Schreikind: Was tun, wenn Babys ständig schreien?

Wenn das Baby brüllt, herrscht Alarmstufe Rot. Frischgebackene Eltern entwickeln in solchen Fällen oftmals die kreativsten Beruhigungsansätze. Doch bei Schreibabys verzweifeln die meisten der Eltern. Denn obwohl sie die Wohnung bis hin zur ganzen Welt auf den Kopf stellen, schreit der Säugling weiter. Neuere Studien beschäftigen sich mit den Ursachen und geben Tipps zum Umgang mit Schreikindern.

Kein grundloses Geschrei: Wieso Schreibabys brüllen

Babys brüllen normalerweise bis zu zwei Stunden pro Tag. Dadurch verleihen sie Bedürfnissen wie Hunger oder Müdigkeit Ausdruck. Während die Bedürfnisbefriedigung das Geschrei der meisten Säuglinge beendet, brüllen Schreibabys trotz Füttern, Wickeln, Spielen, Kuscheln oder Baden weiter. Sie schreien auf dem Arm, während dem Essen und manchmal sogar im Halbschlaf. Frustration und Zweifel an der eigenen Person sind die natürliche Reaktion betroffener Eltern. Der erste Gang führt zum Kinderarzt.

Findet dieser keine körperlichen Ursachen für das Geschrei, stellt er womöglich die Diagnose nach dem Dreisatz von Yale-Professor Morris Wessel auf exzessives Schreien. Hiervon betroffen sind definitionsgemäß alle Säuglinge, die an drei oder mehr Tagen pro Woche ohne erkennbare Ursache für mindestens drei Stunden schreien und das in mindestens drei aufeinanderfolgenden Wochen. Aktuelle Studien beschäftigen sich mit den Hintergründen des Phänomens, um Eltern Lösungsansätze an die Hand zu geben.

Wie Blähbauch und Brüllen zusammenhängen

Aus klinischer Sicht lässt sich an vielen Schreibabys ein auffällig aufgeblähter Bauch nachweisen. Jedes zehnte Schreikind brüllt wegen Intoleranzen des noch unterentwickelten Säuglingsdarms (Dreimonatskolik). Streichen Sie bei Laktoseintoleranz und anderen Unverträglichkeiten dieser Art entsprechende Lebensmittel vom Babyspeiseplan. In der Stillzeit verzichten Mütter außerdem selbst auf die unverträgliche Nahrung. Statt entblähenden Medikamenten empfehlen Experten zur weiterführenden Therapie sanfter Behandlungsansätze wie Massagen oder den Gang zum Naturheilpraktiker.

Obwohl Tests auf Intoleranzen bei exzessivem Geschrei immer empfehlenswert sind, liegt die Ursache des Blähbauchs nicht immer im Magendarmtrakt. Schreibabys schlucken während Schreianfällen Luft, die sich im Darm ansammelt. Dadurch ist der Blähbauch nicht die Ursache, sondern vielmehr ein verbreitetes Symptom. Mittlerweile erkennen die meisten Forschungsteams den Grund für exzessives Geschrei in Überforderungen durch regulatorische Störungen.

Wieso Schwangerschaftsstress Schreikinder hervorbringen kann

In der Säuglingszeit lernen Babys die vielfältigen Sinnesreize einer bisher unbekannten Welt kennen. Je mehr Reize auf Ihren Nachwuchs einprasseln, desto eher wird aus Situationen Überforderung. In einem Bericht der Ärzte-Zeitschrift "British Medical Journal" beziehen sich Forscher auf aktuelle Studien, die vorübergehende Reifungsverzögerungen der reizverarbeitenden Gehirnareale für exzessives Gebrüll verantwortlich machen. Stress- und Angstzustände während der Schwangerschaft gelten als mögliche Erklärung für die verzögerte Entwicklung.

In der Mehrzahl aller gesichteten Forschungen ist von einer angeborenen Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen die Rede, die sich im Laufe der Gehirnreifung zusehends bessert. Viele der betroffenen Eltern berichten nach den ersten sechs Monaten von einem Rückgang des Geschreis und beschreiben Ruhe als zentralen Bewältigungsfaktor für das erste Halbjahr.

Gelassen trotz Gebrüll: Wie Sie Ihr Schreikind beruhigen

Babys mit regulatorischen Störungen brauchen nach wissenschaftlicher Einschätzung viel Unterstützung seitens der Bezugspersonen, um mit den Reizüberforderungen umzugehen. Strukturieren Sie den Alltag Ihres Säuglings, indem Sie einen monotonen Tagesablauf mit wiederkehrenden Ritualen planen. Neben regelmäßigen Tagesrhythmen hilft aktuellen Erkenntnissen zufolge körperliche Nähe. Dasselbe gilt für tiefe Brummtöne, Geduld und Gelassenheit. Doch letztere beiden Faktoren sind für Eltern die größte Herausforderung.

Lokale Schreiambulanzen und organisierte Selbsthilfegruppen unterstützen Sie beim Umgang. Gönnen Sie sich regelmäßig Auszeiten, um die Nerven zu bewahren. Experten empfehlen außerdem Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga und Sport. Je gelassener Sie auf das pausenlose Geschrei reagieren, desto sicherer fühlt sich Ihr Baby in der überfordernden Umgebung. Dadurch geht die Intensität der Schreianfälle zurück. Der erste Schritt ist beim Umgang mit Schreibabys die Bewältigung Ihrer Selbstzweifel. Neben Schreiambulanzen helfen Ihnen Psychologen dabei, neues Selbstbewusstsein aufzubauen.

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