Reisekrankheit: Was hilft, wenn Urlaub übel macht?

Sommer, Sonne, reisekrank: Jeden dritten Deutschen hat die Fahrt in den Urlaub schon übel gemacht. Schuld ist das Gehirn, das beim Reisen ungewohnte Bewegungsreize verarbeitet. Mit diesen Tipps und Tricks verspüren Sie ab Urlaubsaufbruch Vorfreude statt quälender Übelkeit.

Reisekrank im Kopf: Wieso Reisen das Gehirn verwirren

Auf Schiffen heißt es Seekrankheit. In Flugzeugen ist von Flugkrankheit die Rede und sogar bei längeren Auto- oder Bahnreisen werden viele Menschen reisekrank. Nur fünf bis 15 Prozent haben keinerlei Erfahrung mit der Reisekrankheit (Kinetose).

Frauen betrifft das Phänomen aus hormonellen Gründen häufiger: so insbesondere während der Menstruation und Schwangerschaft. Die Symptome reichen von Erbrechen bis hin zu Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Apathie. Auch Schweißausbrüche und vermehrter Speichelfluss sind verbreitet. In schwerwiegenden Fällen fällt der Blutdruck ab, wodurch neben Schwindelgefühlen und Blässe Herzrasen und Hyperventilation auftreten.

Wissenschaftler wissen mittlerweile, dass die Symptome im Kopf beginnen. Drei verschiedene Systeme informieren Erwachsene permanent über die eigene Bewegung im Raum. Neben Ihren Augen und Ihrem Gleichgewichtsorgan übermitteln Druckrezeptoren in Ihrem Weichgewebe Bewegungsinformationen an Ihr Gehirn. Auf Reisen widersprechen sich die Signale Ihrer drei Informationssysteme. Obwohl sich Ihr Körper in sitzender Position befindet, registriert Ihr Gehirn Beschleunigung und ist deshalb verwirrt.

Wie vergiftet: Wieso sich reisekranke Patienten erbrechen

Aus evolutionsbiologischer Sicht hatte der menschliche Organismus bisher nicht genügend Zeit, um sich an moderne Transportmittel zu gewöhnen. Die widersprüchlichen Bewegungssignale beim Reisen versetzen Ihren Körper in Alarmbereitschaft, da sich Intoxikationen wie Trunkenheit durch ähnliche Signale auszeichnen.

Dadurch geht Ihr Körper bei der Fahrt in den Urlaub fälschlicherweise von einer Vergiftung aus. Indem Ihr Gehirn Neurotoxine freisetzt, will Ihr Organismus der vermeintlichen Intoxikation entgegengenwirken. Die Botenstoffe aktivieren Ihr Brechzentrum, bis Sie Übelkeit verspüren. In den meisten Fällen bessert sich die Reisekrankheit, sobald die ungewohnte Bewegung endet.

Davon abgesehen nimmt die Intensität der Symptome laut vielen Betroffenen ab, je länger die Reise dauert. Auf mehrtägigen Schiffreisen berichten Betroffene nach einigen Tagen zum Beispiel von Gewöhnungseffekten. Obwohl alle Menschen reisekrank werden können, unterscheidet sich die Empfindlichkeit von Person zu Person. Experten sind sich mittlerweile einig, dass Sie Ihre Anfälligkeit durch äußere Faktoren beeinflussen können.

Nicht übel: Diese Tipps & Tricks helfen gegen Reisekrankheit

Wer an Reisekrankheit leidet, hilft dem Gehirn idealerweise bei der Orientierung im Raum. Eine Möglichkeit dazu ist Schlaf. Ihr Gleichgewichtssystem fährt in der Tiefschlafphase herunter. Davon abgesehen erhält Ihr Gehirn bei geschlossenen Augen keine verwirrenden Sinnessignale aus dem visuellen System.

Falls Sie nicht einschlafen können, greifen Sie bloß nicht zu Büchern, Tablets oder Handys. Ihre Augen melden sonst stabile Position, obwohl Ihr Gleichgewichtssinn Bewegung registriert. Der Blick aus dem Fenster kann dabei helfen, die widersprüchlichen Bewegungssignale in Einklang zu bringen. Auf dem Boot sind zum selben Zweck Positionen nahe dem Wasserspiegel empfehlenswert.

Auch Spaziergänge auf Deck lindern auf Schiffsreisen die Übelkeit. Bei Bus-, Zug- und Flugreisen bessern Gangspaziergänge die Beschwerden. Experten raten reisekranken Personen außerdem dazu, weit vorne gelegene Plätze auszuwählen. Im Flugzeug kommen reisekranke Passagiere mit Positionen auf Höhe der Tragflächen oft am besten zurecht.

Entspannt in den Urlaub: Tees & Entspannungsübungen lindern Reiseübelkeit

Schon vor dem Aufbruch in den Urlaub können Sie der Reisekrankheit vorbeugen. Essen Sie vor Ihrer Reise leichte Mahlzeiten wie Obst oder Salat. Ihr Magen ist idealerweise weder leer noch übermäßig voll. Auf Alkohol und Koffein verzichten reisekranke Patienten lieber, da Genussgifte die Anfälligkeit für Übelkeit erhöhen. Greifen Sie vor Aufbruch zu Tees wie Kamille und Melisse, um Ihren Verdauungstrakt zu entspannen.

Auf Schiffen hat sich für Patienten mit Magendarmbeschwerden kandierter Ingwer eingebürgert. Studien dokumentieren außerdem Zusammenhänge zwischen der Reisekrankheit und Psyche. Je entspannter Sie in den Urlaub aufbrechen, desto unwahrscheinlicher sind Beschwerden wie Übelkeit. Deshalb lohnen Entspannungsübungen vor und während der Reise.

Sollten Sie an schweren Formen leiden, nehmen Sie statt schulmedizinischen Medikamenten lieber homöopathische Globuli mit Okoubaka oder Cocculus ein. Anders als Pflaster, Tabletten und Kaugummis mit Scopolamin, Meclozin, Dimenhydrinat oder Cinnarizin machen homöopathische Mittel nicht müde.

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