Nach Burnout Boreout: Kann Langeweile krankmachen?

Zu viel Leerlauf am Arbeitsplatz ist kein Zuckerschlecken. Neben der Belastungsform Burnout findet mittlerweile auch das unterforderungsbasierte Phänomen Boreout Einzug in psychologische Praxen. Viele Experten sprechen bei den beiden Belastungsarten von zwei Seiten derselben Medaille. Ausgebrannt durchs Nichtstun: Was ist dran am Burnout wegen Boreout?

Burnout lässt Sie im Feuer der Überforderung ausbrennen

Burnout ist ein Krisenmanifestationsweg, der mit Erschöpfung und Überforderungsgefühlen einhergeht. Statt einer anerkannten Krankheitsdiagnose beschreibt das Phänomen einen Umstand, der Erschöpfungsdepressionen begünstigt. 2016 berichtet die DAK vom Allzeithöchststand für Arbeitsfehltage durch Burnout. Obwohl sich das Situationsphänomen definitionsgemäß aufs Berufsleben bezieht, erkennen Experten die Gründe für steigende Burnout-Anfälligkeit in den Zeitumständen.

Statt Arbeitsstress allein sind der Erfolgsdruck der Leistungsgesellschaft, die Reizüberflutung des Technologiezeitalters und die Zukunftssorgen der Gesellschaftskrisenzeit für steigende Burnout-Fälle verantwortlich. Zusammengenommen schaffen die Zeitumstände Dauerherausforderungen, worauf der menschliche Körper mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol reagiert. Diese Hormonreaktion gleicht einem Leistungskatalysator und richtet neben dem Fettstoffwechsel das Herzkreislaufsystem auf Stressbewältigung aus.

Stress auf dem Herzen?

Während stresshormonelle Körperreaktionen in akuter Gefahrensituation Kampf- sowie Fluchtimpulse unterstützen und dadurch das Überleben sichern, bedrohen dauerhaft hohe Stresshormonspiegel das Leben. Weil weder Flucht noch Kampf bei anhaltenden Gegenwartsherausforderungen angemessene Bewältigungsstrategien sind, fallen die Stresshormonspiegel entgegen des physiologischen Plans nicht wieder ab und machen deshalb krank.

Im Jahr 2016 legten Studien auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin Zusammenhänge zwischen erhöhten Konzentrationen des Stresshormons Cortisol und koronalen Herzerkrankungen nahe. So wie Burnout-Situationen mit Stresshormonen vergiften, tut es auch das Stressphänomen Boreout. Als Erstbeschreiber des Unterforderungsstressphänomens nennen Werder und Rothlin mit Lustlosigkeit, Ermüdung, Leere und psychosomatischen Erkrankungen dieselben Symptome, die Burnout charakterisieren.

Boreout: Überfordert mit Unterforderung

Bei Boreout handelt es sich um quälende Langeweile durch die unfreiwillige Verdammnis zur Untätigkeit, die Betroffene aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust anhand aufwendiger Strategien vertuschen. Mit schätzungsweise 15 Prozent betrifft Boreout sogar mehr Arbeitnehmer als Burnout. Dass trotz Langerweile am Arbeitsplatz das Stresspotential steigt, bestätigt ein BAUA-Stressreport aus dem Jahr 2012. Stress steht im Stresszeitalter ebenso für Leistungsfähigkeit wie Überlast für Arbeitserfolg. Angesichts des gesellschaftlichen Leistungsdrucks entwickelt sich aus fehlenden Leistungschancen eine Stresskrise.

Burnout und Boreout sind damit zwei gegensätzliche Wege in die Stressüberlastungssituationen. Statt an Aufgabenfülle liegen Überforderungsgefühle von Boreout-Betroffenen an empfundener Sinn- und Nutzlosigkeit. Weil Arbeitsstress im Leistungszeitalter gesellschaftsfähiger wirkt als Unterforderung, überzeugen sich unterlastete Arbeitnehmer anhand ihrer Vertuschungsstrategien oft von imaginären Stressbelastungen. Trotzdem bleibt das Eingeständnis von Unterforderung der erste Schritt aus der Krise, falls Sie sich "ausgelangweilt" fühlen.

Fordern Sie sich glücklich

Die Weltgesundheitsorganisation weist für Arbeitsplatzunterforderung auf Korrelationen zu Folgeerkrankungen wie Infekten, Erschöpfungszuständen und Magendarmbeschwerden hin. Dass Über- und Unterlastsituationen nach ähnlichen Prinzipien krankmachen, beschrieb die Psychologie unter Schlagwörtern wie qualitativer Unter- und Überforderung lange vor Wortkreationen wie Burn- und Boreout. Zur Unterforderungsstressprävention empfehlen Experten neben Abwechslung die Auseinandersetzung mit Perspektiven. Falls Sie sich in der Arbeit tödlich langweilen, halten Sie in der Freizeit idealerweise Ihren Selbstwert aufrecht.

Gelingen kann das, indem Sie Fortbildungen oder Abendschulen besuchen. Einerseits bestätigen Sie sich damit Ihre Leistungsfähigkeit und verbessern andererseits Zukunftsperspektiven. Falls Boreout an fehlender Identifikation mit Ihrem Arbeitsplatz liegt, sind Umschulungen mit anschließendem Arbeitgeberwechsel eine Krisenlösungsoption. In anderen Fällen reicht die interne Versetzung in anspruchsvollere Positionen mit verhältnismäßig geringerem Leerlauf für einen gesünderen Arbeitsalltag aus.

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