Saunagänge gegen Wintergrippe? Wir erklären, wie Schweißtreiben beim Gesundbleiben hilft und inwieweit Sie Erkältungen statt aussitzen ausschwitzen können.

Heiße Angelegenheit: Wieso Schweiß dem Körper guttut

Schweiß reimt sich nicht zufällig auf heiß. Ihr Gehirn bringt Sie ins Schwitzen, damit in Milieus wie dem Blutsystem konstante Idealbetriebstemperaturen herrschen. Bei körperlicher Überwärmung in Folge hoher Umgebungstemperatur senkt das Wärmeregelzentrum im Hypothalamus den Grundspannungszustand im sympathischen Nervensystem.

Dieses Signal erweitert Ihre Gefäße, wodurch bessere Durchblutung herrscht und höherer Wärmeaustausch erfolgt. Indem die mit dem sympathischen Nervensystem verbundenen Schweißdrüsen währenddessen höhere Sekretmengen abgeben, schwitzen Sie. Auf Ihrer Haut verdunstet der Schweiß, wodurch Kühleffekte in Folge von Verdunstungskälte entstehen. Schweiß hält Ihren Körper auf diese Weise bei Hitze funktionsfähig, aber wieso ist Schwitzen gesund?

Gesundheitsschweiß: Wieso ist Schwitzen gesund?

So unschön Schweißflecken aussehen, so gesund ist Schwitzen. Seit finnische Langzeitstudien wöchentlichen Saunagängern reduziertes Herzinfarktrisiko bestätigen und wieder Forscher Korrelationen zwischen der Stärke des Immunsystems und der Höhe täglich abgegebener Schweißmengen feststellten, eilt dem Schweiß längst nicht mehr nur der üble Ruf seines üblen Geruchs voraus. Weil Sie beim Schwitzen neben Talg Giftstoffe an die Hautoberfläche abgeben, tropfen mit dem Schweiß hohe Belastungen von Ihrem Organismus.

Neben Harnstoff, Ammoniak und Blei schwitzen Sie Säure, aggressive Sauerstoffverbindungen und Konsumgifte aus. Indem Schweiß Glückshormone löst, hebt Schwitzen außerdem die Laune und tut deshalb auf psychosomatischer Ebene gut. Ebenso gesundheitsförderlich sind die regulatorischen Effekte schweißtreibender Stunden. Sobald sich die Haut zwischen drei und zehn Grad erwärmt, weiten sich die Blutgefäße. Dadurch pumpen stark schwitzende Körper die doppelte Blutmenge durch die Adern, womit das Herz mehr Nährstoffe und Sauerstoff erhält.

Durch die regulatorischen Effekte im Hinblick auf das Blutsystem hält Schwitzen Ihre Adern beweglich und stärkt so Ihr Herzkreislaufsystem. Obwohl Gesundheitsexperten regelmäßige Schwitzgänge deshalb zur Gesundheitsvorsorge empfehlen und Sie Erkältungen natürlicherweise schwitzen lassen, scheiden sich die Geister am Gesundheitspotenzial forcierten Schwitzens während Erkrankungen.

Krankheitshitze: Deshalb schwitzt man bei Erkältung

Vermehrter Schweißabgabe bei Erkältung liegt derselbe Prozess zugrunde wie dem Schwitzen bei steigender Außentemperatur. Statt der äußeren Hitze schwillt bei Erkältungen die innere Hitze an. Durch Temperaturanstiege stellt Ihr Körper ein ungünstiges Milieu für Krankheitserreger her, wodurch der Hypothalamus zum Erhalt der idealen Betriebstemperatur Schwitzen einleitet. Abwehrzellen wie Lympho- und Granulozyten steigern ihre Aktivität allerdings erst in Temperaturbereichen zwischen 38 und 41 Grad Celsius.

Dadurch steigt bei der Bekämpfung von Viren und anderen Keimen die Immunantwort zusammen mit den Körpertemperaturen und der Schweißabgabe. Neben Erkältungen und Grippe gehen auch Entzündungsprozesse mit Temperaturanstiegen einher, da Entzündungen die Ausschüttung bestimmter Fieberstoffe (Pyrogene) verursachen. Hiervon zu unterscheiden ist Kaltschweißigkeit, die als Indikator körperlicher Schockzustände beispielsweise bei starker Unterkühlung oder Vergiftung auftritt.

Schweißtreibende Heilung: Wie kann man Erkältungen ausschwitzen?

Obwohl Ihr Körper Erkältungen und Infektionen in gewisser Hinsicht ausschwitzt, zweifeln viele Mediziner und Forscher an Krankheitstherapien in Form mutwillig herbeigeführter Schweißausbrüche. Ausschwitzbar sind Viren als Ursache einer Erkältung nicht. Dass die Heilung von Infekten in vielen Fällen mit vermehrter Schweißabsonderung einhergeht, hängt nicht mit dem Schweiß an sich zusammen. Stattdessen sind Steigerungen der Immunaktivität verantwortlich.

Obwohl Sie Ihre Immunlage und Durchblutung durch Wärmeinwirkung von außen verbessern, ist von echten Schwitzkuren gerade bei schwereren Infekten eher abzuraten. Besonders bereits eingetretenes Fieber signalisiert, dass die Bekämpfung der Krankheitserreger Ihrem Organismus alles abfordert. Jeder Infekt stellt eine körperliche Belastung dar. Dasselbe gilt für hypothalamisch eingeleitete Temperaturerhöhungen.

Durch schweißtreibende Saunagänge oder intensiven Sport forciertes Schwitzen kann in diesem Fall eine abwehrschwächende Mehrbelastung darstellen, die den Kreislauf überlastet. Schweißtreibende Tätigkeiten mit kreislaufbelastenden Nebeneffekten können bei bakteriellen Infektionen durch erhöhte Durchblutung eine Verschleppung der Krankheitserreger zur Folge haben, die im Extremfall Herzmuskelentzündungen begünstigt. Führen Sie sich bei Bettruhe höchstens leichte Wärme von außen zu, indem Sie auf Heizkissen, warme Kleidung, Wärmeflaschen und Heißgetränke zurückgreifen.

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