Gehirntraining durch Videospiele

Kaum ein Thema spaltet die Nation in solch regelmäßigen Abständen – die Rede ist von Videospielen. Politik und Medien stellen den virtuellen Zeitvertreib gern als die Wurzel allen Übels dar, sei es Übergewicht bei Kindern, Gewaltausbrüche bei Jungendlichen oder fehlende soziale Kompetenzen.Neueste Studien haben nun gezeigt, dass Videospiele eine positive Auswirkung auf die Gehirnentwicklung haben. Betroffen davon sind vor allem die Bereiche der räumlichen Orientierung, Gedächtnisbildung und des strategischen Denkens.

Zusammen mit ihren Kollegen hat Simone Kühn vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer neuen Studie herausgefunden, dass Personen die in ihrem Leben viel Zeit mit Videospielen verbracht haben, ungewöhnlich stark ausgeprägte Hirnstrukturen in manchen Bereichen besitzen. Eine Frage bleibt jedoch noch offen - regen Videospiele das Hirnwachstum an oder interessieren sich Menschen mit besonders ausgeprägten Bereichen für die virtuelle Beschäftigung.

Mehr „Graue Zellen“

Um die Veränderung, ausgelöst vom Gehirntraining durch Videospiele, feststellen zu können ließen die Forscher Erwachsene Personen zwei Monate lang mindestens 30 Minuten „Super Mario 64“ spielen. Nach Ablauf der Versuchsphase wurden die Probanden mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) auf die Strukturveränderungen ihres Gehirns hin untersucht. Nach Auswertung der Daten wurde deutlich, dass die Testpersonen gegenüber einer Kontrollgruppe, die nicht gespielt hat, deutliche Entwicklungsfortschritte in gewissen Bereichen des Gehirns zeigten.

Betroffen waren unter anderem der rechte Hippokampus, der präfrontalen Kortex und gewisse Teile des Kleinhirns. Die genannten Hirnregionen sind vor allem für Orientierung im Raum, Gedächtnis sowie strategisches Denken verantwortlich. Auch die Feinmotorik wird von den betroffenen Zentren gesteuert. Interessant zu beobachten war, dass Personen die Spaß beim Spielen hatten, deutlich bessere Fortschritte aufwiesen. Laut den Wissenschaftlern hat diese Studie nicht nur bewiesen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Videospielen und dem Gehirn besteht – auch die gezielte Möglichkeit der Entwicklung konnte hierbei nachgewiesen werden.

Gehirntraining durch Videospiele: Sinnvolles Maß entscheidend

Auch wenn bereits erste positive Rückschlüsse gezogen werden konnten, lässt sich noch nicht sagen wie sich andere Videospielgenres auf die Gehirnentwicklung auswirken. Die aktuellen Studienergebnisse beziehen sich lediglich auf das Spiel „Super Mario 64“, wobei der Fokus auf räumlichen Vorstellungsvermögen und Geschicklichkeit liegt. Wie bei vielen anderen Bereichen im Leben gilt auch hier der Grundsatz: „Weniger ist oft mehr“. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler gehen davon aus, dass zu viel Zeit vor dem Monitor wiederum negative Auswirkungen auf den Spieler hat.

Hält man jedoch ein sinnvolles Maß ein so eignen sich Videospiele auch für therapeutische Zwecke, wenn bestimmte Hirnregionen beeinflusst werden sollen. Besonders bei Erkrankungen wie Schizophrenie, der posttraumatischen Belastungsstörung oder bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz erhoffen sich die Forscher in Zukunft bessere Therapiemöglichkeiten. Um weitere Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu erlangen, planen die Wissenschaftler zukünftig weitere Studien zu diesem Thema. Hirntraining durch Videospiele könnte die Zukunft sein.

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