Weniger Medikamente durch Bewegung

Alleine in Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an den sogenannten Volkskrankheiten, Adipositas, Diabetes oder Bluthochdruck. Meist werden diese Erkrankungen mit teuren Arzneimitteln behandelt, obwohl dies laut Meinung vieler Wissenschaftler gar nicht nötig sei. Auch Professor Winfried Banzer vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Frankfurt ist ein Befürworter dieser Therapie. Er meint, dass die meisten dieser Zivilisationsleiden auch durch ausreichend Bewegung therapierbar wären.

Vor allem Herz-Kreislauf- und Stoffwechselbeschwerden würde der Mediziner mit einer aktiven Bewegungstherapie behandeln, da allein diese Erkrankungsgruppe ist für rund 70 Prozent der frühzeitigen Todesfälle in der Bundesrepublik verantwortlich. Auch der wirtschaftliche Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, denn ein Großteil der entstehenden Kosten der Krankenkassen, wird von diesen Volkskrankheiten verursacht.

Ausreichend Bewegung ist wichtig für den Organismus

Banzer hält es für verwunderlich, dass die kostengünstigen Alternativen wie Bewegung und Sport so wenig Aufmerksamkeit von Patienten als auch behandelnden Ärzten bekommen. Bestätigung findet der Mediziner in einer Studie aus den Fünfzigern Jahren des letzten Jahrhunderts, bei der nachgewiesen wurde, dass Busfahrer eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, einen Herzinfarkt zu erleiden, als ihre Schaffner-Kollegen die den ganzen Tag auf den Beinen sind.

Auch der Mediziner Bernd Wolfahrt von der TU München ist davon überzeugt, dass regelmäßige Bewegung zur Reduzierung des Medikamentenbedarfs und somit auch der Kosten für die Krankenkassen beiträgt. Ein Beispiel dafür sind von ihm beobachtete Diabetes-Patienten. Je mehr sich die Betroffenen aktiv bewegten, desto geringer fielen für sie Medikamente und andere Behandlungen aus.

Weniger Medikamente durch Bewegung

Wer denkt, dass sich diese positiven Auswirkungen nur bei denjenigen bemerkbar machen, die bereits ihr ganzes Lebens Sport treiben, der irrt. Laut Wolfahrt ist es nie zu spät sein Leben aktiv zu gestalten. Selbst Patienten, die erst in ihrer Rentenzeit Sport für sich entdecken, können ihre Beschwerden deutlich verbessern. Allerdings sollte zu Beginn des bewegungsreichen Alltags immer ein Besuch beim Arzt erfolgen, um feststellen zu lassen für welche sportliche Belastung man geeignet ist. Regelmäßige Bewegung verbessert relativ schnell den Zustand der Blutgefäße und kann sogar bereits entstandene Beschädigungen beheben.

Ebenso Bluthochdruck-Patienten profitieren von einer senkenden Wirkung, die wirksamer ist als bei so manchem Medikament. Zwar ist Sport kein Wundermittel, welches ein Absetzten der Arzneien garantiert, allerdings ist eine Verbesserung beziehungsweise Stabilisierung des Zustands fast sicher.

Mit Sport gegen Diabetes

Auch Diabetiker benötigen in vielen Fällen weniger Medikamente durch Bewegung, da die Wirkung des blutzuckerhemmenden Hormons Insulin dadurch verstärkt wird. Laut Professor Andreas Fritsche von der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin, wird vor allem die Bauchspeicheldrüse durch sportliche Betätigung angeregt, was zu einer vermehrten Insulinproduktion führt. Desweiteren sensibilisiert sich der Körper auf das Hormon und steigert gleichzeitig seinen Zuckerabbau.

Ebenso ist heute bereits bekannt, dass der Wirkstoff Metformin, welcher bei Typ-2 Diabetes-Patienten zum Einsatz kommt, ähnlich wie Sport auf den menschlichen Körper wirkt. Dies konnte durch die gemeinsame Nutzung der molekularen Signalwege im Körper nachgewiesen werden. Jedoch warnt der Mediziner auch davor, Medikamente voreilig abzusetzen nur weil man Sport treibt. Ebenso weist er darauf hin, dass Sport nicht bei allen Patienten die gleichen Ergebnisse liefert. Trotzdem sollte man sich nicht entmutigen lassen, denn Sport wirkt sich auf den gesamten Organismus positiv aus, selbst wenn man in Hinsicht auf eine spezielle Krankheit keine positiven Auswirkungen feststellt.

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