wichtiger sind.

Weideeier sind gesünder

Eier aus Angst vor Herzkreislauferkrankungen von Ihrem Speiseplan zu streichen, macht erwiesenermaßen wenig Sinn. Trotzdem bleibt eine Angst bestehen: Die vor Medikamentenresistenzen und antibiotikaresistenten Keimen, wie sie alle Jahre wieder durch Keimfunde unter der Eierschale angeheizt wird. Ob und wann eine Henne mit Medikamenten wie Antibiotika behandelt wird, bestimmt der Veterinär der jeweiligen Geflügelfarm.

Fakt ist: Legehennen erhalten wesentlich weniger Medikamente als Schlachttiere. Keime können in Eiern zwar enthalten sein, durch Kochen töten Sie Erreger aber ab. Wollen Sie die Antibiotikabelastung so gering wie möglich halten, kaufen Sie Wiesen- oder Weideeier aus einem lokalen Freilandbetrieb geringer Größe. Die dort lebenden Tiere finden sich unter besten Bedingungen wieder, wodurch sie weniger krankheitsanfällig sind.

Ein positiver Nebeneffekt: Weideeier enthalten Studien zufolge mehr gesunde Nährstoffe. Neben bis zu acht Mal so viel Beta-Carotin besitzen sie bis zu fünf Mal so viel D-Vitamin wie das Durchschnittsei.

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