Zeckenimpfung - sinnvoll oder überflüssig?

Der Sommer ist da. Mit im Gepäck hat er Zecken. Wegen Krankheitsübertragungsrisiko ist der in Deutschland verbreitete „Holzbock“ (Ricinus ixodes) ein gefürchteter Parasit. Sein Biss kann neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) die Multisystemerkrankung Lyme Borreliose (Borreliose) auf den Wirt übertragen, welche die am häufigsten vorkommende Zeckenbisskrankheit beim Menschen darstellt. Die schwerwiegendste Folgeerkrankung eines Zeckenbisses ist jedoch die Gehirnhautentzündung im Rahmen der FSME: es sei denn, der Betroffene ist geimpft. Nur was leistet die Zeckenimpfung wirklich?

Zeckenbiss: Impfung für Risikogruppen in Risikogebieten empfohlen

Von Frühling bis zum Herbst herrschen mehr als zehn Grad Celsius. Damit steigt das Risiko für Zeckenbisse in diesen Monaten an. Rund fünf Prozent aller Zecken sind mit dem FSME-Virus infiziert. Ganze 20 Prozent tragen Borreliose-Bakterien in sich. In Süddeutschland liegt das Hauptrisikogebiet für krankheitserregende Zeckenbisse, allerdings breiten sich erkrankte Zecken mittlerweile auch in nördlichen Gebieten aus. Besonders in Risikogebieten und für Risikogruppen wie Waldarbeiter, Landwirte und Haustierbesitzer empfehlen Experten den Impfschutz. Extrem erkrankungsgefährdet sind nach Zeckenbissen Studien zufolge außerdem männliche Senioren, Menschen mit Immundefizit und Kinder. Für Kleinkinder unter sechs Jahren gilt die FSME-Impfung wegen möglichen Impfschäden allerdings als umstritten.

Zeckenimpfung: FSME-Antikörper dank Impfstoff

Obwohl die Zeckenimpfung nicht vor Zeckenbissen schützt und auch Borreliose-Erkrankungen nicht ausschließt, beugt sie zumindest dem FSME-Virus vor. Der Schutz verhindert, dass sich das Zentralnervensystem nach dem Biss von FSME-Zecken mit lebensgefährlichen Folgen entzündet. Sogar wenn solche Entzündungen nicht immer zum Tod führen, können sie Lähmungen, kognitive Einschränkungen oder bleibende Wesensveränderungen zurücklassen.

Wie bei anderen Impfungen baut auch die Gabe des FSME-Impfstoffs eine Immunität auf. Das Immunsystem von geimpften Personen wird mit geringen Mengen der Viren in Kontakt gebracht, um spezifische Antikörper gegen die Krankheitserreger zu bilden.

Nebenwirkungen: FSME-Impfung kann gesundheitsschädliche Folgen haben

Da die Patienten bei der FSME-Impfung mit dem Virus in Kontakt geraten, können in den ersten vier Tagen nach dem Impftermin Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerz, Müdigkeit, Unwohlsein und Magen-Darm-Beschwerden eintreten. Selten kommt es zu Missempfindungen im Sinne von Taubheitsgefühlen und Kribbeln. Häufiger sind Muskelzuckungen, Schmerzen und Rötungen an der Einstichstelle. Neue Impfstoffe sind jedoch mit wesentlich weniger Gefahren verknüpft. Nichtsdestotrotz müssen Risiko und Nutzen einer FSME-Impfung immer genau gegeneinander abgewogen werden.

FSME-Impfung: Ablauf entspricht meist einer Dreiphasen-Impfung

Die FSME-Schutzimpfung erfolgt seltener in zwei und bevorzugt in drei Gaben des Impfstoffes. Die zweite Impfung wird jeweils ein bis drei Monate nach dem ersten Impftermin angesetzt. Für die dritte Impfung wartet der Arzt bis zu einem Jahr. Auf diese Weise baut der Körper einen Langzeitschutz auf. Die geimpfte Person ist damit für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren immun gegen die Erreger. Schnellimpfungen sind bei kurzfristigen Reisen in FSME-Risikogebiete eine Option.

Eine Grundimmunisierung lässt sich per Titer-Bestimmung im Serum nachvollziehen, allerdings ist kein Antikörper-Schwellenwert definiert, der längere Zeit nach der Grundimmunisierung einen definitiven Impfschutz markiert. Ab welchem Titer der Schutz nicht mehr vorhanden ist, bleibt ebenfalls unklar.

SME-Impfkosten: Krankenkasse zahlt für Risikogruppen

Die Krankenkasse trägt vor allem dann die Kosten für FSME-Impfungen, wenn es um Risikogebiete geht. Auch bei Reisen in solche Areale sind die Impfkosten durch die Kasse meist vollständig gedeckt. Dasselbe gilt bei Personengruppen, die berufsbedingt häufiger mit Zeckentieren in Kontakt geraten. Die Höhe der Behandlungskosten hängt vom Preis des jeweils eingesetzten Impfstoffes und den arztspezifischen Zusatzkosten ab. Durchschnittlich liegt der Preis bei rund 60 Euro pro Impfdurchgang.

Alternativen: FSME-Impfung ist nicht die einzige Präventionsmöglichkeit

Obwohl Experten von der Unmöglichkeit sprechen, Zeckenbissen sicher vorzubeugen, verfolgen gerade Nichtrisikopatienten mit wenig nennenswertem Zeckenkontakt statt der risikobehafteten Zeckenimpfung lieber Vorsichtsmaßnahmen. Beim Aufenthalt in hohem Gras oder Waldgebieten sind beispielsweise lange Hosen und langärmelige Oberteile zu tragen. Ideal ist die Farbe weiß, auf der die Parasiten noch vor dem Biss gesichtet werden können.

Die Kleidung sollte bei entsprechenden Outdoor-Aktivitäten regelmäßig gut abgeschüttelt werden. Idealerweise suchen sich Gruppen gegenseitig auf die Parasiten ab. Kommt es zu einem Zeckenbiss, muss der Parasit so schnell und fachmännisch wie möglich entfernt werden. Je schneller und umsichtiger das Vorgehen, desto unwahrscheinlicher eine FSME-Infektion. Tritt die sogenannte Wanderröte um die Stichstelle auf, so ist die umgehende Kontaktaufnahme mit einem Arzt angezeigt. Da die FSME-Impfung nicht vor Borreliose schützt, sind die Bissvorbeugemaßnahmen auch für geimpfte Personen relevant.

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