Nach einem langen Tag nach Hause kommen und die Schuhe ausziehen – was für ein befreiendes Gefühl, wenn die Füße sich endlich wieder frei bewegen können. Oder gehören Sie auch zu den Menschen, die es im Sommer genießen, barfuß über das Gras zu gehen? Hier erfahren Sie, warum häufiges Barfußlaufen aus orthopädischer Sicht sehr empfehlenswert ist.

Schuhe tragen versus Barfußlaufen

Ursprünglich war der Mensch ein Barfußläufer, bis er dazu übergegangen ist, sich als Schutz Felle um die Füße zu wickeln und später Schuhe zu tragen. Mit diesen lassen sich zwar Verletzungen durch spitze Steine oder Scherben verhindern, jedoch sorgen die starren Sohlen auch dafür, dass der Fuß verkümmert: Werden die Füße stets platt mit der Ferse zuerst aufgesetzt, haben die Muskeln im Vorder- und Mittelfuß nichts zu tun und werden kaum trainiert. Anders beim Barfußlaufen: Dabei federt der vordere Fußteil bei jedem Schritt mit ab und Fußgelenke, Knie, Hüfte und Rücken werden entlastet.

Warum ist Barfußlaufen gesund?

Barfußlaufen trainiert die Haltemuskulatur der Füße. So lassen sich beispielsweise die Symptome eines Senkfußes verbessern oder die Spannung in Krallenzehen reduzieren. Außerdem haben starke Füße einen positiven Einfluss auf die gesamte Körperhaltung: Schließlich sorgt schon der niedrigste Absatz dafür, dass der Bodenkontakt verlorengeht. Haben die Füße dagegen unmittelbare Bodenhaftung, stellt sich eine höhere Sicherheit ein. Wer achtsam barfuß läuft, wird die Abrollbewegung des Fußes ganz bewusst wahrnehmen und auch die Bewegung in Hüfte und Rücken spüren. So entwickelt sich ein signifikant intensiveres Körpergefühl und Sie werden sich insgesamt beweglicher und flexibler fühlen.

Ein wichtiger Nebeneffekt des Barfußlaufens: Auch Ihre Fußreflexzonen werden stärker angeregt. Dadurch lösen sich unter anderem Blockaden im Körper und der Stoffwechsel kommt besser in Schwung.

Das Barfußlaufen richtig trainieren – so geht’s

Gesund wird Barfußlaufen erst, wenn die Fußmuskulatur stark ist. Haben die Muskeln lange Zeit in Schuhen dahinvegetiert, müssen sie langsam aufgebaut werden. Erst dann sind sie in der Lage, ihre Funktion wieder vollumfänglich zu erfüllen. Andernfalls kann es zu unangenehmem Muskelkater oder sogar dauerhaften Fehlstellungen kommen.

Haben Sie bisher im Berufs- und Privatleben fast ausschließlich Schuhe getragen, sollten Sie zum Trainingseinstieg nur zweimal in der Woche für eine halbe Stunde barfuß laufen – am besten auf einem weichen Untergrund wie einer Wiese, einem Waldweg oder auf Sand. Gibt der Boden bei jedem Schritt etwas nach, erfolgt der Muskelaufbau sehr sanft.

Bedenken Sie außerdem, dass Sie sich als Barfußläufer ein neues Bewegungsmuster aneignen müssen. Am besten rollen Sie bei jedem Schritt von der Ferse zum Ballen hin ab. Stellen Sie sich dabei vor, Sie würden wie eine Marionette von Fäden am Kopf nach oben gezogen.

Ist die Fußmuskulatur bereits kräftiger geworden, dürfen Sie auch auf harten Fußböden oder Asphalt barfuß laufen. Um den Muskelaufbau zu beschleunigen, könnten Sie zusätzlich im Sitzen trainieren. Eine gute Übung ist zum Beispiel, ein Taschentuch oder einen Farbstift mit den Zehen zu greifen und hochzuheben.

Sind Barfußschuhe empfehlenswert?

Barfußschuhe schützen mit einer sehr dünnen Gummisohle die Füße vor Verletzungen durch spitze Steine oder Glasscherben. Der obere Schuhteil ähnelt einer Socke. Damit behalten die Füße ihre maximale Beweglichkeit. Die Zehen werden nicht eingeengt und das Aufsetzen des Fußes erfolgt ohne Dämpfung.

Grundsätzlich könnte auch eine sehr feste Hornhaut, wie sie im Laufe der Zeit durch das Barfußlaufen entsteht, die Schutzfunktion wahrnehmen. Jedoch entstehen gerade in dicker Hornhaut häufig Risse, die wiederum andere Beschwerden nach sich ziehen. Barfußschuhe stellen daher ein sehr sinnvolles Equipment dar.

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