Virus erhöht Lebenserwartung bei Leberkrebs

Wissenschaftlern aus San Francisco ist ein vermeintlicher Durchbruch in der Erforschung von Leberkrebs gelungen. Sie konnten eine gentechnisch veränderte Version des Vaccinia-Virus herstellen, welches Patienten, die schwer an Leberkrebs erkrankt sind, eine dreimal längere durchschnittliche Lebenserwartung verspricht.

Injektion ins Blut wirksam

Besonders nennenswert sind dabei die relativ geringen Nebenwirkungen, die lediglich mit einer Grippe zu vergleichen sind und in keinem Vergleich zu herkömmlichen Chemo stehen. Um aussagekräftige Ergebnisse zu erlangen, wurden 30 Personen mit hepatozellulärem Leberkarzinomen von den Forschern behandelt. Jeder der Patienten erhielt innerhalb eines Monats drei Dosen des neuentwickelten Virus direkt in die Leber beziehungsweise in das Leberkarzinom, wobei einer Hälfte der Patienten eine starke und der anderen Hälfte eine schwache Dosis verabreicht wurde. Dies hatte zur Folge, dass die Testpersonen jeweils etwa 6,7 beziehungsweise 14,1 Monate länger überlebten als zunächst angenommen.

Bereits früher durchgeführte Tests mit herkömmlichen Medikamenten oder einer Chemo, konnten die Lebenserwartung der Patienten durchschnittlich nur drei Monate verlängern. Selbst 2 Jahre nach der Behandlung mit der starken Dosis waren noch zwei Studienteilnehmer am Leben, was in der Medizinwelt für Aufruhr gesorgt hat, da die normale Lebenserwartung um das Vielfache überschritten worden ist. Das Virus war nicht nur für eine Verkleinerung des Leberkrebs verantwortlich, sondern reduzierte durch seine Ausbreitung im ganzen Körper auch die Nebentumore. Laut David Kirn, dem wissenschaftlichen Leiter der Studie kam es teilweise sogar zu einer kompletten Auflösung mancher bösartiger Tumore.

Unter zahlreichen MRI-Scans war nachweisbar, dass das Virus sowohl Primär- als auch Sekundärtumore in gleichem Maße angreift und zerstört. Aufgrund dieser Tatsache planen die Forscher weitere Studien, welche bestätigen sollen, dass eine mögliche Injektion des Virus in die Blutlaufbahn effektiver ist als die herkömmliche Art der Verabreichung.

Um dem neuentwickelten Virus die Fähigkeit zu geben, sich teilende Zellen zu erkennen und somit die Wahrscheinlichkeit der Infizierung von gesundem Gewebe zu verringern, wurde dem Virus ein Gen, das für das Enzym Thymidinekinase kodiert, entfernt. Aufgrund dieser gentechnischen Veränderung greift das Virus nur noch von Krebs befallenes Gewebe, wie zum Beispiel ein Leberkarzinom, an.

Verbesserung der Lebenerwartung nicht bei allen Patienten

Zusätzlich trägt das Virus weitere Gene in sich, die den menschlichen Körper bei Krebs stärken. Eines produziert beispielsweise den Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktor, ein Protein, welches entscheidend dazu beiträgt, vermehrt weiße Blutkörperchen im Falle einer Infektion zu bilden. Ein anderes Gen fördert die Produktion des Proteins Lac-Z, das normalerweise nicht im Körper vorkommt, aber bei der Markierung infizierter Zellen behilflich ist. Laut dem Wissenschaftler Laurent Fischer haben bis zum heutigen Tage etwa 200 Patienten das Virus erhalten.

Auswertungen dieser Fälle zeigen das Potential der Behandlung auch bei anderen Formen von Krebs wie Nieren- oder Hautkrebs, erfolgreich zu sein. Trotzdem warnt Fischer voreilig zu handeln, da die Massenverträglichkeit des Virus noch nicht unter Beweis gestellt worden ist. Allerdings könnten, druch weitere Forschungsarbeit, die Heilungschancen und Lebenserwartung bei Leberkrebs und andern Krebserkrankungen deutlich verbessert werden.

Zurück