Donnerwetter: Kann Wetter krankmachen?

Das weltweit beliebteste Thema für Smalltalk und immer gerne der Anlass für Nörgelei ist neben dem eigenen Wohlbefinden die Wetterlage. Dass die Gesundheit eng mit dem Wetter zusammenhängt, wussten Pioniere wie Medizinvater Hippokrates schon in der Antike. Wissenschaftliche Studien gibt es zu den damals vermuteten Zusammenhängen zwischen Klima- und Gesundheitslage inzwischen zuhauf. Der Blick darauf verrät, welches Wetter wirklich gesund ist.

Wenn Gesundheitseinbrüche das Wetter vorhersagen

Nebel drückt die Stimmung, Sonne lindert Verstimmungen und Schnee gilt als Motivationskiller. Ähnlich wie die Wetterlage das psychische Wohlbefinden beeinflusst, verändern Wetterwechseln die physiologische Konstitution. Laut repräsentativen Umfragen ist ein Viertel aller Deutschen wetterfühlig: zum Großteil mit alltagsbeeinträchtigen Symptomen. Mit Schwindel, Herzrhythmusstörungen bis hin zu Atembeschwerden und Gliederschmerzen bis Migräneanfällen erleben wetterfühlige Personen kurz vor und bei schnellen Wetterumschwüngen unspezifische Krankheitsanzeichen.

Besonders oft leiden laut aktueller Forschung chronisch kranke und ältere Menschen an Wetterfühligkeit. Dass Schwankungen des Umgebungsklimas das Wohlbefinden zum Schwanken bringen, liegt an natürlichen Anpassungsversuchen, mit denen der Körper auf Temperatur- und Luftdruckveränderungen reagiert. Diese Reaktionen sind lebenswichtig, um ideale Zellmilieus beizubehalten und die notwendigen Bedingungen für Körperkernfunktionen wie den temperaturabhängigen Hormon- und Blutkreislauf aufrechtzuerhalten.

Was Wetter aus dem Gespür vertreibt

Gleichwarmen Lebewesen wie dem Menschen drohen bei starken Abweichungen von der vorgesehenen Körpertemperatur Funktionsbeeinträchtigungen hinsichtlich der inneren Organe. Damit sich die Kerntemperatur durch den ununterbrochenen Wärmeaustausch mit der Umgebung nicht zu weit vom durchschnittlichen Sollwert in Höhe von 37 Grad Celsius entfernt, reagiert das Thermozentrum im Hypothalamus auf sich verändernde Umgebungstemperaturen mit Wärmegewinnungs- und Wärmeabbauprozessen. Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von der Körperkonstitution ab und sinkt unter Belastungen wie Erkrankungen und Stress, woraus sich Anpassungsschwierigkeiten ergeben.

Dadurch rufen schnelle Wetterumschwünge Überlastungserscheinungen hervor. Zur Vorbeugung empfehlen Apotheken neben regelmäßigen Kneipp-Anwendungen wie wechselwarmen Duschen Bewegung an der frischen Luft und ausgewogene Vitalernährung. Zusätzlich begegnen Sie psychischem idealerweise mit Entspannungstechniken wie Yoga, um das Überlastungsrisiko zu reduzieren.

Welche Wetteraussicht die Gesundheitsaussicht verbessert

Obwohl konstitutionsstabilisierende Maßnahmen Anpassungsschwierigkeiten des Thermozentrums verbessern, wirken sie nicht gegen Wetterempfindlichkeit. In Abgrenzung zur Eigensymptomatik wetterfühliger Personen definieren Wissenschaftler die Wetterempfindlichkeit als wetterbedingte Verschlechterung von ohnehin bestehenden Symptomen, die nicht zwingend auf schnellem Wetterwechsel beruht. Im vergangenen Jahr sind Studien einer Londoner Forschergruppe zu dem Schluss gelangt, dass die Idealumgebungstemperatur aus physiologischer Sicht 22 Grad Celsius beträgt.

Gemäßigte Klimabedingungen lassen chronisch Kranke dementsprechend geringere Symptomverschlechterungen erleben als extreme Klimazonen. Diese Beobachtung bestärkt vorausgegangene Studien in der Erkenntnis, dass Wetterextreme wie Schwüle sowie intensive Kälte- und Sonnenreize körperlichen Schwerststress bedeuten. Die Basis dafür bildet der höhere Energieaufwand, den Ihr Organismus unter Extrembedingungen zum Funktionserhalt betreibt. Mit vorgesehenen Herzkreislauf- und Muskelreaktionen leeren sich bei Thermoregulierungsprozesse die Energiespeicher, worunter das körperliche Wohlbefinden leidet.

Wenn am Himmel Gesundheitsbelastung aufzieht

Dass Extremwettereinflüsse wie starke Hitze oder Kälte die Beschwerden von Herzpatienten verschlechtern, hängt mit natürlichen Kontraktions- und Dilatationsreaktionen des Blutsystems zusammen. Leichte Bewegung schafft nach ärztlicher Rücksprache Abhilfe. Gelenk- und Muskelbeschwerden verschlimmern sich bei kaltem Wetter in Folge kältereaktiver Muskelverspannungen und bessern sich bei Wärmebehandlung. Dass Schnee und Eis Lungenpatienten mehr husten lässt, liegt im Vergleich dazu an Atemwegreizungen durch kalte Luft und lässt sich durch Atemtechniken lindern.

Weil die Haut unter Kälteeinwirkung weniger Talg produziert, verschlimmert Winterklima auch die Beschwerden von Patienten mit Hauttrockenheit und Neurodermitis. Dasselbe gilt bei bestimmten Magendarmerkrankungen, da reaktive Darmbewegungen zur Wärmegewinnung Durchfall begünstigen. Im Gegensatz dazu verschlechtert Hitze neben Herzkreislaufsymptomen die Beschwerden von Entzündungspatienten und beschleunigt Infektionen bei der Ausbreitung. Trotzdem erkennen Studien in kältereaktiven Wärmegewinnungsanstrengungen der Körpersysteme höhere Gesundheitsrisiken.

Indem Wärmegewinnungs- und Wärmeabbauprozesse Ihren Körper unter Stress setzen, beeinträchtigen sie Ihre Immunleistung. Dadurch werden Sie für Krankheitsreize empfänglicher. Die erwiesenen Zusammenhänge zwischen Wetter und Gesundheit lassen Experten der WHO mittlerweile regelmäßig auf die Gesundheitsrisiken des Klimawandels hinweisen, der bereits heute spürbare Auswirkungen auf die Weltgesundheit zeigt und in WHO-Studien der jüngsten Vergangenheit eine Schlüsselrolle einnimmt.

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